200 Jahre Schiller: „Ich kann kein Fürstendiener sein“

Der Dichter Friedrich Schiller widmete sein Leben dem Kampf gegen brutale Herrscher und für die Freiheit der Menschen.

„Das Theater glich einem Irrenhause, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum. Fremde Menschen fielen einander in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht.“

Das schrieb ein Augenzeuge über die Premiere von Schillers erstem Theaterstück „Die Räuber“ am 13. Januar 1782 in Mannheim. Friedrich Schiller begeisterte die Menschen mit seiner Kritik an den brutalen Feudalherrschern, die Deutschland im 18. Jahrhundert regierten.

Schiller hatte die Willkür eines Herzogs als Jugendlicher selbst erlebt. Sein Vater war Offizier in der Armee des württembergischen Herzogs Karl Eugen. Als Friedrich 14 Jahre alt war, brachte sein Vater ihn in eine Militärakademie in der Nähe von Stuttgart, wo er Jura und Medizin studierte. Sieben Jahre lang war Friedrich dem militärischen Drill ausgeliefert. Es gab keine Ferien, kaum Freizeit, und seine Eltern durfte er nur unter militärischer Aufsicht sehen. Weil dem Herzog seine roten Haare nicht gefielen, musste Friedrich sie sich weiß pudern. 1777 begann er in der Akademie, „Die Räuber“ zu schreiben. Er beendete das Stück vier Jahre später, als er dem Herzog als Armeearzt diente. Nach der Uraufführung verbot Karl Eugen Schiller das „Komödienschreiben“. Weil Friedrich zweimal ohne Erlaubnis nach Mannheim gefahren war, wurde er für 14 Tage eingesperrt. Danach floh er aus Württemberg. Er lebte jahrelang fast ausschließlich vom Geld seiner Freunde, mit dem Schreiben verdiente er nicht viel.

Deutschland war im 18. Jahrhundert in viele Kleinstaaten zerstückelt, die unabhängig voneinander regiert wurden. Die Wirtschaft war deshalb sehr schwach. Viele Menschen lebten als leibeigene Bauern und wurden von den Fürsten und Herzögen ausgebeutet. Ein wirtschaftlich starkes Bürgertum aus Handwerkern, Bankiers und Händlern wie in anderen europäischen Ländern hatte sich noch nicht entwickelt. Schiller war wütend über den Überfluss, in dem die adeligen Herrscher lebten, während die Mehrheit der Menschen in tiefer Armut darbte. Auch die Aufteilung der Gesellschaft in Stände und die moralische Korruption des Adels waren ihm zuwider. Viele Bürgerliche vertraten damals wie er moralische Werte wie Ehrlichkeit, Unabhängigkeit und Fleiß und grenzten sich so vom Adel ab.

„Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt“, sagte Schiller. Freiheit sei unter der Herrschaft von Adeligen, die über das Leben der arbeitenden Menschen bestimmten, nicht möglich. Er erklärte, er sei ein „Weltbürger, der keinem Fürsten dient.“

Auch die Charaktere in Schillers Werken sind oft selbstbewusst und wehren sich gegen die Adeligen. So fordert der Marquis Posa in „Don Carlos“ vom König: „Geben Sie Gedankenfreiheit“ und erklärt ihm frei heraus, „Ich kann kein Fürstendiener sein.“

Für Schiller war die individuelle Freiheit das höchste Ziel der Menschen. Sie sollten denken und tun können, was sie für vernünftig hielten.

Als die Franzosen 1789 in einer Revolution gegen ihre Unterdrücker aufstanden, war Schiller begeistert. Der Leitgedanke „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ entsprach seinem Denken über eine befreite Gesellschaft. Er wurde sogar zum französischen Ehrenbürger ernannt, weil „Die Räuber“ den Revolutionsführer Danton beeindruckt hatte. Später wandte sich Schiller von der Revolution ab und verurteilte wie viele andere deutsche Intellektuelle auch die Blutigkeit der Kämpfe in Frankreich.

Seine Werke blieben jedoch revolutionär. Sein letztes Stück „Wilhelm Tell“ handelt von Menschen, deren Schweizer Bergdorf von der Armee eines brutalen Herrschers besetzt wird. Die Dorfbewohner planen einen Aufstand gegen ihre Unterdrücker. Erst will Wilhelm Tell sich daran nicht beteiligen. Als er aber verhaftet wird, weil er einem Adligen nicht die geforderte Ehrerbietigkeit erwiesen hat, ändert er seine Meinung. Er flieht aus der Haft und bringt den Adligen um. Die anderen Dorfbewohner schöpfen Mut und erkämpfen durch einen Aufstand ihre Freiheit.

Schillers Werke handeln meist von einfachen Menschen, die sich gegen Ungerechtigkeit wehren und ihre Freiheit erkämpfen. Deshalb kann Schiller uns auch heute noch Inspiration und Mut geben.


von Sarah Nagel (E-Mail)




Linksruck Nr. 198, 1. Januar 1970





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