Kriegsdienstverweigerer in der US-Armee::

„Ich muss hier raus“

Immer mehr US-Soldaten wollen nicht gegen die Iraker kämpfen. John (Name geändert) erzählt, wie er zur US-Armee kam – und warum er wieder raus will.

Nach der Schule habe ich bei einer Bank gearbeitet und dort von ganz unten angefangen. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie.

Meine Eltern haben mich unterstützt, aber nie ermutigt, zur Universität zu gehen. Jahre später habe ich begriffen, wie wichtig eine Ausbildung ist.

Denn dann kamen neue junge Leute in die Bank, die sofort viel mehr verdienten als ich. Ich versuchte, neben der Arbeit noch zu studieren. Ich habe eine Frau und zwei Kinder.

Der Anwerber der Armee, mit dem ich sprach, erzählte mir, dass ich dort gleichzeitig arbeiten und studieren könnte. Ich entschloss mich, der Armee beizutreten, weil ich arbeiten und einen Universitätsabschluss machen wollte.
Manche Leute haben ähnlich gute Gründe, ihre Familien zu verlassen, wenn sie zum Militär gehen.

Wegen der Kriege im Irak und in Afghanistan habe ich nicht zur Uni gehen können. Ich habe meine ganze Zeit mit der militärischen Ausbildung und Vorbereitung verbracht.

Das Training war sehr anstrengend. Wir haben gelernt, auf Zielscheiben zu schießen und Menschen aus fahrenden Autos heraus zu beschießen. Ich mochte es nicht, zu lernen, wie man Menschen verletzt. Viele junge Leute sind unerfahren und hinterfragen nichts.

Durch das Training kam ich darauf, dass Krieg Unrecht ist. Ich wollte niemandem wehtun.

Ich schickte meinen Vorgesetzten einen Einspruch, bevor ich in den Irak geschickt wurde. Trotzdem musste ich für ein Jahr als Sanitäter in den Irak. Ich habe Menschen sterben sehen.

Jetzt bin ich auf einer US-Militärbasis in Deutschland stationiert. Weil ich einer Infanterieeinheit angehöre, werde ich wieder in den Krieg geschickt. Das ist nur eine Frage der Zeit. Denn es gibt nicht viele Infanteriebatallione.

Ich habe meinen Vorgesetzten wieder gesagt, dass ich aus der Armee entlassen werden möchte. Mein Fall wird vor einem Zivilgericht verhandelt und ich hoffe, dass ich vom Militär entlassen werde. Meine Gründe kommen tief aus meinem Inneren. Ich fühle, dass Krieg falsch ist.

Seit ich aus dem Irak zurückgekommen bin, habe ich tatsächlich Gelegenheit gehabt, einige Universitätskurse zu belegen und ich würde mein Studium gern weiterführen.

Ich bin ein Sanitäter und ich habe Menschen gesehen, die sehr gelitten haben. Ich habe verwundeten Menschen geholfen und einige von ihnen sind gestorben.

Als ich meinen Vorgesetzten erklärte, dass ich aus der Armee austreten will, waren sie sehr enttäuscht. Sie versuchten, mich zum Bleiben zu überreden. Ich habe gemerkt, dass mir niemand mehr vertraute.

Mit der Zeit gewann ich den Respekt einiger Leute, weil ich doch den Einsatz im Irak mitmachte und dort vielen Menschen half. Sie haben versucht, mich aus gefährlichen Situationen herauszuhalten.

Ich muss jetzt aus der Armee herauskommen, bevor ich zu einem zweiten Einsatz eingezogen werde. Anderen Leuten ist das schon passiert. Die kamen nach ihrer ersten Runde hierher und wurden einige Monate später wieder in den Irak geschickt. Wenn ich aus der Armee entlassen werde, will ich etwas gegen Krieg in dieser Welt unternehmen.

Im Moment darf ich nichts Schlechtes über die Armee sagen, aber hoffentlich bin ich in ein paar Monaten raus und kann dann offen meine Meinung sagen.

Ich glaube, viele Iraker sind gegen das US-Militär. Aber sie können nichts sagen, weil die USA so mächtig sind und in ihren Panzern durch die Gegend fahren. Die Menschen können nicht viel tun und fühlen sich hilflos. Ich glaube, ich verstehe ihre Einstellung ganz gut. Sie verstehen den Westen nicht. Ich glaube, sie haben Unrecht. Aber Amerika ist auch im Unrecht. So wird die Gewalt nicht aufhören.




Linksruck Nr. 199, 1. Januar 1970





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