Kolumne: Das Leben ist Hart(z):

Gering, fügig, beschäftigt

Von Hans Suhr (Name geändert), Hauspfleger

Die Berliner Diakonie, der Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirche, hat Ein-Euro-Kräfte für die Altenpflege angefordert. Gleichzeitig verschlechtert die Leitung der Kirche Löhne und Arbeitsbedingungen der Pflegerinnen und Pfleger und will das 25 Jahre alte Tarifvertragssystem durch schlechtere Vereinbarungen ersetzen.

Wie in vielen Branchen sind auch in der Altenpflege die Ein-Euro-Jobs ein Mittel, um die Löhne zu senken. Die evangelische Kirche streicht seit Jahren Stellen und stellt vermehrt nur noch Personal mit befristeten Arbeitsverträgen ein. Diese Kolleginnen und Kollegennehmen Kürzungen oft widerstandslos hin. Denn sie haben Angst, dass ihr Arbeitsvertrag nicht verlängert wird, wenn sie sich wehren.

Jetzt wird der Druck auf die Angestellten mit Ein-Euro-Jobbern weiter erhöht. Für Ein-Euro-Kräfte gelten die Arbeitnehmerrechte im jeweiligen Betrieb nicht. Deshalb können sie sich unter anderem nicht gegen schlechte Arbeitsbedingungen wehren. Sonst droht ihnen die Kürzung des Arbeitslosengeldes.

Die fest angestellten Kollegen werden durch die Ein-Euro-Jobber täglich daran erinnert, dass auch sie in die Armut abrutschen, wenn sie arbeitslos werden. Diese Angst im Nacken schwächt die Bereitschaft, Widerstand zu leisten. Außerdem befürchtet die Gewerkschaft ver.di, dass Kollegen, deren befristete Arbeitsverträge auslaufen, durch Ein-Euro-Jobber ersetzt werden.




Linksruck Nr. 199, 1. Januar 1970





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