Königreich der Himmel:

Niemals Frieden

Herrscher, die sich als Christen ausgeben, überziehen den Nahen Osten mit Krieg. Das gab es auch schon vor 800 Jahren.

Dass Ridley Scott („Gladiator“) die Kirche nicht mag, zeigt der Regisseur schon in der ersten Szene: Statt die Frau des Schmiedes Balian (Orlando Bloom) zu begraben, lässt der Priester die Leiche erst köpfen, weil die Frau sich umgebracht und damit angeblich gesündigt hat.

„Königreich der Himmel“ beginnt 1186 in einem französischen Dorf. Balian tötet den Priester und geht als Kreuzritter nach Jerusalem, um durch den Kampf für Gott seine Sünden vergeben zu bekommen.

Doch die größten Verbrecher der Stadt sind die Kreuzritter selbst. Ihre Vorgänger hatten bei der Eroberung Jerusalems 1099 in drei Tagen 70.000 unbewaffnete Muslime und Juden ermordet.

Die christlichen Herrscher überfallen muslimische Karawanen und töten dabei so viele Araber wie möglich. Damit wollen die Kreuzfahrer einen Krieg gegen Saladin, den Sultan von Ägypten und Syrien provozieren.

Als seine Armee 1187 die Kreuzfahrer besiegt und Jerusalem angreift, fürchtet Balian, dass Saladins Armee ein ähnliches Massaker begehen könnte, wie früher die Kreuzfahrer. Um das zu verhindern, führt Baladin den gemeinsamen Widerstand aller Jerusalemer ...

Je länger der Ritter versucht, Gottes Willen zu erfüllen, desto mehr misstraut er der Religion. Selbst auf dem Hügel Golgatha, wo Jesus gekreuzigt wurde, spricht Gott nicht zu Balian.

Von seinen vernünftigen Kollegen lernt er, dass ein guter Ritter die Armen und Wehrlosen beschützen muss, egal zu welchem Glauben sie sich bekennen. Als der sterbende König Balduin IV. Balian zum Herrscher über den Kreuzfahrerstaat Jerusalem machen will, lehnt dieser ab.

Stattdessen kämpft Balian für ein Königreich der (verschiedenen) Himmel, in dem alle Christen, Muslime und Juden das gleiche Recht auf ihre heiligen Stätten haben. Doch er scheitert an der Machtgier der Herrschenden.

Denn in Wirklichkeit gibt’s auf allen Seiten immer wieder auf den Helm beziehungsweise Turban. Scott zeigt überwältigende Bilder von Schlachten, die es mit „Gladiator“ aufnehmen können. Doch der Regisseur berauscht sich nur selten am Massenmord der Soldaten und stellt den Krieg als Verbrechen dar, bei dem alle verlieren.

Bloom erklärte, mit dem Film „ein Schlaglicht auf politische Themen“ werfen zu wollen. „Denn heute wie damals wird diese Gegend von Kriegen heimgesucht.“

Tatsächlich wirken die Ritter, die von Moral und Gerechtigkeit sprechen, während sie Mord und Totschlag verbreiten, an manchen Stellen wie in Blech gepackte Kopien von US-Präsident Bush, der Krieg im Irak führt.

Nebenbei überrascht „Herr-der-Ringe“-Elbe Bloom damit, sich von Liam Neeson und Jeremy Irons nicht an die Wand spielen zu lassen. Der schweigsame, meist angeschlagen dreinblickende Balian überzeugt als friedlicher Mensch, der gezwungen wird, durch Blut zu waten.

Die meisten wichtigen Figuren des Films und die Schlachten hat es wirklich gegeben. Lediglich Balian und seine Freunde musste Scott hinzudichten. Denn in Wirklichkeit wollten die adligen Ritter und Könige im Nahen Osten immer den Krieg und niemals den Frieden.


von Hans Krause




Linksruck Nr. 199, 1. Januar 1970





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