Die Stadt steht hinter uns

Im nordrhein-westfälischen Hattingen kämpfen über 300 Arbeiter um ihre Arbeitsplätze. Linksruck sprach mit dem Landtagskandidaten Hans-Jürgen Münnig, wie die WASG die Kollegen unterstützt.

Helft mit

Wenn ihr euch mit den Kollegen von KONE solidarisch erklären wollt, schickt eine E-Mail an den Betriebsrat in Hattingen: mark.simon@kone.com
Unterschriftenlisten für den Erhalt des Werkes könnt ihr von den Internetseiten www.igmetall-en.de und www.solikreis-kone.de runterladen. Ihr könnt euch die Listen auch von der IG Metall Gevelsberg-Hattingen schicken lassen: Schreibt eine E-Mail an: gevelsberg-hattingen@igmetall.de oder ruft an: 0 23 32 / 78 96 10. Schickt ausgefüllte Listen an: IG Metall Gevelsberg-Hattingen, Großer Markt 9, 58285 Gevelsberg

Die Bosse von KONE wollen die Rolltreppenfertigung von Hattingen im Ruhrgebiet nach China verlagern. Ist der Konzern pleite?

Nein. Der Weltkonzern will über 300 Arbeiter, die sich jahrelang für den Betrieb eingesetzt haben, auf die Straße setzen, obwohl seit 2000 die Preise für Rolltreppen und der Profit des Unternehmens stärker steigen als die Löhne der Arbeiter.
Die Beschäftigten sind den Bossen egal. Sie wollen nur die Profite weiter steigern. In China können sie die Arbeiter viel schlechter bezahlen als hier. Doch je besser die Menschen dort qualifiziert sind, desto mehr kämpfen sie auch dort für höhere Gehälter.
Der Vorstand von KONE behauptet, das Hattinger Werk sei nicht ausgelastet. Dabei zieht der Konzern systematisch vorhandene Aufträge aus Hattingen ab und begründet dies ganz offen mit der beabsichtigten Werksschließung.

Was tut die Landesregierung, um die Arbeitsplätze zu retten?

Nichts, obwohl im Ruhrgebiet 200.000 Stellen fehlen. Vor Kurzem hat die Gewerkschaft IG Metall Landtagskandidaten von SPD, CDU, FDP und Grünen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Sie sagten, sie könnten nichts für die Menschen tun. Die KONE-Arbeiter und ihre Familien fühlen sich zu Recht komplett verarscht.
Als der SPD-Kandidat Bovermann behauptete, Hartz IV würde den Sozialstaat sichern und niemand müsse verhungern, haben viele Zuhörer laut protestiert: „Schert euch nach Hause!“
Der FDP-Vertreter Middeldorf erzählte, er wolle starke Gewerkschaften. Die Arbeiter glaubten ihm kein Wort.
Ich bekam als einziger Landtagskandidat Beifall, obwohl ich nicht auf dem Podium saß, sondern unter den Arbeitern: Ich erinnerte daran, dass die FDP im Ruhrgebiet Sonderwirtschaftszonen ohne die gesetzlichen arbeitsrechtlichen Standards fordert und dass der FDP-Vorsitzende Westerwelle die Gewerkschaften für „die wahre Plage in Deutschland“ hält.

Seid ihr von der WASG besser?

Allerdings. Wir arbeiten gemeinsam mit Kollegen, Vertrauensleuten, dem Betriebsrat, Gewerkschaftsvertretern, PDS- und DKP-Mitgliedern im Solidarkreis KONE. Damit wollen wir möglichst viele Belegschaften, Verbände und jeden Einzelnen dafür gewinnen, den Kampf der Kollegen über den Betrieb hinaus auszuweiten.
Wir haben die Internetseite des Solidarkreises aufgebaut und stellen dafür auf unseren Computern Speicherplatz zur Verfügung. Die Kollegen können kostenlos unsere Lautsprecheranlage für Demos und Infostände benutzen. Außerdem drucken wir Ansteck-Buttons, mit denen jeder seine Solidarität mit den KONE-Arbeitern zeigen kann.
Mit Flugblättern klären wir über die Lügen von KONE auf. Und darüber, dass die Regierung mit Hartz IV sowohl Entlassene in Armut stürzt, als auch den Konzernen hilft, Arbeiter leichter zu erpressen.
So wollen wir Kollegen aus Firmen, die mit KONE konkurrieren, und alle anderen überzeugen, dass wir alle im selben Boot sitzen und den Widerstand der KONE-Arbeiter zu unserem Kampf machen müssen.
Politik darf sich nicht von Konzernen erpressen lassen, sondern muss deren Macht beschränken: Deshalb fordern wir Umverteilung von oben nach unten, die Streichung von Hartz IV und den Ausbau des Sozialstaates. In Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen, Jugendeinrichtungen könnten sofort Arbeitsplätze geschaffen werden. Das können wir bezahlen, indem wir Reiche und reiche Unternehmen an ihre soziale Verpflichtung erinnern und angemessen besteuern.

Was habt ihr im Solidarkreis erreicht?

Dass an der letzten Demo fast 2000 Menschen teilgenommen haben. Auch Kollegen aus den Konkurrenzbetrieben OTIS und ThyssenKrupp haben mitgemacht. Opel-Arbeiter aus Bochum haben sich beteiligt, Schüler und Rentner aus Hattingen und der Umgebung. Die ganze Stadt steht hinter den KONE-Arbeitern.
Obwohl die Medien fast nur über die großen Parteien berichten, unterstützen immer mehr Menschen die WASG, weil wir für die Kollegen bei KONE kämpfen. Viele, die anfangs misstrauisch waren, erfahren, dass wir an ihrer Seite kämpfen.
Der Wahlkreis Ennepe-Ruhr ist sehr groß, weshalb viele WASG-Kollegen nicht zu Treffen und Aktionen kommen können. Doch mittlerweile verteilen viele Leute, die noch nicht Mitglied sind, unsere Flugblätter. Etliche haben argumentiert, die WASG zu wählen, so dass wir hier x Prozent erreicht haben.
Vor zwei Wochen zum Beispiel hat mich jemand angerufen, den ich gar nicht kannte. Er hat gefragt, wo er Material der WASG bekommen könne.
Als ich es ihm brachte, saßen noch fünf andere in seinem Wohnzimmer, die sich für die WASG interessierten. Nachdem wir zwei Stunden diskutiert hatten, haben sie ihre Briefwahlunterlagen rausgeholt und vor meinen Augen die WASG gewählt.
Und vor kurzem hat mit ein 96-jähriger früherer Zementindustriearbeiter in einem sechs Seiten langen Brief geschrieben, warum er nach 36 Jahren in der SPD jetzt die WASG wählt.


Hans-Jürgen Münnig war Kandidat der WASG für die Wahlen in Nordrhein-Westfalen und arbeitet im Solidarkreis KONE, der für den Erhalt der Arbeitsplätze im Werk Hattingen kämpft (www.solikreis-kone.de)

Linksruck Nr. 200, 1. Januar 1970





Dieser Artikel kommt von Linksruck
http://www.linksruck.de