Protest gegen Werkschließung:

Wir geben nicht auf

Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH) will in Berlin 700 Arbeiter entlassen. Hüseyin Akyurt vom Vertrauenskörper der Gewerkschaft IG Metall erzählt, wie sich die Kollegen wehren.

Wir kämpfen seit Anfang Mai dafür, dass unser Werk nicht geschlossen wird. Wir haben eine betriebliche Tarifkommission gebildet, die Forderungen an den Arbeitgeber stellen wird.

Wir gehen davon aus, dass unsere Forderungen nicht erfüllt werden. Dann werden wir streiken.

Wir planen auch eine Demonstration vor der Siemens-Zentrale in München. 500 Leute aus Berlin haben sich schon angemeldet. Es werden sicher noch viel mehr.

BSH hat uns am 4. Mai mitgeteilt, dass die Produktion in Berlin stillgelegt wird. 700 Kollegen sollen entlassen werden.
1996 haben noch über 3000 Leute in dem Betrieb gearbeitet. Heute sind es 1100 und jetzt wollen sie das Werk schließen. BSH behauptet, sie würde die Arbeitsplätze ins brandenburgische Nauen verlagern, aber das ist gelogen.

Auch dort werden Arbeiter entlassen, obwohl sie unter schlechteren Bedingungen arbeiten als wir: Die Nauener werden unter Tarif bezahlt, bekommen weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld, keine Betriebsrente und haben weniger Urlaub.

Bis 2002 haben im Nauener Werk etwa 1000 Leute gearbeitet. Jetzt sind es 400. Die Arbeitsplätze werden nach Polen, China oder in die Türkei verlagert, wo das Unternehmen den Menschen nur einen Bruchteil unseres Lohnes bezahlt.

Gleich nach der Ankündigung von BSH haben wir eine Betriebsversammlung und eine Protestkundgebung vor dem Werkstor organisiert. Am 9. Mai haben wir vor der Hauptverwaltungsstelle demonstriert.

Dann haben wir einen Autokorso zum Rathaus organisiert. Hundert Leute hatten sich angemeldet. Doch 230 sind mit ihrem Wagen gekommen.

Der Berliner Wirtschaftssenator Wolf hat auf der Kundgebung gesagt, er würde alles dafür tun, die Arbeitsplätze zu retten. Er sagte aber nicht, was ‚alles’ bedeutet.

Ich glaube nicht, dass die Politiker uns helfen. Als BSH in Nauen 600 Leute kündigte, hat die Regierung ihr kurz darauf Fördergelder geschenkt. Das zeigt, dass die Politiker nicht auf unserer Seite stehen.

BSH macht jedes Jahr hohe Gewinne. Die Arbeiter werden nicht entlassen, weil es dem Unternehmen schlecht geht, sondern damit die Profite noch höher werden. Diese Entscheidung werden wir mit einem Streik bekämpfen.

BSH versucht, die Belegschaft zu spalten. Angestellte werden gegen Arbeiter ausgespielt und Deutsche gegen Ausländer.

Das lassen wir uns nicht gefallen. Wir kämpfen gemeinsam.

Viele Arbeiter bei BSH stammen aus dem Ausland und haben keine Berufsausbildung. Sie werden es schwer haben, nach der Entlassung einen neuen Job in Berlin zu finden.

Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit müssen sie von Arbeitslosengeld II leben. Wir sind entschlossen, uns dagegen zu wehren.




Linksruck Nr. 200, 1. Januar 1970





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