Wir zahlen an Bayern

Die Allianz-Arena kostet den Staat 300 Millionen und nützt nur Bayern München.

Es ist eines der schönsten Stadien der Welt. Die weitschweifende, kantenlose Architektur ist sorgsam in die geschwungene Parklandschaft eingepasst.

Die Arena ist ein gelungener Gegensatz zum unter den Nazis gebauten monumentalen Klotz Olympiastadion Berlin. Trotzdem ist sie mit 63.000 Plätzen groß genug für jede Sport- oder Musikveranstaltung.

Nein, die Rede ist nicht von der neuen Allianz-Arena, sondern vom zehn Kilometer entfernten Münchner Olympiastadion. Hier wurde Deutschland 1974 Fußballweltmeister, und hier feierten 40 Millionen Münchner Fans 17 Meisterschaften und fünf Europapokale. Doch das Olympiastadion steht jetzt leer. Denn sowohl Bayern als auch 1860 München werden ihre Fußballspiele nur noch in der „Arroganz-Arena“ austragen, wie einige Fans das Stadion treffend nennen.

Dass niemand zwei riesige Fußball-Arenen in Nordmünchen braucht, hat der Welt-Fußballverband Fifa schon 2000 festgestellt, als er das Olympiastadion zum Ärger der Bayern-Bosse als geeignet für die Weltmeisterschaft 2006 einstufte. Daraufhin drückten sie 2001 mit Unterstützung von 1860-Präsident Wildmoser und der rot-grünen Mehrheit im Stadtrat einen Volksentscheid durch, für den alle drei Boulevardzeitungen der Stadt die Werbetrommel rührten. Zwei Drittel der Münchner stimmten dafür.

Viele überzeugte damals, dass die beiden Fußballvereine die 340 Millionen Euro für den Bau aus eigener Tasche bezahlen wollten. Verschwiegen haben die Bosse jedoch, dass der nur für das Stadion gebaute U-Bahnhof, die Autobahnausfahrt und Straßen 300 Millionen Steuergelder gekostet haben. Einen Teil zahlt die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Stoiber, dem Vorsitzenden des Verwaltungsbeirats von Bayern München.

Ein Umbau des gut erreichbaren Olympiastadions hätte nur 72 Millionen gekostet. Doch die Koalition aus rot-weißen Bayern, blau-weißen 60ern und rot-grünen Stadträten lehnte das ab, weil man angeblich zu viel Rücksicht auf die bestehende Architektur hätte nehmen müssen.

Profitieren wird von der Allianz-Arena vor allem Bayern München, das künftig keine Stadionmiete mehr an die Stadt zahlt. Während die beste deutsche Mannschaft das Stadion mit 66.000 Plätzen gelegentlich füllen wird, hat die neue Arena für Zweitligist 1860 mit durchschnittlich unter 29.000 Zuschauern gar keinen Sinn.

Die 106 Logen im neuen Stadion sind für 90 bis 240.000 Euro pro Jahr bis 2010 ausverkauft. Der Allianz-Versicherungskonzern zahlt bis 2020 pro Jahr 6 Millionen, damit die Arena seinen Namen trägt. Die Münchner Steuerzahler sehen davon keinen Cent.

Die Finanzierung des Stadions klappt nur, wenn die Fernsehsender ab nächstem Jahr mindestens 400, statt jetzt 310 Millionen pro Saison an die Bundesliga zahlen. Über die GEZ-Gebühren der ARD bezahlen wir dann alle einen Teil der Allianz-Arena.

Sonst gehen beide Münchner Profifußballvereine pleite. Aber das wollen wir nicht – oder doch?


von Hans Krause




Linksruck Nr. 201, 1. Januar 1970





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