Der militärische Arm der Globalisierung

Millionen von Menschen fehlt Geld für das Nötigste. Für das Militär dagegen geben Regierungen weltweit Milliarden aus. Hinter diesen Gegensätzen steht ein System: Kapitalismus.

Alle sieben Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger. Das hat die Welternährungsorganisation FAO am Welternährungstag bekannt gegeben. Am gleichen Tag erklärte die FAO, dass der Kampf gegen den Hunger „nahezu zum Stillstand gekommen ist.“
Nach ihren Angaben sind 24 Milliarden Euro nötig, um den Hunger zu bekämpfen – pro Jahr. Die politischen Führer der Welt unternehmen nichts in diese Richtung. Aber US-Präsident Bush ist bereit, für einen Krieg gegen Irak zwischen 9 und 20 Milliarden Euro auszugeben – pro Monat.
Hunger und Krieg – das sind die brutalsten Seiten des Kapitalismus. Ohne sie ist er nicht denkbar.
Im Zeitalter der kapitalistischen Globalisierung beherrschen die Regierungen einer Handvoll mächtiger Staaten unter Führung der US-Regierung den Planeten. Heute übersteigen die zusammengenommenen Umsätze der 200 mächtigsten Konzerne das Bruttosozialprodukt von 182 Staaten, in denen 80 Prozent der Weltbevölkerung leben. Im Sinn dieser Multis und ihrer Profite bestimmen die US-Regierung und ihre Verbündeten die Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Welthandelsorganisation (WTO) und der Vereinten Nationen (UNO).
Wenn ein Land, in dem Hunger und Armut herrschen, einen Kredit vom IWF braucht, muss es „Strukturanpassungsmaßnahmen“ zustimmen. Es muss sich Konzernen öffnen, die neue Märkte und billige Arbeiter suchen.
Selbst wenn sich die Auswirkungen dieser Maßnahmen als katastrophal erweisen, verlangt der IWF mehr. Für die Konzerne und ihre Regierungen sind die Toten „Kollateralschäden“ der Globalisierung.
Doch wirtschaftlicher Druck reicht nicht immer aus, um die Forderungen der Großmächte durchzusetzen.
Wenn schwächere Staaten gegen die Erpressung rebellieren, brauchen die Großmächte eine Mischung aus Polizei, Gerichtsvollzieher und Schlägertrupp – das Militär. „Märkte funktionieren und gedeihen nur, wenn die Eigentumsrechte sicher sind und durchgesetzt werden können. Das wiederum setzt einen politischen Rahmen voraus, der vom Militär beschützt und aufrechterhalten wird“, schrieb ein Auslandskorrespondent der New York Times einmal.
Die US-Regierung gibt nächstes Jahr 400 Milliarden Euro für ihre Armee aus. Das US-Budget ist so groß wie die Budgets der 25 nachfolgenden Staaten zusammengenommen. In den letzten 12 Jahren führte die US-Regierung vier Kriege: 1990/91 gegen Irak, 1992 gegen Somalia, 1999 gegen Jugoslawien und 2001 gegen Afghanistan.
Globalisierung und Krieg gehen Hand in Hand. Seit der Kapitalismus sich aus dem nationalen Rahmen über den gesamten Globus zu erstrecken begann, brauchten die starken Staaten ihr Militär.
Ende des 19 Jahrhunderts eroberte das US-Militär die spanischen Kolonien Kuba und die Philippinen. Anfang des 20. Jahrhunderts schlug die kaiserliche deutsche Armee Aufstände in den deutschen Kolonien nieder. Deutsche Soldaten ermordeten jeweils über 100.000 Menschen 1905-07 in Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) und 1903-09 in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia).
Ähnliche Massaker fanden überall statt, wo die Großmächte ihren Einfluss ausweiteten. Dieses „höchste Stadium des Kapitalismus“ nannte Lenin, einer der Anführer der Oktoberrevolution in Russland 1917, Imperialismus.
Der Wettbewerb zwischen den Firmen zwingt sie dazu, in die Ausweitung ihrer Unternehmen zu investieren, damit sie billiger produzieren können. Einige haben damit Erfolg, andere gehen unter.
Die überlebenden Firmen wachsen, indem sie Konkurrenten vom Markt verdrängen. Ganze Volkswirtschaften werden so mehr und mehr von einer kleinen Anzahl riesiger Unternehmen kontrolliert. Die Verknüpfungen zwischen den großen industriellen Unternehmen und den Großbanken wachsen.
Gleichzeitig wächst die Verflechtung von Geschäftswelt und Staat. Diese Partnerschaft zwischen Staat und Industrie in einem Land stößt irgendwann mit ihren Spiegelbildern in anderen Ländern zusammen.
Diese Entwicklung hat immer wieder dazu geführt, dass die ganze Welt in verheerende Kriege stürzte. Sie wirkt auch heute noch – selbst wenn es keine klassischen Kolonien mehr gibt.
Verglichen mit den Wachstums- und Profitraten der 50er und 60er Jahre kriecht die Weltwirtschaft seit Jahren nur so dahin. Einerseits verschärft sich so die Konkurrenz zwischen den Konzernen – Pleiten und Fusionen steigen. Andererseits steigen weltweit die Militärausgaben.
Der Kapitalismus bringt die Schrecken des Kriegs, der Armut und des Hungers mit sich. Solange, bis wir ihn gemeinsam überwinden und durch eine sozialistische Gesellschaft ersetzen, in der die Bedürfnisse der Menschen die treibende Kraft sind – nicht die Profite der Bosse.

von Jan Maas (E-Mail)




Linksruck Nr. 140, 1. Januar 1970





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