Nationale Sicherheit und rassistische Märchen

Film National Security:

Ein weißer Polizist findet, dass zu viel gegen Rassismus getan wird.

Anscheinend hat Regisseur Dennis Dugan von der jahrzehntelangen Bewegung für die Gleichberechtigung von Schwarzen in den USA die Nase gestrichen voll. Denn in "National Security" zeigt er nicht nur reihenweise Vorurteile gegen Schwarze, sondern stellt deren antirassistische Ideen bestenfalls als lächerlich dar, schlimmstenfalls zerstören sie das Leben von Weißen.
So wird der arglose weiße Polizist Hank Rafferty (Steve Zahn) vom chaotischen schwarzen Kleinkriminellen Earl Montgomery (Martin Lawrence) als Nazi beschimpft, weil er ihn daran hindern will, ein Auto zu klauen. Als plötzlich eine Biene auf den allergischen Earl zufliegt, fuchtelt Hank wild mit dem Schlagstock vor Earls Kopf rum, um das Tier zu vertreiben. Doch auf einem zufällig gedrehten Video sieht es aus, als würde der Polizist den Schwarzen übel verdreschen.
Die Szene ist eine peinliche Parodie des Videos, das zeigt, wie der hilflose Schwarze Rodney King 1991 in Los Angeles von weißen Polizisten brutal verprügelt wurde. Als ein Gericht die Polizisten damals freisprach, gab es in schwarzen Vierteln tagelange Aufstände, die von der Armee niedergeschlagen wurden.
In "National Security" hingegen wird der unschuldige Hank von schwarzen Geschworenen zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt.
Dass durch die weitgehende Zerstörung des Sozialstaates in den USA die Benachteiligung von Schwarzen tatsächlich immer größer wird, verschweigt der Film hingegen. So sterben von 1.000 schwarzen Babys 15 kurz nach der Geburt, gegenüber 6 von 1.000 bei Weißen.
Weil viele arme Schwarze kein Recht auf Gesundheitsversorgung haben, ist ihre Gefahr, an heilbaren Krankheiten zu sterben, um 50 Prozent größer als bei Weißen. Das Einkommen Schwarzer beträgt durchschnittlich nur 60 Prozent vom Einkommen Weißer. Auf jeden Schwarzen, der ein Universitätsstudium abschließt, kommen hundert, die von der Polizei verhaftet werden.
Der Film jedoch hangelt sich von einem Hautfarben-Konflikt zum nächsten, wobei die Probleme stets von Schwarzen verursacht werden, die einfach unfähig sind, mit Weißen auszukommen.
Auch die im Film viel gelobte Polizei ist in Wirklichkeit Teil des täglichen Rassismus in den USA. Jeder dritte schwarze Mann zwischen 20 und 29 Jahren sitzt im Gefängnis. 73 Prozent aller von der Polizei gestoppten Autos werden von Schwarzen gefahren, für die Polizeikontrollen sogar tödlich ausgehen können. In New York durchsiebten 1999 Polizisten den 22-jährigen Schwarzen Amadou Diallo mit 41 Schüssen, als er nach seiner Brieftasche greifen wollte. Er war unbewaffnet, aber einen Schwarzen, der in seine Tasche greift, halten US-Polizisten immer für ein Risiko.
In "National Security" wird Rassismus hingegen nur als Aufhänger für haufenweise platte Gags benutzt. So lustig wie ein Sklavenhalter auf der Baumwollplantage.


Linksruck Nr. 149, 1. Januar 1970





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