„Wir wählen links“

Gewerkschafter haben einen Aufruf gestartet, Linkspartei.PDS zu wählen. Linksruck sprach mit Walter Mayer, einem der Initiatoren.

Walter Mayer ist Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin und Mitglied der WASG
Aufruf: Homepage oder kann kostenlos bestellt werden bei: Walter Mayer, Riehlstr. 8, 14057 Berlin, E-Mail: mayers.walter@t-online.de

Spenden für die Veröffentlichung des Aufrufs bitte auf das Konto von Walter Mayer:
Kontonummer: 60 10 16 76 53, Berliner Sparkasse, BLZ 100 500 00, Stichwort: Links wählen

An wen richtet sich der Aufruf „Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wählen links“?

Vor allem an Kollegen, die weder Mitglied der WASG noch der Linkspartei.PDS sind. Deshalb haben wir von Anfang an Nicht-Mitglieder angesprochen. Horst Schmitthenner, ehemaliges Vorstandsmitglied der Gewerkschaft IG Metall zum Beispiel, ist nicht in der WASG oder Linkspartei.PDS. Er ist einer der Erstunterzeichner.
Seitdem der Aufruf vor einer Woche veröffentlicht wurde, haben wir per Internet, E-Mails und Briefen schon über 500 Unterschriften bekommen. Unser Ziel ist eine vierstellige Zahl.

Ist das möglich?

Beim ersten Treffen, zu dem wir Gewerkschafter zwecks Gründung der Wählerinitiative eingeladen haben, sind über 70 Kollegen gekommen. Viele sind enttäuscht von Rot-Grün und über die Nähe der meisten Gewerkschaftsfunktionäre in Spitzenpositionen zur SPD. Diese waren und sind nicht gewillt, die Regierung entschieden und mit wirklichen Konsequenzen zu kritisieren.
Selbst als Rot-Grün bei der Ausbildungsabgabe zurückgerudert ist, haben sich unsere Spitzenfunktionäre mit Kritik zurückgehalten. Sie haben sich auf die Seite der Regierung geschlagen und die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, Ausbildungsplätze zu schaffen, propagiert. Den Preis dafür müssen die Jugendlichen zahlen, die noch immer keinen Ausbildungsplatz haben.
Es nützt nichts, Rot-Grün zu schonen. Dies sehen immer mehr Kolleginnen und Kollegen genauso, die deshalb bereit sind, den Aufruf zu unterstützen.

Anfang August haben rund 20 Vorsitzende von Konzern- und Gesamtbetriebsräten zur Wahl der SPD aufgerufen.

Zu ihnen möchte ich sagen: Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie könnt ihr vergessen, dass ihr gemeinsam mit euren Gewerkschaften gegen Hartz IV und die „Agenda 2010“ Protestaufrufe gestartet habt? Ihr seid von tausenden Kollegen gewählt worden und macht jetzt Reklame für eine Politik, die sich gegen die sozialen Interessen der abhängig Beschäftigten, gegen die Arbeitslosen, gegen die Zukunftsperspektiven von Jugendlichen richtet.
Wenn sich die SPD jetzt für eine Reichensteuer stark macht, muss man fragen, warum sie die bisher nicht eingeführt hat. Wenn die SPD jetzt stärkere Lohnerhöhungen fordert: Warum hat sie bislang das Gegenteil vertreten?
Wir brauchen Abgeordnete im Bundestag, die unsere Interessen vertreten und unsere Ansprechpartner sind, die Alternativen zum neoliberalen Politikkonzept bekannt machen und die uns darüber informieren, was im Parlament geplant wird. So können wir eine starke Bewegung aufbauen, die für Arbeitsplätze und soziale Gerechtigkeit kämpft.

Wie wollt ihr das erreichen?

Wir werden uns regelmäßig treffen und Kollegen unterstützen, Unterschriften in den Betrieben, bei Vertrauensleuteversammlungen und so weiter zu sammeln. Je mehr zusammenkommen, desto mehr Druck kann das auf die Kräfte in den Gewerkschaften, insbesondere auf die Vorstände, entfalten, die meinen, die SPD immer noch schützen zu müssen.
Für Anfang September planen wir eine Großveranstaltung, zu der wir vor allem Gewerkschafter einladen. Außerdem wollen wir den Aufruf im September in Tageszeitungen als Anzeige schalten.


Das Gespräch führte Irmgard Wurdack

Linksruck Nr. 205, 1. Januar 1970





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