"Land of the Dead":

Esst die Reichen

Zum vierten Mal lässt George A. Romero die Zombies schlurfen, diesmal gegen die Kapitalisten.

1968 erzählte George A. Romero in „Night of the Living Dead“ (deutscher Titel: „Die Nacht der lebenden Toten“) von Toten, die durch radioaktive Strahlung wieder erweckt werden und sich von Menschen ernähren. Wer von einem Zombie gebissen wird, stirbt und wird selbst ein Untoter.

Romeros revolutionäre Idee war, das Grauen nicht mehr durch Monster oder Außerirdische über die Menschen hereinbrechen zu lassen. In seinem Film konnten auch Nachbarn oder Eltern Zombies geworden sein.

„Die Nacht der lebenden Toten“ schockierte Millionen Menschen, auf dem Höhepunkt der Schwarzenbewegung in den USA vor allem aber Rassisten: Der Held ist schwarz und klüger als die meisten Weißen. Die weiße Bürgerwehr ist ähnlich seelenlos wie die Zombies und erschießt am Ende den Schwarzen, weil sie ihn für einen Zombie hält. Viele verstanden „Die Nacht der lebenden Toten“ auch als Gleichnis auf den Verfall der US-Gesellschaft durch Rassismus und den US-Krieg gegen Vietnam.

1978 drehte Romero „Dawn of the Dead“ („Zombie 1“): Einige Menschen verschanzen sich in einem riesigen Kaufhaus vor den Zombies. Obwohl es genug Nahrung für alle gibt, bringen die Menschen sich gegenseitig um. Ihre Gier nutzt nur den Zombies.

1985 folgte „Day of the Dead“ („Zombie 2“). Der Film spielt in einem unterirdischen Bunker. Während die Soldaten die Zombies ausrotten wollen, suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten, sie zu zivilisieren.

Auf dem Höhepunkt des Wettrüstens zwischen den USA und der Sowjetunion kritisierte Romero das Militär: Die Katastrophe entsteht, weil Soldaten Probleme nicht friedlich lösen können. Erstmals ist in „Day of the Dead“ ein Zombie der Held. Er entwickelt Zuneigung zu einem Wissenschaftler und erschießt einen verbrecherischen Offizier.

Auch „Land of the Dead“ zeigt, wie die Untoten immer menschlicher werden. Die letzte Stadt der Menschen ist eine Festung, in der wenige Reiche in einem luxuriösen Hochhaus leben, während alle anderen in Slums bleiben müssen. Beherrscht wird die Stadt vom menschenverachtenden Konzernchef Kaufman (Dennis Hopper).

Der Soldat Riley (Simon Baker), entdeckt, dass die Zombies lernen, sich untereinander zu verständigen. Doch seine Warnungen werden nicht ernst genommen.

Unterdessen führt ein schwarzer Untoter eine Armee von Zombies gegen die Menschenstadt. Ihr Ziel ist das leuchtende Hochhaus der Reichen…

In „Land of the Dead“ gelingt den Zombies, was die Menschen nicht schaffen: die Herrschaft Kaufmans zu beenden. Deutlicher als je zuvor nutzt Romero hier seinen Horrorfilm, um zu zeigen, dass der größte Feind der Gerechtigkeit die Kapitalisten sind.

„Land of the Dead“ erweckt die Hoffnung, dass es eine Welt geben könnte, in der Menschen und Zombies friedlich zusammenleben – ohne Reiche und mächtige Herrscher.


von Daniel Illger (E-Mail)




Linksruck Nr. 207, 1. Januar 1970





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