Jugendkongress:

Eine bessere Zukunft erkämpfen

Am 15. Oktober wird in Berlin eine Aktivenkonferenz für Jugendliche stattfinden. Vier Aktivisten berichten im Linksruck, welche Themen dort diskutiert werden.

Julia Meier ist Studentin und war bei Protesten an der Freiburger Universität aktiv

„Studiengebühren bedeuten, dass viele Jugendliche sich ein Studium nicht mehr leisten können. Wenn man 500 Euro im Semester zahlen muss, ist das eine Hürde für Leute aus ärmeren Familien. Wer einen Bildungskredit bekommt, steht man nach dem Studium mit 5.000 Euro Schulden da. Angeblich können sich die Länder die Unis nicht leisten und kürzen ihnen deshalb die Mittel. Das Geld fehlt, weil große Konzerne immer weniger Steuern zahlen müssen. Dafür sollen die Studenten jetzt bezahlen. Die Universitäten sollen in private Unternehmen umgewandelt werden, bei denen die Studenten Kunden sind. Privatisierungen und Kürzungen betreffen nicht nur die Unis. Die Regierung kürzt auch bei anderen Leistungen wie der Rente und wälzt die Kosten auf die Menschen ab. So müssen wir jetzt 10 Euro Praxisgebühr oder Geld für Schulbücher zahlen. Dagegen können wie uns wehren. Die Studiengebühren können wir stoppen, wenn die Studenten aktiv werden, Streiks organisieren und die Unis besetzen. Auf die Dauer können wir aber nur etwas erreichen, wenn wir die Politiker und Bosse da treffen, wo es ihnen am meisten wehtut: Bei ihren Profiten. Das können nur die Arbeiter schaffen, wenn sie streiken, um sich so gegen die Kürzungen zu wehren. Die Universitäten können aber ein Treffpunkt für die soziale Bewegung sein, um zu diskutieren und Proteste zu organisieren. Auch auf dem Jugendkongress können die verschiedenen Teile der Bewegung, Schüler, Azubis und Studenten zusammenkommen, um gemeinsam ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen und Proteste aufzubauen.“

Ringo Bischoff ist Sekretär der Ver.di Jugend und wird auf der Auftaktveranstaltung sprechen

„In diesem Jahr brauchen 673.000 Jugendliche eine Ausbildungsstelle, aber von den Betrieben werden nur 396.900 Ausbildungsplätze angeboten. Das heißt, mehr als 120.000 junge Menschen bekommen dieses Jahr keinen Ausbildungsplatz. Seit zehn Jahren fehlen jährlich immer mehr Ausbildungsplätze. Die Parteien haben immer wieder versprochen, dass sie Ausbildungsplätze schaffen wollen, aber es ist nie wirklich etwas passiert. Am Ende des Jahres wird immer ausgerechnet, wie viele Ausbildungsplätze benötigt werden. Anstatt dafür zu sorgen, dass jeder Jugendliche einen Platz bekommt, werden dann Ausnahmeregelungen vereinbart. Erst sollten nur Schulabgänger ab 18 Jahren Anspruch auf eine Azubi-Stelle haben. Dann wurde es so dargestellt, als wären viele Schulabgänger einfach zu dumm, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Dabei ist es ja selbstverständlich, dass ein Schulabgänger noch nicht hoch qualifiziert ist, sondern noch mitten in seiner Entwicklung. Wahrscheinlich werden die Politiker den Ausbildungsplatzmangel so lange aussitzen, bis geburtenschwächere Jahrgänge die Schule abschließen, denn dann gibt es für genug Arbeitsstellen für alle. Viele gewerkschaftliche Jugendorganisationen sind schon aktiv geworden und haben Protestaktionen organisiert, um für ihr Recht auf einen Ausbildungsplatz zu kämpfen. Die Gewerkschaft Ver.di fordert eine Umlagefinanzierung, um mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Unternehmen, die nicht ausbilden, sollen die Betriebe unterstützen, die Azubis einstellen. Ich unterstütze auch den Aufruf „Jugend wählt links“, weil eine geeinte linke Kraft in der Opposition es schaffen kann, die Regierungsparteien unter Druck zu setzen.“

Ruben Lehnert ist in der WASG-Gruppe Berlin-Neukölln aktiv

„SPD und Grüne sind keine Friedenskoalition: Sie führen Kriege wie 1999 in Jugoslawien und 2002 in Afghanistan. Sie unterstützen den Irakkrieg und die dortige Besatzung, zum Beispiel indem sie der US-Armee Überflugsrechte über Deutschland gewähren. Gleichzeitig treibt die rot-grüne Koalition den Umbau der Bundeswehr in eine weltweit operierende Interventionsarmee voran und tritt für die Militarisierung Europas ein.
Nach den Bundestagswahlen wird sich das nicht ändern. Denn alle großen Parteien unterstützen und finanzieren Kriege, sie alle stimmten für den EU-Verfassungsvertrag. Grundsätzliche Alternativen sind deshalb nötig und möglich. Wie die Friedensbewegung kämpfen WASG und Linkspartei für echte Friedenspolitik und gegen Aufrüstung und Krieg.
Es ist wichtig, dass das Thema Krieg auf dem Kongress eine Rolle spielt. Denn viele Jugendliche sind unmittelbar von Krieg betroffen: Junge Menschen bilden das Rückgrat der Bundeswehr. Wehrpflichtige können jederzeit eingezogen und im Krieg eingesetzt werden.
Auf dem Kongress haben junge Leute die Möglichkeit, über den Nahen Osten, den Krieg gegen den Terrorismus und die Rolle Deutschlands zu diskutieren. Gemeinsam wollen wir dann gegen Krieg aktiv werden und Proteste organisieren. Und wir wollen dort noch einmal unsere Forderungen klar machen: Nein zu Krieg und Besatzung, Ja zum Abzug aller deutschen Truppen aus dem Ausland – sie sind nicht die Lösung, sondern Teil des Problems, wie die Terroranschläge in London untermauern.“




Linksruck Nr. 207, 1. Januar 1970





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