Ausstellung: Goya – Prophet der Moderne:

Schatten des Krieges

Francisco de Goya malte Bilder für Könige und Bischöfe. Doch je brutaler sie herrschten, desto öfter widmete er seine Kunst den Menschen.

Goya – Prophet der Moderne, bis 3. Oktober in der Alten Nationalgalerie, Museumsinsel, Berlin-Mitte

„Prophet der Moderne“ ist der treffende Titel der Ausstellung von Goya (1746-1828) in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Denn er war ein Wegbereiter moderner Kunst, weil er neue Themen und Gestaltungsweisen in die Malerei und Grafik einbrachte.

Goyas Bildwelt zeigt fast immer verschiedene soziale Schichten. Sie umfasst heitere Genrebilder, Porträts der Herrschenden und finstere Alpträume.

Er arbeitete hauptsächlich in Madrid und wurde 1789 Erster Hofmaler von König Karl IV. Seine Aufträge bekam Goya von den damaligen Herrschern, der Kirche und dem Staat.

Er malte heitere unbeschwerte Szenen aus dem Volksleben als Entwürfe für die königliche Teppichweberei und er war ein gefragter Porträtist. „Ich habe nun mein Leben in beneidenswerter Weise eingerichtet. Wer etwas will, muss mich aufsuchen. Ich mache mich rar“, bekannte der Maler.

Doch mit den radikalen politischen und sozialen Umwälzungen der Aufklärung blieb auch für ihn nichts, wie es war. Goya begriff, dass seine Malerei in der Tradition des Rokoko der Zeit nicht mehr angemessen war.

Als die Französische Revolution 1789 siegte, geriet er zwischen die Fronten. Karl IV. führte ab 1792 Krieg gegen die französische Republik und verfolgte viele Freunde des Malers, die die Revolution unterstützten.

Er stürzte in eine Krise, wurde schwer krank und dadurch taub. Diese Erlebnisse wurden für Goyas gesamtes Schaffen prägend und führten zu einem schroffen Stilwechsel.

Von jetzt an interessierten ihn vor allem die Schattenseiten des Lebens. Der Maler legte seine Ämter nieder und ging in Gefängnisse, Spitäler und Irrenhäuser. Hier fand er neue Motive, die Goya mit expressivem Realismus zeichnete.

Er malte Heiratsvermittlerinnen und Hexen und karikierte Adlige. In der Serie „Caprichos“ geißelte der Maler um 1798 die Nichtsnutzigkeit des Adels, attackierte die feudalen Gerichte, die Verfolgung von Juden und die Kirche.

Mit seinem Grafikzyklus „Los Disastres de la Guerra (Die Schrecken des Krieges)“ stellte sich der Maler um 1810 gegen die französischen Besatzungstruppen Napoleons, der die Spanier blutig unterdrückte. Eines seiner bekanntesten Gemälde ist „Die Erschießung der Aufständischen“, das die Hinrichtung von Widerstandskämpfern durch französische Soldaten zeigt.

Goya übte mit seinen Bildern kraftvolle und erfindungsreiche Gesellschaftskritik. Er würdigte mit seinen Gemälden die Freiheitskämpfer und stellte die Herrschenden bloß. Gleichzeitig war der Maler eine tragische Figur, die immer Politik und Privatem, den Herrschenden und den unterdrückten Menschen hin und her gerissen war. Nachdem König Ferdinand VII. 1823 wieder die absolutistische Monarchie einführte, musste Goya selbst nach Frankreich fliehen.




Linksruck Nr. 208, 1. Januar 1970





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