Zum 50. Todestag von James Dean:

Der zerrissene Held

Er war ein Rebell mit empfindsamem Kern. James Dean wurde mit drei Filmen zum Idol vieler, die an der herrschenden Moral zweifelten.

Er spielte den Außenseiter und Einzelgänger in einer Gesellschaft voll starrer Regeln und Selbstzufriedenheit. Deans Figuren führten ein nachlässiges, unordentliches Leben. Sie rauchten, tranken Alkohol, hatten Liebesbeziehungen ohne verheiratet zu sein, liebten jedoch weder ihr Land noch die US-Fahne.

Deans Aufstieg begann 1952, als er am Actors Studio in New York aufgenommen wurde. In der Schauspielwerkstatt lernte Dean Method Acting. Dabei holt der Schauspieler für seine Rolle die Gefühle eigener Erlebnisse aus sich heraus, um möglichst realistisch spielen zu können.

Seine erste Hauptrolle bekam Dean 1954 in „Jenseits von Eden“. Der Film handelt von den Brüdern Cal (Dean) und Aron, die 1917 von ihrem Vater streng nach der Bibel erzogen werden.

Cal widersetzt sich den christlichen Geboten, weshalb der Vater ihn zurückstößt. Aus Rache erzählt Cal seinem Bruder, dass die tot geglaubte Mutter in Wirklichkeit ein Bordell betreibt. Aron meldet sich aus Verzweiflung für den Ersten Weltkrieg. Mit dem Film sprach Dean vielen aus dem Herzen, für die die Familie nie eine heile Welt gewesen ist.

Die Spannung zwischen Vater und Sohn wirkt in „Jenseits von Eden“ auch deshalb so realistisch, weil Dean seinen Filmvater Raymond Massey während des Drehs so lange ärgerte, bis er tatsächlich wütend auf Dean war.

Die Freiheit, die Deans Filmfiguren anstrebten, forderte er auch für sein Schauspiel ein: „Wenn ein Schauspieler eine Szene genau so spielt, wie ein Regisseur sie vorgibt, ist es kein Schauspielen. Dem Schauspieler muss der Raum gegeben werden, sich selbst in der Rolle auszudrücken. Ohne diesen Raum ist der Schauspieler nur ein hirnloser Roboter mit einer Menge Knöpfe zum Draufdrücken.“

In seiner zweiten Hauptrolle in „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ spielte Dean erneut einen jugendlichen Außenseiter, Jim Stark, der sich Messerkämpfe und verbotene Autorennen mit einer Jugendgang liefert.

Auch hier wirkt Dean sehr glaubwürdig, weil er sich beim Dreh in die jeweilige Stimmung seiner Figur versetzte. In der Szene, in der Jim in einer Polizeiwache randaliert, trat Dean so ungestüm auf den Schreibtisch ein, dass er sich den Knöchel brach.

In seinem letzten Film „Giganten“ spielt Dean den verschlossenen, innerlich zerrissenen Cowboy Jett, der auf seinem kleinen Stück Land Öl findet und zum größten Konkurrenten seines früheren Arbeitgebers Benedict (Rock Hudson) aufsteigt.

Doch Jetts Ölfirma zerstört die Landschaft und die sozialen Strukturen der Gegend. Jett wird seinem Gegner immer ähnlicher und schließlich zum einsamen Alkoholiker.

In den 50er Jahren fanden junge Menschen auf der ganzen Welt ihre eigene Kleidung, ihre eigene Musik, ihre eigene Sprache und ihre eigenen Ansichten. James Dean gab ihnen ihre eigenen Filme. Deswegen ist er unsterblich geblieben.


von Hans Krause




Linksruck Nr. 208, 1. Januar 1970





Dieser Artikel kommt von Linksruck
http://www.linksruck.de