Das Europa der Arbeiter

Vom europaweiten Aktionstag bei Electrolux soll ein Signal an die Konzern-Führung ausgehen, dass sich die Beschäftigten an den europäischen Standorten nicht gegeneinander ausspielen ließen, sagte der Nürnberger IG-Metaller Jürgen Wechsler. „Ab heute sind alle Standorte in Europa solidarisch. In Zukunft reden wir nicht nur über ein Europa der Konzerne und des Kapitals, sondern auch über ein Europa der Arbeitnehmer.“

Die Electrolux-Bosse wollen ihr AEG-Werk in Nürnberg schließen, 1750 Menschen entlassen und die Produktion nach Polen verlagern, um mehr Profit zu machen. In Spanien, Italien und Schweden hat der Konzern schon hunderte Arbeiter entlassen. „Electrolux greift europaweit an, wir werden europaweit zurückschlagen“, rief der AEG-Betriebsratsvorsitzende Harald Dix auf einer Kundgebung.

In München sollen 800 Angestellte „gehen, damit Infineon dem Druck der Börse zu immer höheren Profiten nachgeben kann“, sagte die Gewerkschaft IG Metall vor Ort. Für die Arbeiter gehe es um „Arbeit und Qualifizierung für Jahre oder Absturz in Arbeitslosigkeit und Hartz IV nach zwölf Monaten“, erklärte der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Werner Neugebauer.

Laut IG Metall bietet der Konzern eine Abfindung von etwa einem Drittel Monatsgehalt pro Jahr Betriebszugehörigkeit. Die Gewerkschaft fordert das Zehnfache und eine Beschäftigungsgesellschaft für fünf Jahre. In der Urabstimmung hatten 93 Prozent für den unbefristeten Streik gestimmt.

Die Kollegen von AEG rufen auf: „Wir bitten euch, uns zu unterstützen, indem ihr in euren Gruppen, Kollegenkreisen, Vereinen und Gewerkschaftsgliederungen den Kampf bei AEG ansprecht. Bitte schickt eure Erklärungen an: electrosucks@labournet.info.“

Bei Infineon heißt es: „Solidaritätsadressen, Abordnungen, aktive Hilfe bei der Streikorganisation oder auch einfach nur ein Besuch bei den Streikposten – jede Unterstützung ist willkommen und hilft, den Arbeitskampf erfolgreich durchzuführen.“ Die Kollegen sind erreichbar auf der Internetseite: www.infineon.igmetall.de.




Linksruck Nr. 209, 1. Januar 1970





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