Abrechnung - Der Linksruck-Wirtschaftsweise:

Da ist mehr drin

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Jeder Berufstätige erwirtschaftet pro Monat durchschnittlich ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 4900 Euro. Doch die Meisten bekommen weniger als die Hälfte als Lohn.

„Deutschlands Konzerne sind gut bei Kasse“, titelte die Wirtschftszeitung Handelsblatt im September und beschrieb damit die Ursache für unsere niedrigen Gehälter. 132 börsennotierte Unternehmen verfügen über Barmittel von über 100 Milliarden Euro, die sie weder in Forschung noch in Produktion investieren. „Viele Unternehmen“, beklagt die Zeitung, „lassen ihre enorme Liquidität völlig ungenutzt.“

Deutschland ist Exportweltmeister. Die deutschen Unternehmen liegen laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums auf Platz drei in der Welt, wenn es um Wettbewerbsfähigkeit geht.
„Deutschland ist ein reiches Land“, heißt es auch im Armutsbericht der Regierung. Die privaten Haushalte verfügen über Vermögen von 5 Billionen Euro. Doch zwei Drittel davon gehören den obersten 20 Prozent der Haushalte. 80 Prozent müssen sich das restliche Drittel teilen.

Die Weltbank lobt Deutschland in einer neuen Studie als einen der investitionsfreundlichsten Standorte der Welt. Deutschland ist einer der wichtigsten, größten und produktivsten Industriestaaten.

38 Millionen Beschäftigte erwirtschafteten letztes Jahr ein BIP von 2,2 Billionen. Das ist die drittgrößte Summe der Welt hinter den USA und Japan und 680 Milliarden mehr als 1991.
Von 1991 bis 2004 haben sich die Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen netto um 60 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum sind die Einkommen von Lohnempfängern nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben 5 Prozent gesunken.

Zudem müssen 13 Prozent der Menschen in Armut leben. Über 3 Millionen Haushalte sind überschuldet und müssen den Gerichtsvollzieher fürchten.

Allein Erziehende Mütter und ihre Kinder sind besonders häufig arm. 800.000 Menschen sind obdachlos, während die Wohnungsunternehmen 5 Millionen Wohnungen leer stehen lassen.

Die Hälfte der Erwachsenen und ein Drittel der Jugendlichen leiden unter falscher Ernährung und sind übergewichtig, weil sie beim Essen sparen müssen. Konzerne wie Lidl verkaufen billige, aber ungesunde Nahrung und schaffen gleichzeitig Armut, indem sie Niedriglöhne zahlen.

Die Binnennachfrage lahmt, und die Deutsche Bank warnt vor dem „Märchen vom exportgetriebenen Wachstum“: Der Anstieg der Ausfuhren werde nicht zu einem ausreichenden Aufschwung und mehr Beschäftigung führen. Die Unternehmen entlassen trotz explodierender Profite.

Denn vielen Managern gelingt es „nicht mehr, das Geld richtig anzulegen“, meint Wirtschaftsprofessor Karl-Heinz Küting. Investitionen versprechen keine zusätzlichen Profite.
Deshalb stagniert die Wirtschaft. Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit werden sich weiter ausbreiten.

Mindestens 7 Millionen Menschen sind geringfügig oder gar nicht beschäftigt. Trotz Schließung und Verlagerung vieler Betriebe ins Ausland, stehen 20 Prozent der Produktionsanlagen leer.

Banken und Konzerne sitzen auf hunderten Milliarden. Es gibt alle Voraussetzungen um allen Menschen ein Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen. Doch es fehlt eine demokratische Planung der Wirtschaft, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet und nicht nach irrwitzigen Steigerungen von Profiten.




Linksruck Nr. 209, 1. Januar 1970





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