Die Ursachen bleiben

In Frankreich führte die Armut von Jugendlichen zu wochenlanger Gewalt. Auch hier gibt es immer mehr arme Jugendliche …

Die Regierung hat beschlossen, dass „schwerstkriminelle Mehrfachtäter“ nach einer Gefängnisstrafe in „Sicherungsverwahrung“ genommen werden können. Damit werden sie weiter ohne zeitliche Beschränkung eingesperrt.

Diese Möglichkeit gibt es bisher nur für seelisch kranke Sexualstraftäter. Wer ein „schwerstkrimineller Mehrfachtäter“ ist, sagt die Regierung nicht.

Ähnlich wie die französische tut auch die deutsche Regierung nichts gegen die die Armut von Jugendlichen, die sie zu Einbrüchen, Gewalt und Drogen treibt. Stattdessen werden Jugendliche eingesperrt.

In den französischen Vorstädten führten Jugendliche über zwei Wochen Straßenschlachten gegen die Polizei und zündeten Autos an. Viele dieser jungen Menschen sind dunkelhäutig und auch dadurch arbeitslos. Sie haben kaum Chancen, ihr Getto zu verlassen und werden von der Polizei grundlos geschlagen – oder in den Tod getrieben.

Die französische Regierung verhängte erstmals den Ausnahmezustand, nahm über 3000 Jugendliche fest und schickte schwer bewaffnete Spezialeinheiten der Polizei in die Vorstädte.

Der Aufstand wurde damit unterdrückt. Die Ursachen bleiben.
Auch in Deutschland gibt es hunderttausende arbeitslose Jugendliche ohne Perspektive. Junge Menschen sind vom Sozialabbau besonders betroffen.

Laut einer Studie des Kinderhilfswerks der UNO müssen 10,2 Prozent, das sind 1,5 Millionen, der Kinder in Armut leben. In Westdeutschland hat sich die Kinderarmut seit 1989 auf 9,8 Prozent verdoppelt. In Ostdeutschland liegt sie bei 12,6 Prozent.

Den stärksten Anstieg von Armut gab es in den 90er Jahren bei Kindern aus Einwandererfamilien: von 5 auf 15 Prozent. Am häufigsten sind Kinder von Einwanderern arm, die noch nicht sehr lange in Deutschland sind.

Die Regierung macht noch mehr Jugendliche arm: Wer unter 25 ist, bekommt kein Hartz IV mehr. Lediglich die Eltern können einen Höchstsatz von 276 Euro beantragen.

Die Folge ist mehr Armut, mehr Frust, mehr Gewalt und mehr Kriminalität. Schuld daran ist die Regierung. Die Betroffenen Jugendlichen einzusperren, wird niemandem helfen.




Linksruck Nr. 211, 1. Januar 1970





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