Terrorist, made in USA

Niemand mochte Musab al-Sarkawi. Bis die US-Regierung behauptete, er sei der beste Kämpfer gegen die Besatzer Iraks, so Terrorexpertin Loretta Napoleoni.

Mit solchen Steckbriefen machten die USA den Terrorist Musab al-Sarkawi berühmt. Inzwischen sind auf seinen Kopf 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt

Al-Sarkawi soll am 9. November Anschläge auf drei Hotels in der jordanischen Hauptstadt Amman verübt haben. Das Netzwerk des Jordaniers soll auch für die Anschläge auf Zivilisten im Nachbarland Irak verantwortlich sein. Autorin Loretta Napoleoni erklärt, wie al-Sarkawi zum berühmtesten Terroristen der Welt wurde.

Der damalige US-Außenminister Powell bezeichnete al-Sarkawi im Februar 2003 als die Verbindung zwischen al-Qaida und dem damaligen irakischen Diktator Hussein. Al-Qaida war tatsächlich 2000 an Hussein herangetreten, ist aber abgewiesen worden. Wer also ist al-Sarkawi?

Er begann als Jugendlicher in den 80er Jahren im jordanischen Sarka, regelmäßig in die Moschee zu gehen. Damals wollte er als „Gotteskrieger“ in Afghanistan gegen die sowjetische Besatzung kämpfen, kam aber erst 1989, nach dem Abzug der Sowjets, ins Land.

Im pakistanischen Peschawar lernte al-Sarkawi den radikalen Salafismus kennen, der die Rückkehr zum angeblich „reinen Islam“ fordert. Al-Sarkawi war überzeugt, dass dafür zuerst die korrupten arabischen Regime gestürzt werden mussten.

Weil er ab 1993 in Sarka den Sturz des jordanischen Regimes plante, wurde al-Sarkawi fünf Jahre ins Gefängnis geworfen. Folter und Einzelhaft stärkten seine Entschlossenheit. Die Gefangenen wählten ihn sogar zum Anführer. 1999 wurde er entlassen.

Danach traf er al-Quaida-Chef Bin Laden in Afghanistan. Die herrschenden Taliban bezahlten ihm ein kleines Lager, wo er Kämpfer ausbildete.

Bald stellte al-Sarkawi Verbindungen zur Gruppe Ansar-e Islam im kurdischen Irak her. Diese wollte den „Heiligen Krieg“ für eine extrem konservative Auslegung des Islam führen. Zu ihnen floh al-Sarkawi nach dem Sturz der Taliban.

Der kurdische Geheimdienst behauptete gegenüber den USA, dass al-Sarkawi der Vertreter von al-Qaida in Irak sei. Die kurdischen Herrscher in Nordirak wollten mit Hilfe der US-Armee alle radikalen Muslime vertreiben und nach dem Sturz des Diktators Hussein selbst die Macht übernehmen. Die USA suchten in Irak nach Sündenböcken, um sie, ähnlich wie Bin Laden in Afghanistan, zur Rechtfertigung ihrer Besatzung zu benutzen.

Nachdem die USA mit den jordanischen Behörden sprachen, machten auch diese al-Sarkawi sofort für eine Reihe von Anschlägen verantwortlich. Genauso wenig wie der kurdische Geheimdienst, hatten sie Beweise dafür.
Das war der Anfang der Märchen um al-Sarkawi. Powell begründete mit ihm den Angriff auf Irak.

Als er al-Sarkawi als Strippenzieher des internationalen Terrorismus bezeichnete, glaubte ihm die ganze Welt. Auch wenn wir heute wissen, dass Powells Rede auf falschen Informationen beruhte. Powell machte aus dem unbekannten Führer einer unbedeutenden Gruppe das neue weltweite Schreckgespenst.

Auch radikale Muslime erhielten durch Powells Behauptungen einen neuen Anführer. Durch den Mythos al-Sarkawi erschien al-Qaida nicht mehr als kleine, nach innen gekehrte Organisation, sondern als globale Bewegung. Viele radikale Muslime der Welt wollten nun mit al-Sarkawi in Verbindung stehen. Geld und künftige Attentäter strömten nach Irak zu seiner Gruppe.

Die Iraker sehen al-Sarkawi skeptisch. Er kämpfte erst, als die US-Armee Hussein schon gestürzt hatte.

Seitdem versucht Al-Sarkawi, Sunniten und Schiiten zu spalten, um ihren gemeinsamen Widerstand gegen die Besatzung zu verhindern. Er tötet unschuldige Schiiten genauso wie Besatzungstruppen.

Al-Sarkawi ist nicht das Vorbild radikaler Muslime, weil er die Besatzer erfolgreich bekämpft. Er wurde von denen zum Vorbild gemacht, die seinen Mythos erfanden: der kurdische Geheimdienst, die jordanischen Behörden – und vor allem die USA.




Linksruck Nr. 211, 1. Januar 1970





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