Das Horn in der Suppe

Erst wenn der letzte Mensch vergiftet ist, wird die Fleischmafia merken, dass man Profite nicht essen kann.

Fleischhändler, Schlachthausunternehmer und Wurstfabrikanten stecken seit Jahren unter einer Decke und verkaufen den Menschen Schlachtabfälle und stinkendes Hackfleisch. Laut Deutschem Bauernverband betrügt der Fleischhandel jeden Tag seine Kunden.

Viele Händler kaufen speziell Fleisch, dessen Haltbarkeitsdatum fast abgelaufen ist. Diese Großhändler werden kaum kontrolliert.

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch stellt fest: „Die Spuren führen quer durch die Republik.“ Kontrolleure finden laut Foodwatch „bei jeder fünften untersuchten Fleischprobe Verstöße gegen geltendes Recht“.

Allein dieses Jahr wurden drei große Skandale aufgedeckt: Im März flog METRO (Besitzer von real, extra, Galeria Kaufhof) damit auf, dass auf abgelaufenes Hackfleisch ein neues Verfallsdatum geklebt wurde. Weiteren Konzernen wurde dasselbe nachgewiesen.

Mitte Oktober wurde bekannt, dass tonnenweise Schlachtabfälle, die auch für Kühe und Schweine zu ungesund waren, zu Lebensmitteln verarbeitet wurden. Die Abfälle gammelten ungekühlt in Containern: Rinderfüße, Euter, Hörner, Hühner-Skelette wurden zu „Hühnersuppe“ verarbeitet.

Im letzten Monat weitere Skandale: Aus stinkendem Fleisch wurden Würstchen und Döner gemacht. Ein Händler hat Gammelfleisch zudem mit Wasser aufgespritzt, damit es schwerer wird und der Preis steigt.

Als 2000 Fleisch von BSE-kranken Rindern verkauft wurde, versprachen Unternehmer und Politiker, für gesündere Nahrung zu sorgen. Doch Foodwatch stellt fest: „Hatten Politiker, Fleisch- und Ernährungswirtschaft auf dem Höhepunkt der BSE-Krise nicht Besserung gelobt? Doch abgesehen von kosmetischen Maßnahmen hat sich in den vergangenen fünf Jahren nicht viel getan.“

Gesundheitsminister Seehofer schiebt die Schuld den Menschen in die Schuhe: „Die Geiz-ist-geil-Mentalität ist gerade bei Lebensmitteln hochgefährlich. Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel haben ihren Preis.“

In Wirklichkeit verkaufen Unternehmen verfaultes Fleisch, um mehr Profit zu machen und nicht, weil die „geizigen“ Menschen sie dazu drängen. Lebensmittelkonzerne wie Aldi oder Lidl zwingen Lieferanten zu immer billigeren Preisen und damit indirekt zur Verwendung von schlechtem Fleisch.

Die gleichen Unternehmen entlassen Angestellte und kürzen Löhne. Durch Hartz IV und weiteren Sozialabbau bringt auch die Regierung immer mehr Menschen dazu, nur die billigsten Lebensmittel zu kaufen.

Politiker fordern jetzt schärfere und mehr Kontrollen. Doch der Fleischmafia gelingt es fast immer, diese zu umgehen. Nur wenn die Regierung die Lebensmittelwirtschaft verstaatlichen würde, könnte sie gewährleisten, dass die Gesundheit der Menschen zählt und nicht der Profit der Konzerne.


von Frank Eßers (E-Mail)




Linksruck Nr. 212, 1. Januar 1970





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