Streik bei AEG in Nürnberg:

Die Arbeiter sind nicht zu teuer

Seit Mitte Januar streiken die Arbeiter im Nürnberger AEG-Werk. Die Bosse des Mutterkonzerns Electrolux wollen diese und andere Fabriken in Europa schließen und nach Osten verlagern. Angeblich, weil die Werke zu teuer seien.

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Mit einem Gutachten hat die Gewerkschaft IG Metall die Bosse widerlegt. Um Nürnberg teuer aussehen zu lassen, haben die Manager dem Werk einen zu hohen Anteil an den Fixkosten der Europazentrale zugerechnet. Indem sie auf der anderen Seite die Investitionen für die Errichtung der neuen Werke in Polen unterschlagen haben, ließen sie den Standort einträglicher erscheinen, als er wirklich ist.

Electrolux ist nicht bedroht. Der Konzern stieg in den vergangenen Jahren zum größten Hausgerätehersteller der Welt auf. Um diese Position ausbauen zu können, will Electrolux noch mehr Gewinne. Darum sucht der Konzern bessere Ausbeutungsbedingungen, wie er sie zum Beispiel in Polen findet.

In Polen haben die drei größten Gewerkschaftsverbände weniger als zwei Millionen Mitglieder. In rund 97 Prozent aller Betriebe fehlt den Arbeitern eine Gewerkschaft, die sie vertritt. Flächentarife gibt es nicht, selbst Haustarife sind selten. Die Löhne werden von den Bossen festgesetzt.

Electrolux wird niemals freiwillig weiter in Nürnberg produzieren, weil die Gewerkschaften hier nicht so machtlos sind wie in Polen. Darum ist es richtig, dass sich die IG Metall gegen die Schließung wehrt. Nicht die Arbeiter in Nürnberg sind zu teuer, sondern die Bosse in der Konzernzentrale zu gierig.

Die IG Metall versucht das Werk zu retten, indem sie die Kosten für die Schließung in die Höhe treibt. Sie fordert einen Sozialtarifvertrag in geschätzter Höhe von 600 Millionen Euro. Dazu kämen noch die Schließungskosten, die laut Electrolux bei 230 Millionen Euro liegen.

Mitarbeiter anderer Unternehmen in Bayern unterstützen den Streik. Wenn die IG Metall diese Solidarität aufgreift, um den Streik auszuweiten, können die Arbeiter in Nürnberg gewinnen. Es geht nicht nur um Nürnberg, sondern um 13 weitere Standorte, die der Konzern verlagern will.

Zu zeigen, dass wir Entlassungen nicht einfach hinnehmen müssen, wäre auch ein wichtiges Zeichen für die bevorstehende Tarifrunde. Denn schon jetzt versuchen die Metallbosse, uns Angst zu machen, indem sie behaupten, höhere Löhne würden Arbeitsplätze kosten.




Linksruck Nr. 213, 1. Januar 1970





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