Hussein – Verbündeter der USA

Vom US-Waffenbruder zum Erzfeind:

Die US-Regierung unterstützte das blutige Regime Husseins im Irak wie auch viele andere brutale Diktaturen. Zum Feind der USA wurde Hussein erst, als er ihren wirtschaftlichen Zielen im Weg stand.

1958 stürzt Offizier Quassim den irakischen König, den die britische Regierung eingesetzt hatte. Eine Million Menschen feiern in der Hauptstadt Bagdad. Fortan befürchtet die US-Regierung weitere Regierungswechsel im Nahen Osten, welche die Macht westlicher Regierungen schwächen könnten.
Die Baath-Partei, der Hussein seit 1956 angehört, und der US-Geheimdienst arbeiten zusammen, um Quassim zu stürzen. 1963 kommt der Putsch und Tausende Gegner von Baath werden ermordet. Doch das neue Regime hat wenig Unterstützung in der Bevölkerung. Konkurrierende Offiziere beseitigen es bald.
1968 bringt ein zweiter Putsch mit Unterstützung des CIA die Baath-Partei endgültig an die Macht. General Bakr wird Präsident, Hussein Vizepräsident. Er nutzt den paramilitärischen Arm der Partei, um jeglichen Widerstand zu brechen.
Die irakischen Diktatoren geben sich als Freiheitskämpfer. Sie behaupten, auf der Seite der Palästinenser zu stehen, die seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 unter der Besatzung Israels leiden. Aber als der König von Jordanien im „Schwarzen September“ 1970 die palästinensischen Flüchtlinge in Jordanien angreift, tun 15.000 irakische Soldaten, die in Jordanien sind, nichts, um den Massenmord zu stoppen.
Im Kalten Krieg bemühen sich Anfang der 70er sowohl die US- als auch die sowjetische Regierung um Einfluss in Irak. 1972 verstaatlicht Bakr das irakische Öl. Die US-Regierung und der iranische Schah bewaffnen und trainieren kurdische Guerillakämpfer für einen Krieg gegen Irak.
1975 überlässt Irak Iran die Kontrolle über die umstrittene Wasserstraße Schatt-el-Arab, die einzige Verbindung Iraks zum Persischen Golf. Sofort streichen die US-Regierung und der Schah alle Hilfe für die Kurden, die der irakischen Armee plötzlich allein gegenüberstehen.
Das irakische Regime ermordet die Kurden mit äußerster Brutalität und lässt unter anderem mit Kampfflugzeugen auf Zivilisten schießen. Gleichzeitig erlaubt die US-Regierung dem Konzern Pfaulder, technische Zeichnungen für eine Chemiewaffenfabrik an Irak zu liefern. 1979 stürzt eine islamistische Revolution unter Khomeini im Iran den Schah und entfacht eine neue Welle anti-westlicher Stimmung im Nahen Osten.
Die US-Regierung fürchtet, dass die iranische Revolution sich ausbreiten könnte. Im Januar 1980 stellt der US-Präsident eine Doktrin auf: „Jeder Versuch einer fremden Macht, die Kontrolle über die Region am Persischen Golf zu erlangen, wird als Angriff auf die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten angesehen. Jeglicher Angriff dieser Art wird mit allen Mitteln zurückgeschlagen werden, auch mit militärischen.“
Ebenfalls 1979 entmachtet Hussein Bakr und macht sich zum irakischen Präsidenten. Die US-Regierung unterstützt Hussein gegen Khomeini. US-Diplomaten fordern Hussein öffentlich auf, sich den Schatt-el-Arab zurückzuholen.
1980 greift Irak an. Die westlichen Waffenlieferungen an Irak steigen enorm – ebenso die finanzielle Unterstützung der USA. Die US-Regierung liefert Satellitenfotos von iranischen Stellungen, damit Irak Giftgas einsetzen kann.
In den frühen 80ern werden Beweise für die Giftgaseinsätze bekannt. Der damalige US-Präsident Reagan legt sein Veto gegen eine Verurteilung Iraks durch die UNO ein. Reagans Beauftragter für den Nahen Osten, der heutige Verteidigungsminister Rumsfeld, fliegt nach Bagdad, um mit Hussein zu sprechen. Die USA eröffnen ihre Botschaft wieder. Diese Unterstützung ermutigt Hussein, 1988 erneut Giftgas einzusetzen, diesmal gegen Kurden.
Jedes Mal, wenn die irakische Armee im Krieg gegen Iran eine Niederlage erlitt, verstärkt die US-Regierung ihre Hilfe. US-Kriegsschiffe begleiten irakische Öltanker und helfen bei Angriffen auf iranische Bohrinseln. Die US-Regierung lässt ein iranisches Passagierflugzeug abschießen.
Die wachsende US-amerikanische Unterstützung zwingt Iran 1988, einen Waffenstillstand zu akzeptieren. Irak hat hohe Kriegsschulden angehäuft. Hussein klagt Kuwait an, zuviel Öl auf den Markt zu bringen und so den Preis zu drücken.
1990 besetzt die irakische Armee Kuwait. Nur wenige Tage vor der Invasion hatte die US-Botschafterin im Irak Husseins Regierung mitgeteilt, dass sie den Streit zwischen Kuwait und Irak als inner-arabischen Konflikt ansehe.
Hussein glaubt, die USA würden seine Invasion unterstützen. Aber die US-Regierung fürchtet, dass Irak die Ölvorkommen unter seine Kontrolle bringt und wendet sich gegen ihn.
Mit Deckung der UNO beginnen die US-Regierung und ihre Verbündeten 1991 Krieg gegen Irak. Sie ermorden 150.000 Soldaten und Zivilisten. Die Kurden, die sie angeblich befreien wollten, bekommen keinen eigenen Staat.
Dem Massenmord folgen 11 Jahre Sanktionen und regelmäßige Bombardierungen. Mehr als eine halbe Million Menschen sterben nach dem Krieg. Die Opfer sind arme Iraker – nicht das Regime Husseins.

von Jan Maas (E-Mail)




Linksruck Nr. 140, 1. Januar 1970





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