Ausbildung und Arbeit für alle

Die WASG Berlin Neukölln kontert die Hetze von Bild und CDU gegen Kinder und Jugendliche an der Rütli-Schule.

Interviews, Flugblätter, Einladungen an Schüler, Eltern und Lehrer auf unserer Internetseite www.wasg-neukoelln.de

Seit dem Hilferuf der Lehrer der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln behaupten CDU-Politiker, die Ursache für Gewalt an der Schule sei der Ausländeranteil von über 80 Prozent. Die Kinder und Jugendlichen an der Rütli-Schule, mit denen wir gesprochen haben, wissen es besser: Ihr Problem ist nicht der Ausländeranteil, sondern Armut und Perspektivlosigkeit.

Das zeigt auch die Situation an der Karl-Marx-Schule in Gardelegen, wo 20 Prozent der Bevölkerung arbeitslos sind. Die Lehrer dort haben einen ähnlichen Brief geschrieben wie ihre Kollegen der Rütli-Schule. Doch an der Schule in Gardelegen lernen kaum Ausländer.

Die frühere Direktorin der Rütli-Schule, Brigitte Pick, wehrt sich ebenfalls gegen die rassistische Kampagne: „Das Problem liegt weder in der arabischen, türkischen oder serbischen, sondern in der sozialen Herkunft der Schüler und ihren mangelnden Perspektiven. So hat im letzten Schuljahr kein Schüler einen Ausbildungsplatz erhalten.“

In ganz Deutschland boten die Unternehmen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Ausbildungsplätze an als 2004. Besonders Hauptschüler, vor allem nicht-deutsche, haben schlechte Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. In Berlin ist der Anteil der Migranten an den Lehrlingen von 11 Prozent 1993 auf 6,4 Prozent 2005 gesunken.

Besonders dramatisch ist die Lage vieler arabischer Jugendlicher. Ein Großteil ist vom Staat nur „geduldet“ und darf deswegen weder eine Lehre beginnen noch arbeiten. Sie sind mit ihren Familien vor über zehn Jahren vor den Bürgerkriegen in Libanon oder Palästina nach Deutschland geflohen.

Trotzdem bekommen diese Menschen kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht. Stattdessen werden ihre „Duldungen“ gewöhnlich immer wieder um einige Monate verlängert. Unternehmen dürfen einen „geduldeten“ Ausländer nur einstellen, wenn sich kein Deutscher für die Stelle bewirbt.

Schuld an der Perspektivlosigkeit und dem Frust der Kinder und Jugendlichen vor allem an Hauptschulen wie der Rütli-Schule sind die Wirtschaft und die Regierung, die Arbeits- und Ausbildungsplätze vernichten, den Sozialstaat zerschlagen und die Mittel für Schulen und Sozialarbeit kürzen.

Um die Ursachen zu bekämpfen, dürfen die Bildung und Ausbildung der Schüler nicht mehr von ihrer Staatsangehörigkeit und dem Einkommen der Eltern abhängen. Das könnte die Regierung bezahlen, wenn sie eine Vermögensteuer einführt, den Spitzensteuersatz erhöhtn und große Erbschaften höher besteuert.




Linksruck Nr. 218, 1. Januar 1970





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