Iraker wehren sich gegen US-Besatzer

"Nein zu Saddam, nein zu Amerika!":

Die Menschen im Irak fordern Freiheit. Die US-Armee ermordet Demonstranten.

"Nein zu Bush, nein zu Saddam, ja zur Freiheit, ja zum Islam" stand auf Transparenten, die Bagdader durch die Straßen trugen. Zehntausende Iraker haben am 18. April gegen die Besatzung durch die US- und die britische Armee protestiert. Nach dem ersten Freitagsgebet, seit die Truppen die Stadt besetzen, kamen Menschen aus verschiedenen Moscheen zur Demonstration zusammen.
Dabei gingen Schiiten und Sunniten, Anhänger verschiedener Glaubenrichtungen, Seite an Seite auf die Straße. "Wir sind sunnitische und schiitische Brüder, wir werden diese Nation nicht verkaufen", riefen sie.
Die Mehrheit der Iraker sind Schiiten. Das sunnitische Regime Husseins in Bagdad unterdrückte die vor allem im Süden lebenden Schiiten kulturell und religiös. Die US-Regierung wollte diese Unterdrückung benutzen, um die Schiiten auf ihre Seite zu ziehen.
Doch gegen die Besatzer wehren sich Anhänger beider Glaubensrichtungen jetzt gemeinsam. Nachdem die Iraker zunächst Angst vor der Besatzungsarmee hatten, gehen inzwischen immer mehr Menschen auf die Straße.
In Nassirija im Südirak haben zwei Tage vor der Demo in Bagdad ebenfalls zehntausende protestiert. Auch sie riefen: "Nein zu Saddam, Nein zu Amerika!"
Die Demonstranten haben sich gegen ein Treffen von Gesandten der US-Regierung mit einigen Exil-Irakern gewehrt. Der frühere US-General Garner soll im Irak eine US-hörige Regierung bilden (siehe Seite 2). Mehrere große Oppositionsgruppen haben sich an dem Treffen nicht beteiligt, weil sie diese Pläne ablehnen.
Gleichzeitig sind in Bagdad hunderte Menschen vor ein Hotel gezogen, in dem US-Soldaten untergebracht sind. Die Demonstranten riefen: "Nieder mit Amerika!" Auf ihre Transparente schrieben sie: "Wir wollen echte Freiheit!" und "Die Iraker selbst müssen ihre Herrscher wählen".
Im Süden des Irak sind zuvor schon mehrere schiitische Geistliche umgebracht worden, die gerade in den Irak gebracht wurden und dort ihren Glaubensbrüdern die Zusammenarbeit mit den Besatzern predigten.
In anderen Städten hat die US-Armee auf Demonstrationen mit Terror reagiert: In Mossul ermordeten US-Soldaten an zwei Tagen mindestens 13 Demonstranten.
Am ersten Tag haben die Menschen gegen den neuen US-treuen Gouverneur Dschuburi demonstriert. "Dschuburi sagte, die Menschen müssten mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten. Die Menge nannte ihn einen Lügner und die Wut stieg, als er weiter sprach", sagte der Augenzeuge Dr. Said Altah.
Dschuburi warf ihnen vor, Hussein zu unterstützen. Darauf riefen die Demonstranten: "Die einzige Demokratie ist, die Amerikaner zum Gehen zu zwingen!", erzählte Ajad Hassun. "Die Soldaten schossen auf ein Gebäude nahe der Menge und die Splitter fielen auf sie. Die Menschen fingen an, Steine zu werfen und dann schossen die Amerikaner auf sie."
"Vielleicht hundert sind verletzt und zehn bis zwölf tot", sagte Dr. Ajad Al-Ramadhani von der Notaufnahme des Krankenhauses von Mossul. Am nächsten Tag töteten US-Soldaten wieder drei Demonstranten.
Während die US-Armee immer mehr Iraker ermordet und verletzt, liegen in den Krankenhäusern noch tausende, die vom US-Bombenhagel getroffen worden sind. Da kaum Hilfsorganisationen im Irak arbeiten, gibt es nur wenige Berichte.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) meldete kurz vor Ostern: "Das Gesundheitssystem steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Leidtragenden sind die ohnehin schon am schwersten betroffenen: die kranken und verwundeten Menschen. Von den 34 Krankenhäusern in Bagdad sind zurzeit nur 13 funktionsfähig." Das IKRK selbst hat nur 130 Mitarbeiter im Irak.
Im ganzen Land kommen kaum Hilfslieferungen an. Medikamente sind knapp. Das Personal ist überlastet. In den Flüchtlingslagern in Nachbarländern sieht es ähnlich aus.
Im Ruweishid in Jordanien arbeitet Mohammed. "Ich habe viele traurige Schicksale kennen gelernt. Krieg bringt so viel entsetzliches Leid über die Menschen”, sagte der Familienvater.
"Wir haben oft 18 bis 20 Stunden am Tag gearbeitet, um die Menschen im Lager zu versorgen. Als ich dann irgendwann völlig erschöpft in meinen Schlafsack gekrochen bin, habe ich mich schuldig gefühlt, weil so viele Menschen weiter in Not waren.”
Mohammed arbeitet freiwillig. Er ließ sich von seiner Arbeit freistellen, um in Ruweishid zu helfen.
Das einzige was die Besatzungsmächte USA und Großbritannien im Irak schützen sind Ölquellen und Verwaltungsgebäude.

von Jan Maas (E-Mail)




Linksruck Nr. 152, 1. Januar 1970





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