Verfolgt, weil sie anders sind

Film "X-Men 2":

Ein Mann dringt in das Büro des US-Präsidenten ein. Obwohl Dutzende Sicherheitsleute auf den vermeintlichen Angreifer schießen, können sie ihm nichts anhaben. Das Wesen mit blauer Haut kann sich jederzeit an einen anderen Ort des Raumes teleportieren, doch als Nightcrawler (Alan Cumming) mit einem Messer über dem Präsidenten kniet, rammt er es lediglich in den Tisch und verschwindet. An dem Messer baumelt eine Botschaft: "Freedom for Mutants now (Freiheit für Mutanten jetzt)".
Die X-Men sind Menschen, denen eine natürliche Veränderung ihrer Gene besondere Fähigkeiten verliehen hat. Mutanten können sich wie Wolverine (Hugh Jackman) messerscharfe Metallkrallen aus den Händen wachsen lassen, riesige Wirbelstürme entfachen oder gar wie Mutantenlehrer Professor X (Patrick Stewart) die Gedanken aller Menschen hören.
Doch leider werden die außergewöhnlichen Mutanten von der Regierung nicht unterstützt, sondern wegen ihrer Fähigkeiten verfolgt. Nach dem angeblichen Anschlag plant der Präsident ein Gesetz, wonach sich alle Mutanten staatlich registrieren lassen müssen. Wesentlich schlimmer sind jedoch die Ziele von General William Stryker (Brian Cox). Er hat schon vor Jahren mit verbotenen Experimenten versucht, aus Mutanten perfekte Kampfmaschinen zu machen. Jetzt jedoch hält Stryker alle Mutanten für gefährlich. Deshalb will er einen Krieg gegen sie anzetteln. Stryker überfällt mit Elitesoldaten Professor X’ Mutantenschule und nimmt ihn gefangen.Der General will ihn zwingen, mit seinen Fähigkeiten die Mutanten auszurotten…
Neben den Fähigkeiten der Mutanten und den fantastischen Actionszenen hat sich im zweiten Teil von X-Men vor allem die geistreiche Geschichte weiterentwickelt. Hilfreich war dabei sicher die Comic-Vorlage aus den 60ern, die mit dem Kampf der Mutanten um Gleichberechtigung die damalige Bewegung der Schwarzen in den USA unterstützte. In der Hetzjagd auf Mutanten in X-Men 2 sieht Hauptdarsteller Jackman hingegen unter anderem Parallelen zur verbreiteten Fremdenfeindlichkeit in den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001.
Für Regisseur Singer verkörpern die X-Men "den Begriff der Toleranz. Mit ‚X-Men’ bekam ich die Möglichkeit, einen waghalsigen und packenden Film über dieses Thema zu drehen." Auch wenn das Thema gelegentlich hinter bombastischen Spezialeffekten verschwindet, gelingt es Singer doch, darzustellen, wie feindselig die Regierung, und wie engstirnig manche Menschen gegenüber allem sind, was nicht ihren Vorstellungen entspricht.
So ist die Familie des jungen Mutanten Iceman entsetzt, als er ihnen gesteht, jede Flüssigkeit in Eis verwandeln zu können. Noch bevor sein Bruder deswegen die Polizei holt, stellt Icemans Mutter ihm die dümmste aller Fragen: "Hast du schon mal versucht, kein Mutant mehr zu sein?"

von Hans Krause




Linksruck Nr. 153, 1. Januar 1970





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