Evian 2003:

8 Gauner, 4 Lügen

Seit den Massenprotesten beim Gipfel in Genua vor zwei Jahren wissen die G8, dass sie der antikapitalistischen Stimmung nicht entfliehen können. Darum hat sich ihr Gastgeber, der französische Präsident Chirac, dieses Jahr hinter vier Schlagworten verschanzt: Solidarität, Verantwortungsbewusstsein, Sicherheit und Demokratie. Das klingt gut, hat aber mit der Realität nichts zu tun.
Von Solidarität keine Spur: Die G8 kassieren weiterhin jedes Jahr rund 200 Milliarden US-Dollar Zinsen von den ärmeren Ländern. Forderungen nach Schuldenerlass werden auf jedem Gipfel zurückgewiesen.
Die Acht beweisen kein Verantwortungsbewusstsein. US-Präsident Bush weigert sich, den Ausstoß an Kohlendioxid zu senken, um das Klima zu schützen. Seine sieben Komplizen übersehen das.
Ehrengast Horst Köhler, Chef des Internationalen Währungsfonds, zwingt arme Länder durch Strukturanpassungsprogramme, Sozial- und Umweltstandards zu senken.
Die Politik der G8-Staaten schafft keine Sicherheit. Bush und Blair haben vor wenigen Wochen Zehntausende Menschen im Irak ermordet, und ihre Soldaten morden weiter.
Russlands Präsident Putin führt Krieg in Tschetschenien. Frankreich und Deutschland treiben Pläne für eine EU-Armee voran.
Die G8 sind nicht demokratisch. Auf den Gipfeln treffen sich die mächtigsten Staatschefs, um die Welt im Interesse ihrer Konzerne aufzuteilen. Keine Entscheidung wird demokratisch getroffen oder bestätigt. Die G8 sind sogar stolz auf ihren "informellen Charakter".
Die G8-Gipfel zeigen in Reinform, wie der Kapitalismus funktioniert: Eine winzige Minderheit aus Staat und Konzernen entscheidet im Interesse steigender Profite über die Köpfe der Mehrheit hinweg. Darum ist es richtig, gegen sie zu kämpfen.


Linksruck Nr. 155, 1. Januar 1970





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