Irak: Die Diktatur nach dem Krieg

Mitte Juni haben US-Soldaten 100 Iraker getötet und 400 weitere verhaftet. Gleichzeitig beschloss US-Verwalter Bremer, Iraker von der Regierung auszuschließen.

Die humanitäre Lage im Irak verschlechtert sich weiter. Die UNICEF berichtet, dass doppelt so viele Kinder an Mangelerscheinungen und Unterernährung leiden als vor dem Krieg. Bereits damals war Durchfall die häufigste Todesursache bei Kindern. Nachdem die US-Truppen die Hälfte des Wasserversorgungssystems zerstört haben, spitzt sich die Lage weiter zu. Typhus und Ruhr greifen um sich.
Allein in Bagdad sind durch den Krieg zwei Millionen Menschen arbeitslos geworden. Demonstrierende Arbeiter forderten Arbeitsplätze oder Arbeitslosengeld von mindestens 50 US-Dollar im Monat vergeblich. Obwohl die Besatzer bei ihrer ersten Ölauktion 9,5 Millionen Barrel an westliche Konzerne versteigert haben.
Kaum jemand im Irak glaubt noch an die von den USA gemachten Versprechungen von Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Nicht einmal die USA selbst versuchen diesen Anschein zu wahren. So beschloss der US-Verwalter Paul Bremer das Land ohne Iraker zu regieren. Ihnen gesteht er nur eine "Beraterfunktion" zu.
Um möglichen Widerstand einzudämmen hat die US-Verwaltung in der zweiten Juniwoche ein Demonstrations- und Propagandaverbot für oppositionelle Gruppen verhängt. "Sie schichten Sandsäcke auf und ziehen Drahtzäune um den Campus. Wir können in dieser Atmosphäre einfach nicht arbeiten", berichtet der Wissenschaftsstudent Mazen Walid al-Mukhtar in einem Interview mit "Islam Online". Trotzdem haben am Sonntag dem 15. Juni 10.000 Iraker in Bagdad demonstriert und das Recht auf lokale Selbstverwaltung gefordert.

von Monika Krala (E-Mail)




Linksruck Nr. 156, 1. Januar 1970





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