Stahlarbeiter legen vor

Streiks der IG Metall im Osten:

Die ostdeutschen Stahlarbeiter haben die 35-Stunden-Woche bereits durchgesetzt. Die Arbeiter in der Metall- und Elektrobranche kämpfen weiter für Gleichheit zwischen Ost und West.

Auf einen Blick: Verkürzung bezahlbar

  • Eine Prognose des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigt, dass die ostdeutsche Industrie sich die 35-Stunden-Woche ohne Probleme leisten kann.
  • Die Gewinne der Industrie im Osten werden um 3,4 Prozent wachsen, schrieb das IWH am 12. Juni. Die Produktion wird 2003 etwa 10 Prozent billiger sein als im Westen. Bis 2006 soll sie sogar 20 Prozent billiger werden.
  • Jürgen Peters, der 2. Vorsitzende der IG Metall, sagte dazu, die Kosten der Angleichung zwischen Ost und West seien "aus diesem Gefälle der Lohnstückkosten sogar mehrfach finanzierbar".
  • Seit dem 16. Juni kämpfen die Arbeiter in der Metall- und Elektroindustrie in Berlin Ost und Brandenburg gemeinsam mit ihren Kollegen in Sachsen für die 35-Stunden-Woche.
    In der Stahlindustrie haben sie die Verkürzung der Arbeitszeit schon erreicht. Am 13. Juni stimmte eine Mehrheit von 60 Prozent der stimmberechtigten Arbeiter dem Plan zu, die 35-Stunden-Woche 2009 einzuführen.
    "Das Resultat der Urabstimmung zeigt, dass der Kompromiss von den Beschäftigten zwar akzeptiert wurde, aber nicht euphorisch aufgenommen wurde", meinte der Tarifsekretär der IG Metall Bezirksleitung. Der Plan sieht vor, am 1. April 2005 auf 37 Stunden zu gehen, am 1. April 2007 auf 36 und am 1. April 2009 auf 35 Stunden.
    Die Arbeiter in der Metall- und Elektroindustrie wollen hinter diesem Abschluss nicht zurückbleiben. In einigen Betrieben haben sie bereits gewonnen. Inzwischen ist in fünf sächsischen Betrieben die 35-Stunden-Woche vereinbart.


    Bosse findenís immer falsch


    Die Bosse wollen die Verkürzung der Arbeitszeit so lang wie möglich verzögern. Das sagte Peter Jeguschke, von der IG Metall und Betriebsratsvorsitzender bei VW, während des Streiks in Chemnitz gegenüber Linksruck.

    Warum streikt ihr für die 35-Stunden-Woche?

    Nach 13 Jahren deutscher Einheit ist es an der Zeit, dass die Lebensbedingungen einheitlich sind in Deutschland. Außerdem versprechen wir uns, dass neue Arbeitsplätze entstehen und die alten gesichert werden.

    In der Presse und von der Arbeitgeberseite kommt das Argument, dass die Forderung wirtschaftlich unmöglich ist.

    Es ist ja weitestgehend so, dass die Medienwelt gegen uns ist. Und ich habe noch keinen Zeitpunkt erlebt, wo es von Arbeitgeberseite hieß, jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Selbst wenn man das Thema 35-Stunden-Woche für fünf Jahre auf Eis legt, würden die Arbeitgeber nach Ablauf der fünf Jahre trotzdem sagen, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.

    Was hältst du von der Agenda 2010?

    Nicht viel. Sie hätte von der CDU kommen können und zielt eindeutig darauf ab, dass die Leute belastet werden, die eh wenig haben. Anstelle der Agenda sollte der Arbeitsmarkt belebt werden, indem man Steuergerechtigkeit in diesem Land herstellt. Es kann nicht sein, dass Millionäre sich Steuerberater leisten können, dass Konzerne, wie zum Beispiel Siemens, weniger Steuern zahlen als kleine Ladenbesitzer. Wenn man das angehen würde, wäre mehr Geld da und man könnte auf die Agenda verzichten. Ich lehne die Agenda 2010 ab.

    Die Fragen stellte Thomas Haschke

    von Jan Maas (E-Mail)




    Linksruck Nr. 156, 1. Januar 1970





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