"Die Kollegen sehen, dass die Gewerkschaft hinter ihnen steht"

Betriebsbesetzung der Koenig & Bauer AG in Berlin:

Die Beschäftigten des Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer AG (KBA) in Berlin haben am 10. und 11. Juli ihren Betrieb besetzt. Linksruck sprach mit dem Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin Luis Sergio über die Besetzung.

Letzte Woche haben die Kollegen von KBA ihren Betrieb besetzt. Warum?
Die Kollegen haben ihren Betrieb für zwei Tage besetzt, weil der Vorstand im April das so genannte "Windprojekt" beschlossen hat. Dabei sollen 100 Millionen Euro durch das Schließen zweier von fünf Werken gespart werden. Betroffen sind die Kollegen in Berlin und Kusel.

Was haben die Kollegen erreicht?
Ohne Betriebsbesetzung hätte sich der Vorstand nicht bewegt. Jetzt ist er von seinen bisherigen Positionen abgerückt und hat Verhandlungen mit einem offenen Ausgang zugesichert.

Der Streik war spontan. Wie habt ihr die Kollegen so schnell überzeugt?
Die Besetzung hat natürlich eine Vorgeschichte. Wir haben vorher bereits mehrere Aktionen gestartet. In Berlin haben wir zum Beispiel einen Autokorso organisiert und im Juni sind wir zur Jahreshauptversammlung nach Würzburg gefahren und haben dort protestiert. Auf der Betriebsversammlung vor der Besetzung haben wir gewusst, dass die Kollegen kämpfen wollen. Letztendlich haben sich alle Kollegen an der Besetzung beteiligt. Nur wer im Urlaub oder krank war, konnte nicht teilnehmen.

Wie haben andere Arbeiter reagiert? Waren sie solidarisch?
Trotz der spontanen Aktion sind Kollegen und Delegationen aus anderen Betrieben gekommen und haben sich solidarisch erklärt. Das ist beachtlich, denn sie haben erst von der Besetzung erfahren, als sie schon begonnen hatte.

Was hat die Geschäftsleitung gemacht?
Es ist uns gelungen eine "geheime Kommandoaktion" zu organisieren und sie waren offensichtlich sehr überrascht. Sie haben zuerst viel von Vertrauensbruch geredet und versucht mit "Rechtsbruch" zu argumentieren. Sie haben sogar gedroht: "Wir können auch anders." Wahrscheinlich meinten sie einen Polizeieinsatz.

Wie habt ihr den Streik organisiert?
Nach einer Stunde und den ersten Arbeiten wie Tore abriegeln, Streikposten aufstellen und Aufgaben verteilen haben wir gleich unsere erste Versammlung gemacht. Wir haben auch nach jeder Verhandlungsrunde Versammlungen einberufen und am Donnerstag haben wir zusätzlich noch eine Nachbesprechung des Tages gemacht. Wir haben über die Organisation der Besetzung aber vor allem über die Verhandlungen diskutiert. Das wichtigste ist, dass die Kollegen darüber bescheid wissen, um über weitere Aktionen entscheiden zu können.

Bei der KBA sind für Berliner Verhältnisse sehr viele Kollegen Mitglied der IG Metall. Wie habt ihr so viele Arbeiter für die Gewerkschaft gewonnen?
Die Belegschaft der KBA ist in der Gewerkschaft sehr aktiv, weil wir hier eine Tradition und Kampferfahrung haben. Der Betrieb sollte nämlich bereits 1996 geschlossen werden. Schon damals haben die Kollegen die Erhaltung ihres Betriebes erkämpft, auch wenn sie die Vernichtung von Arbeitsplätzen hinnehmen mussten. Die meisten Kollegen, die 1996 gekämpft haben, sind heute immer noch im Betrieb.
Auch während der Tarifrunde letztes Jahr haben die Arbeiter der KBA einen Streik organisiert. Die Kollegen sehen, dass die Gewerkschaft hinter ihnen steht.


Linksruck Nr. 158, 1. Januar 1970





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