US-Militärflughäfen in Deutschland:

Der Tod lauer über unseren Köpfen

Seit Wochen starten Tag und Nacht US-Militärflugzeuge von Deutschland Richtung Irak Die US-Militärflughäfen in Frankfurt, Ramstein und Spangdahlem sind bedeutende Stützpunkte für Bushs Krieg gegen Irak. Hier heben die Flugzeuge manchmal im Minutentakt ab.
Die meisten aus Frankfurt landen in Katar, bestätigt die Vollversammlung der in Deutschland tätigen Fluggesellschaften.
Von Katar werden nach Angaben des US-Heeresministers Waffen und Kriegsausrüstung auf einen Stützpunkt in Kuwait verlegt. Dort üben US-Piloten bereits Bombenangriffe.
Nach Spangdahlem verlegte das US-Militär vier Tarnkappenbomber. Von dort aus werden sie zu Luftwaffenstützpunkten in der Türkei gebracht.
Schon den Golfkrieg 1990/91 haben die USA mit Hilfe ihrer Militärbasen in Deutschland geführt. Das US-Verteidigungsministerium: „Eine große Prozentzahl der Flüge, die Fracht aus den Vereinigten Staaten ins Kampfgebiet gebracht haben, wurden durch die große und sehr gut ausgestattete Rhein-Main-Basis abgewickelt.“
Das Nein der deutschen Regierung zum Krieg ist halbherzig. „Wir können nicht unsere Basen für völkerrechtswidrige Angriffe zur Verfügung stellen“, fordert der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine.
Die Kriegstreiber der US-Armee wollen die rheinland-pfälzischen Militärflughäfen Ramstein und Spangdahlem ausbauen.
Der Sprecher der AG Frieden in Trier und Mitglied im Netzwerk gegen Militärstandorte und deren Auswirkungen (NEMA) Markus Pflüger erklärt: “Wir reden hier von einem riesigen Ausbau. Gebaut werden sollen die größten Start- und Landebahnen in Europa. Ramstein und Spangdahlem sollen zukünftig eine ganz erhebliche Bedeutung erlangen. Spangdahlem als zentrale Lagerstätte für Munition und Treibstoff, und Ramstein als Personaldrehkreuz – für die ‚Kriege der Zukunft’.”
Bereits jetzt leben die Anwohner der US-Militärstützpunkte in Deutschland unter schweren Bedingungen: “Hier ist es mittlerweile so laut, dass in unserem Ort kaum noch US-Amerikaner leben”, so Günther Schneider aus Binsfeld, einem kleinen Ort, der an die Luftwaffenbasis Spangdahlem grenzt.
Doch die Gesundheit der Menschen wird nicht nur durch Lärm bedroht. Seit dem 1. US-Krieg gegen Irak 1991 werden US-Kriegsflugzeuge mit dem Treibstoff JP-8 betankt. Seine Inhaltsstoffe werden geheim gehalten. Es wird jedoch vermutet, dass der Treibstoff beim Einatmen zu Krankheiten in Lunge, Nieren und Immunsystem führt und sogar krebserregend ist. Möglicherweise hat er auch die Haut- und Atemwegserkrankungen verursacht, die bei US-Soldaten nach dem Krieg 1991 auftraten. Das so genannte Golfkriegs-Syndrom.
Tobias Pflüger berichtet: “Nach einer Statistik, die uns ein Anwohner von Binsfeld vorgelegt hat, ist die Zahl der an Krebs gestorbenen Menschen signifikant hoch. Nach seinen Informationen sind von den zwischen 1990 und 2000 gestorbenen 97 Menschen in seiner Gemeinde fast alle, nämlich 95 an Krebs gestorben.”
Eine weitere Gefahr sind die Unfälle der US-Armee: Am 10. Juli flog ein Militärtransporter orientierungslos über dem Rhein-Main-Gebiet umher. Das US-Militär bestätigte, dass das Navigationssystem ausgefallen war. Zwei andere Kampfflugzeuge mussten die Maschine nach Ramstein zurückbegleiten, wo es unter äußersten Sicherheitsvorkehrungen landete. An Bord hätten sich “Dutzende Tonnen Waffen, unter ihnen Raketen mit Fest- und Flüssigtreibstoff sowie andere Explosivstoffe” befunden, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Viele Anwohner von Flughäfen wehren sich gegen deren militärische Nutzung. Die Stadtverordneten-Versammlung von Mörfelden-Walldorf fordert das sofortige Ende aller Militärflüge in der Region. In der Dokumentation der Stadtverordneten heißt es: “Keiner weiß, was über unseren Köpfen transportiert wird. Wir alle wissen, die US-Amerikaner bereiten neue Kriegsabenteuer vor und die Rhein-Main Airbase hat eine, wie sie mitteilen, ‚strategische Schlüsselstellung’.”

von Clara Stattegger




Linksruck Nr. 141, 1. Januar 1970





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