Europäisches Sozialforum 2003:

Tous ensemble! Gemeinsam gegen Krieg und Sozialabbau

Was geht ab?

Das zweite Europäische Sozialforum findet vom 12. bis 16. November in Paris und den Vororten St. Denis, Bobigny und Ivry statt. Am 12. wird die Europäische Versammlung für die Rechte der Frauen die Debatten einläuten. Vom 13. bis 15. werden 55 große Podiumsveranstaltungen stattfinden. Die Veranstaltungen werden in deutsch, englisch, spanisch, französisch und italienisch übersetzt. Dazu kommen noch 180 Seminare, die ebenfalls übersetzt werden und viele Workshops. Am 15. wird eine große Demonstration das Europäische Sozialforum beenden. Am 16. folgt das Treffen der sozialen Bewegungen. Auf diesem Treffen wurde 2002 in Florenz der europäische Aktionstag gegen den Krieg am 15. Februar beschlossen, dem sich später auch Bewegungen aus anderen Kontinenten angeschlossen haben.
Infos im Internet:
Seite des Europäischen Sozialforums
Seite der Initiative für ein Sozialforum in Deutschland
60.000 Menschen von allen Teilen des Kontinents versammeln sich, um über Alternativen zu Krieg und Konzernherrschaft zu reden und den Widerstand dagegen aufzubauen. Eine Million Menschen gehen zum Abschluss der Versammlung auf die Straße.
Einen Tag später beschließt eine Versammlung der sozialen Bewegungen, in ganz Europa am 15. Februar gegen den Krieg zu demonstrieren. Das ist die Bilanz des ersten Europäischen Sozialforums in Florenz, das im November 2002 zusammentraf.
Seitdem haben US-Präsident Bush und der britische Premierminister Blair ihren Krieg gegen die Iraker begonnen. Sie haben bereits über 6.000 Menschen ermordet.
Die europäischen Regierungen führen einen harten Kampf gegen den Sozialstaat: Renten sollen gekürzt, öffentliche Dienste privatisiert und Arbeitszeiten verlängert werden.
Aber die Herrschenden stoßen auf starken Widerstand. Aus der europaweiten Demo am 15. Februar wurde die erste weltweite Demo der Geschichte, bei der über 10 Millionen gegen den Krieg protestiert haben. Arbeiter in Frankreich haben sich mit den größten Streiks seit 1968 gewehrt.
Doch noch bleibt der Irak besetzt. Auch die Angriffe der europäischen Regierungen sind nicht gestoppt.
Das Europäische Sozialforum (ESF) in Paris vom 12. bis 16. November 2003 ist der nächste Höhepunkt der Bewegung und eine Chance, den Widerstand weiter aufzubauen. Das ESF wird geprägt sein vom Widerstand des letzten Jahres und von den Herausforderungen, welche die Angriffe der Herrschenden bedeuten.


Italien: "Wir haben die Gesellschaft aufgeweckt"


Wir, die italienischen Bewegungen, wollen in Paris die wichtige Rolle der sozialen Bewegungen unterstreichen. Zum Beispiel unterstützen wir die Kämpfe der Arbeiter. Im Oktober werden wir mit den streikenden Metallarbeitern in Rom sein. Sie sind Teil unserer Bewegung. Im Rom werden wir am 4. Oktober eine große Demo gegen die Europäische Verfassung machen.
Ende des Jahres wollen wir eine europäische Delegation zusammenbringen, die nach Palästina, Irak, Afghanistan, Kurdistan und Iran fährt. Wir wollen die Bewegungen dort kennen lernen. Die USA handeln weltweit die sozialen Bewegungen müssen das auch tun.
Wir mobilisieren nach Paris, indem wir eine Linie vom Europäischen Sozialforum 2002 in Florenz nach Paris ziehen. Ich bin etwas besorgt, dass das Forum in Paris in vier verschiedenen Stadtteilen stattfinden wird. Es könnte schwierig sein, unsere Stärke zu erkennen. Die große Demonstration wird sehr wichtig werden, um unsere Macht zu zeigen.
2001 wurde uns in Genua erstmals unsere Stärke bewusst. Wir wurden zur einzigen sozialen und politischen Opposition in Italien. Die Opposition im Parlament war nichts wert.
Bis April letzten Jahres haben wir zehn große Demonstrationen in Rom organisiert. Seit dem Frühjahr 2002 sind andere Gruppen dazugekommen: Gewerkschaften, politische Parteien, Gruppen von Intellektuellen.
Wir haben die anderen Teile der Gesellschaft aufgeweckt. Und das ist anders als in anderen europäischen Ländern wir haben es geschafft, zusammenzuarbeiten.
Dazu müssen wir gleichzeitig politisch radikal und einig sein. Ein Beispiel: Alle Kräfte, gemäßigte und radikale, haben sich auf eine radikale Ablehnung jeder Art von Krieg im Irak geeinigt. Und nicht nur die Demonstration gegen den Krieg am 15. Februar war groß. Auch am 12. April haben wir 1 Million Menschen auf die Straße gebracht. Gemäßigt zu sein, bedeutet nicht automatisch, mehr Leute auf die Straße zu bringen.
Wir wollen, dass das ESF nicht nur eine Konferenz wird, sondern dass die europäischen Bewegungen gemeinsame Ziele vereinbaren. Es ist nötig, gegen Krieg zu kämpfen. Der Kampf gegen Krieg und Neoliberalismus ist derselbe. Noch nicht alle europäischen Bewegungen sehen das so.

(Vittorio Agnoletto ist Sprecher des Sozialforums von Genua, das 2001 die großen Proteste gegen den G8-Gipfel mit aufgebaut hat)




Frankreich: "Wir wollen Teil dieser Bewegung sein"


Seit wir vom ESF gehört haben, wollen wir Teil dieser Bewegung sein. Muslime haben dieselben Werte wie Nicht-Muslime. Wir müssen zusammenkommen und zusammenarbeiten.
Die muslimische Gemeinde in Frankreich ist sehr jung. Es ist schwer, unseren Platz in der Gesellschaft zu finden. Wenn ich mit Organisationen und Parteien diskutiere, höre ich oft, dass wir uns integrieren sollen.
Aber ich bin in Frankreich geboren, ich bin Französin. Ich kann die Gesellschaft kritisieren, mich über Dinge streiten und die Gesellschaft verändern.
Wir engagieren uns vor Ort. Für uns sind die Fragen wie Bildung, Umweltzerstörung oder soziale Ungerechtigkeit wichtig. Seit zehn Jahren arbeiten wir mit einzelnen Organisationen zusammen und haben zu diesen Themen Partnerschaften gebildet, wie zum Thema Bildung und Schule.
Vor drei Jahren haben wir angefangen, mit den sozialen Bewegungen zusammenzuarbeiten, beispielsweise mit der Bewegung der Einwanderer. Nach und nach haben wir Netzwerke aufgebaut.

(Sihan Andalouci engagiert sich beim Verband Bürgerwiderstand in Frankreich dafür, dass mehr Muslime Teil der antikapitalistischen Bewegung werden)


Linksruck Nr. 159, 1. Januar 1970





Dieser Artikel kommt von Linksruck
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