Kollegen erzwingen Verhandlung

Die Beschäftigten des Druckmaschinenherstellers KBA in Berlin kämpfen gegen die Unternehmensleitung. Sie will den Betrieb schließen. Alle 112 Arbeiter sollen entlassen werden. Linksruck sprach mit einem Metaller über seine Erfahrungen mit diesem Arbeitskampf.

Das Unternehmen bekam Geld vom Senat und schreibt schwarze Zahlen. Warum soll dennoch Entlassen werden?
Das Hauptargument der Arbeitgeber ist die Krise in der Druck-maschinenbrache. Sie sagen, die Produktion müsse zurückgefahren werden. Deshalb will sich die Unternehmensleitung auf die Standorte in Würzburg und Frankental beschränken. Insgesamt wollen die 100 Millionen einsparen, um konkurrenzfähig er zu sein. Dass der Betrieb in Berlin allein in den letzten drei Jahren fast 7 Millionen Gewinn an die KBA-Konzernmutter in Würzburg abgeführt hat, interessiert die nicht.

Die Arbeitgeber waren entschlossen, alle 112 Arbeiter zu entlassen. Wie kommt es, dass jetzt doch wieder verhandelt wird?
Das war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben immerhin zwei Betriebsbesetzungen hinter uns.
Die Belegschaft hat durch ihre Kampfbereitschaft den Vorstand wieder an den Verhandlungstisch gezwungen. Bei der letzten Urabstimmung haben 91 Prozent aller Kollegen für den Streik gestimmt. Das war ein klares Zeichen, auch für die Unternehmensleitung. Die Entschlossenheit der Kollegen hat dafür gesorgt, dass es jetzt wieder Verhandlungen gibt.

Was ist denn euer Ziel bei den Verhandlungen?
Die Kollegen wollen die Schließung des Werkes verhindern. Die Produktion soll weitergehen und es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Es kann nicht sein, dass ein Betrieb der Gewinn erwirtschaftet, kaputt gemacht wird. Konkret bedeutet dies, einen Investor zu finden, der Geld in den Betrieb steckt. Die Aussichten dafür sind gut, weil der Betrieb profitabel ist.

Die Konzernleitung versucht, die einzelnen Standorte gegeneinander auszuspielen. Wie reagiert ihr darauf?
Es wird darauf geachtet, dass die Betriebsräte der verschiedenen Werke sich ständig austauschen. So weiß die Gewerkschaft, was los ist und mit welcher Position der KBA-Vorstand in die Verhandlungen geht. Wir haben außerdem auch eine gemeinsame Aktion der Beschäftigten der verschiedenen Standorte bei der Aktionärsversammlung in Würzburg gemacht.
Es gab eine Demonstration mit Kundgebung vor der Versammlung. Da viele Kollegen auch selber Aktien haben, konnten sie reingehen und auch dort ordentlich Dampf machen.
Die Unternehmensleitung hat natürlich im Verlauf des Arbeitskampfes auch einzelnen Kollegen eine Weiterbeschäftigung in den Werken Würzburg und Frankenthal angeboten. Da haben viele natürlich überlegt, ob sie sich da eine Chance entgehen lassen. Aber letztendlich war die Einsicht größer, dass wir gemeinsam mehr erreichen.

Sind die Kollegen motiviert, sich zu wehren?
Die Kollegen sind sehr wütend. 1996 waren ja schon mal Entlassungen geplant. Schon damals haben viele Kollegen wichtige Erfahrung im Arbeitskampf gesammelt. Nun haben die Kollegen mit ihrer Leistung den Betrieb zu einem gewinnträchtigen Unternehmen gemacht.
Als die Unternehmensleitung jetzt ankündigte, das Werk zu schließen, waren alle sehr verbittert. Die Kollegen sagten: Wir haben uns den Arsch aufgerissen und als Dank bekommen wir jetzt die Schließung. Das will sich keiner gefallen lassen.

Bei KBA sind 101 der 112 Mitarbeiter Mitglied der IG Metall Wie arbeiteten die Gewerkschafter in diesem Arbeitskampf?
Das wichtigste ist, dass die Kollegen immer auf demselben Stand sind wie die Verhandlungsführer. Die Gewerkschaft versucht also immer, größtmögliche Transparenz herzustellen.
Das ist enorm wichtig. Zum Beispiel entscheidet über Wendpunkte im Arbeitskampf immer die Betriebsversammlung. Die Belegschaft hat sich manchmal zweimal pro Woche getroffen.
Dort wurde dann von den Verhandlungen erzählt. Manchmal haben wir abgestimmt, wie es weitergehen soll.

Aber oft haben die Kollegen auch nur auf den Tisch geklopft und so ihre Zustimmung ausgedrückt.
Wie wird es weitergehen?

Wir haben durch unsere Kampfmaßnahmen die Geschäftsleitung erst mal wieder an den Verhandlungstisch gezwungen. Es sieht jetzt sehr danach aus, dass wir einen neuen Investor bekommen und auch der KBA-Vorstand dem Verkauf zustimmt.
Dann wäre unser Ziel erreicht. Aber bis die Verträge unter Dach und Fach sind, dauert es noch. So lange bleiben wir kampfbereit.


Linksruck Nr. 163, 1. Januar 1970





Dieser Artikel kommt von Linksruck
http://www.linksruck.de