Film: Army Go Home!:

Ein Soldat und Waffenhändler

Zugedröhnte US-Soldaten bringen sich gegenseitig um.

„Krieg ist die Hölle. Aber Frieden ist höllisch langweilig.“ So beschreibt Ray Elwood (Joaquin Phoenix) den Alltag auf einem US-Militärstützpunkt bei Stuttgart 1989, während des Falls der Mauer. Diese Langeweile sieht so aus: Irgendein unglücklicher Soldat bricht sich beim Football im Aufenthaltsraum an einer Tischkante den Hals und wird danach aus dem Fenster geworfen, damit der Vorgesetzte Berman (Ed Harris) keine blöden Fragen stellt.
Letzterer weiß ebenso nichts davon, dass Elwood allerlei nützliche Dinge schwarz auf dem Stützpunkt verkauft und der Chef der Militärpolizei vorwiegend als Heroinhändler Karriere macht. Die heißeste Ware bekommt Elwood, als eine bis in die Haarspitzen vollgedröhnte Panzerbesatzung sich bei einer Übung in eine schwäbische Kleinstadt verirrt, dort einen Jahrmarkt niederwalzt und schließlich eine Tankstelle in die Luft jagt, wodurch eine LKW-Ladung Raketen herrenlos auf der Straße steht. Doch gerade als Elwood damit das Geschäft seines Lebens machen will, bekommt er mit Vietnamveteran Lee (Scott Glenn) einen neuen Vorgesetzten, der unbestechlich ist und versucht, Elwoods Geschäfte zu verhindern.
Vollständig grotesk wird der Film, als sich einige Soldaten im Drogenrausch gegenseitig umbringen, während im Fernsehen Ost- und Westdeutsche die Berliner Mauer besteigen. So absurd Teile der Geschichte auch wirken, die Grundidee entspricht der Realität, denn nachdem der Massenmord der USA in Vietnam immer bekannter wurde, hatte die Armee in den 80er Jahren „Schwierigkeiten, Rekruten zu finden“, wie Regisseur Gregor Jordan erklärt.
„Sie starteten sogar das Programm, dass junge Straffällige – wie Elwood im Film – zwischen der Armee und dem Gefängnis wählen konnten. So war die Armee schließlich voll mit Kriminellen.“
„Army go home!“ ist bei aller Militärkritik keine Antwort auf die Kriegstreiberei der US-Armee. Die politische Aussage wird eher durch kleine Symbole deutlich, wie Lees Beschreibung des US-Kriegs in Vietnam („Ich fand’s herrlich, das war wie Scheibenschießen!“) oder dem buchstäblichen Herumtrampeln auf der US-Flagge, die den Kasernenboden „schmückt“.
Interessant ist der Film auch, weil er in Deutschland startet, kurz nachdem Streifen wie „Black Hawk Down“ und „Wir waren Helden“ versuchten, selbst den schlimmsten Verbrechen der US-Armee einen Heiligenschein zu verpassen. „Meine Hoffnung für diesen Film ist“, erklärt der Regisseur im Hinblick auf die Kriegsfilmwelle, „dass die Leute langsam wütend werden durch die Existenz dieser Filme – und auch gelangweilt.“ Ausdrücklich versteht Jordan seinen Film als Opposition zu dem „Fahnen schwingenden Mist“.
Wahrscheinlich ist das der Grund, warum in den USA bisher kein Verleih „Army go home!“ in die Kinos gebracht hat. So ist eine der besten Independent-Produktionen der letzten Jahre vorerst nur in Europa zu sehen.

von Hans Krause




Linksruck Nr. 141, 1. Januar 1970





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