Film "Matrix Revolutions": Die Zeugen Jehovas

Der hoffentlich letzte Matrix-Film macht Neo endgültig zum allmächtigen Gott einer durchgeknallten Sekte.

Es war einmal ein großartiger Film: 1999 traten Neo (Keanu Reeves), Trinity (Carrie-Anne Moss) und ihr Anführer Morpheus ( Laurence Fishburne) an, die Menschheit aus ihrem Sklavendasein zu befreien. "Matrix" verlegte die totale Unterdrückung der Menschheit in eine Zukunft, in der die Menschen in riesigen Legebatterien gezüchtet werden, um die herrschenden Maschinen mit Energie zu versorgen. Um die Menschen ruhig zu stellen, wird ihnen eine künstliche Welt ins Hirn gespeist, die unserer Realität entspricht – ein gigantisches Computerprogramm namens Matrix.
Doch während schon im zweiten Matrix-Film "Reloaded" aus dem Befreiungskampf eine Geschichte über die Anbetung der Hauptfigur Neo wurde, wirkt der dritte Teil vor allem beim peinlichen Ende wie ein Werbespot der Zeugen Jehovas. Schon zuvor wird die Frage, warum Neo in der Realität wie in der Matrix übermenschliche Fähigkeiten hat, damit begründet, dass er der "Auserwählte" sei.
Deshalb kann Neo auch den Krieg der Maschinen gegen die freien Menschen fast im Alleingang entscheiden. Der 20-minütige Kampf der normalen Menschen gegen die flutschenden Elektrolurche entpuppt sich am Ende als völlig bedeutungslos. Denn allein Heiland Neo kann, trotz zwischenzeitlicher Erblindung, in die Maschinenstadt eindringen und mit dem Maschinengott einen Friedensvertrag aushandeln.
Gerade weil Neo über göttliche Unfehlbarkeit verfügt, ist "Matrix Revolutions" eine willkürliche Aneinanderreihung seiner Eingebungen, die den Zuschauer nicht fesseln können. Besonders deutlich wird dies, als Neo nach längerer Meditation ohne jede Erklärung fordert, allein mit einem Kriegsraumschiff in die Maschinenstadt zu fliegen.Seine Anhänger Trinitiy und Morpheus stimmen sofort zu. Einwände gegen den selbstmörderischen Plan kommen nur von ungläubigen Holzköpfen, die zu dumm sind, Neos Auserwähltheit zu erkennen.
Am Ende opfert er sich in einer der Kreuzigung Jesus’ nachempfundenen Szene für die Erlösung der Menschheit. Und in der Matrix erscheint ein rosaroter Sonnenaufgang.
Übrigens: Eines der größten Geheimnisse der Matrix ist der Titel des dritten Teils. Denn um eine Revolution geht es in dem Film nicht eine Sekunde.

von Hans Krause




Linksruck Nr. 165, 1. Januar 1970





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