Regimewechsel daheim

Buch "Michael Moores Volle Deckung, Mr. Bush":

In seinem neuen Buch zerlegt der Erfolgsautor die Ideologie des "Kriegs gegen den Terror".

Michael Moore hat es wieder geschafft: Auch sein neuestes Buch "Volle Deckung, Mr. Bush" steht in Deutschland an der Spitze der Bestsellerlisten. In den USA ist das Original "Dude, where’s my country" das meistverkaufte Buch. Niemand anders greift die Politik von George W. Bush so konsequent und erfolgreich an.

Mit konkreten Fragen bringt Moore die Widersprüche des Präsidenten der USA auf den Punkt: Stimmt es, dass die Bush-Familie mit der Familie Bin Ladens seit 25 Jahren enge Geschäftsbeziehungen unterhält? Was ist das "besondere Verhältnis" zum Königshaus von Saudi-Arabien? Wieso luden Öl-Industrielle aus Texas Vertreter der Taliban in die USA ein? Wieso wurden potenzielle Terroristen geschützt, wenn sie Geschäftspartner der Präsidentenfamilie waren?

Auf solche Fragen hat George W. Bush natürlich keine Antwort. Die übrige Presse und das Fernsehen in den USA stellen diese Fragen gar nicht erst. Deshalb füllt Michael Moore eine große Lücke. Und da er sich nicht in Selbstmitleid ergeht, sondern witzig und verständlich in die Offensive geht, findet er viele Leser. Denn die Mehrheit der Amerikaner ist anders, als es die Bush-Clique behauptet. Tatsächlich haben sie in Fragen wie Gesundheitsversorgung, Abtreibung, Umweltschutz, Gewerkschaften und Homosexualität fortschrittlichere Ansichten als ihre Regierung.

Die Bücher von Michael Moore und ihr Erfolg in den USA widerlegen die Behauptung, Kritik an der Bush-Regierung sei anti-amerikanisch. Moore zeigt, wie Linke mit oberflächlich konservativen Bekannten argumentieren können. Geduldige Aufklärung über Tatsachen ist da angesagt. Denn, so Moore, diese Menschen können sich einfach nicht vorstellen, wie es ist, arm oder schwarz zu sein oder einen Menschen des gleichen Geschlechts küssen zu wollen.

Moore möchte sich nicht darauf beschränken, Bücher zu schreiben und Reden zu halten. Er will eine Massenbewegung mit aufbauen, die das Bush-Regime stürzt. Deshalb zeigt der Buchumschlag in Anlehnung an den Sturz der Saddam-Hussein-Denkmäler im Irak eine kippende Statue von George W. Bush. Moore, der jahrelang den grünen Präsidentschaftskandidaten Ralph Nader unterstützt hatte, will jetzt mehr bewegen.

Deshalb unterstützt Moore in seinem Buch ausgerechnet Wesley Clark, einen General und Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei. Da Clark schon früh den Irak-Krieg kritisierte, erhofft sich Moore von ihm die Chance, sowohl die Wahlen zu gewinnen als auch Veränderungen zu bewirken. Es ist absehbar, dass Hoffnungen in diesen General auf Sand gebaut sind. Dennoch ist "Volle Deckung, Mr. Bush" ein spannendes Buch, das die Lügen der Regierung der USA aufdeckt.

von Oliver Völckers




Linksruck Nr. 168, 1. Januar 1970





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