Schönheitsterror

Im Sommer hat der Schönheitsterror Hochkonjunktur. "In zwölf Tagen Bikinifigur" die Titelseiten der Frauenzeitschriften überschlagen sich mit Hinweisen auf die effektivsten Diäten. Für die Zeitschrift Allegra ist der fitte Körper eine "Bioaktie in der Gewinnzone". Glück, Erfolg, Erotik und sexuelle Abenteuer durch Schönheit - das ist das Versprechen. Für die Mehrheit der Frauen wird die Bikinisaison allerdings zum Spießrutenlauf, der Blick in den Spiegel zur leidvollen Erfahrung.

Die Kosmetik- und Schlankheitsindustrie kann sich freuen. Das in Werbung und Magazinen verbreitete Ideal spült ihnen Milliarden in die Kassen. 1998 wurden in Deutschland 17,7 Mrd. DM allein für Körperpflege und Kosmetik ausgegeben. Die Zahl der Diätprodukte steigt jährlich. Die Hersteller machen einen guten Schnitt: Das Diätprodukt Slimfast kostet in der Herstellung gerade mal DM 4. Sein Preis zu Verkaufstart lag bei DM 69.

Das von der Kosmetik- und Werbeindustrie kreierte Schönheitsideal ist genauso wenig gesund wie natürlich. Weibliche Models liegen im Schnitt 23% unter dem Gewicht ihrer Geschlechtsgenossinnen. Ca. 4% der Frauen leiden unter Magersucht oder Bulemie (Ess-Brecht-Sucht). Dabei ist das momentane Ideal alles andere als natürlich. Das Schönheitsideal hat sich fortwährend verändert. Bis ins 20. Jahrhundert galten "üppigere" Frauen als attraktiver als "magere".

Der Effekt des Schönheitsterrors und sexualisierter Werbung auf Frauen ist dramatisch.

Nach Angaben des Frauenministeriums haben bereits 50% der 11-13-Jährigen Mädchen eine Diät hinter sich. Obwohl 65% der Studentinnen idealgewichtig sind oder weniger wiegen und 20-30% immer noch unter dem Normalgewicht liegen, wollen 47% weniger wiegen. 85% der Frauen sind unzufrieden mit ihrem Äußeren. Nach Angaben des Ernährungsphysiologischen Instituts der Uni Göttingen ist jede zweite deutsche Frau essgestört: "Es gibt (...) kaum eine Frau, die auf ganz natürliche Weise mit dem Essen umgehen kann, die keine Waage, keine Diäten kennt, und isst, worauf sie Appetit hat."

Auf den Fidschiinseln hatten durch westliches Fernsehen importiere Stereotype dramatische Effekte auf die Teenager: Nach drei Jahren erhöhte sich die Zahl der Eßgestörten um das fünffache.

Die sexuelle Revolution hat ein unverkramfteres Verhältnis zu Sexualität und Körperlichkeit mit sich gebracht.

Die Konzerne haben sich der Effekte der sexuellen Revolution bemächtiget und sie vermarktet. Damit richten sie die erkämpfte Freiheit gegen die, die am meisten von ihr profitieren könnten die Frauen. Ein weiter Grund für eine andere Welt zu kämpfen!


von Christine Buchholz (E-Mail)




Linksruck Nr. 111, 1. Januar 1970





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