Krieg für Frauenrechte?

In einem pro-Kriegs-Kommentar vom 11.10. schreibt die Zeit: "Und obwohl die Burkha, das traditionelle Gewand, den Körper vom Scheitel bis zur Sohle verhüllt, dürfen Frauen kein Make-up und keine Schuhe mit hohen Absätzen tragen, im Taxi nicht neben dem Fahrer sitzen und nur in Begleitung ihres Ehemanns oder Bruders die Straße überqueren, wobei sie den Kopf züchtig senken und beim Gehen keine Geräusche machen dürfen."

Tatsächlich geht es den Frauen wohl nirgendwo in der Welt so schlecht wie dort. Aber werden ihnen die Bomben helfen?

Die Bombardements verschlimmern die Situation der afghanischen Frauen zusätzlich. Schon jetzt sind laut der UNO 5 Mio. Zivilisten – die große Mehrheit davon Frauen und Kinder –durch Hunger und Armut überlebensgefährdet. Solange die Bomben fallen können die notwendigen Hilfslieferungen über Land nicht stattfinden.

Ein Blick auf den Partner in der Region – die ebenfalls fundamentalistische Nordallianz – macht schnell klar, dass es der NATO wohl kaum um Frauenrechte geht. Die afghanische Soziologin Mariam Notten beschreibt die Nordallianz: "In ihrer Grausamkeit und ihrer Einstellung zu Frauen sind diese Gruppen kein bisschen besser als die Taliban. Auch bei ihnen wurden Frauen verschleiert, sie durften nicht zur Schule, sie wurden gesteinigt. Dostum und seine Truppe haben Massaker an ethnischen Minderheiten verübt und Frauen vergewaltigt." Eine Machtübernahme dieser Gruppen würde den Frauen wohl kaum nennenswerte Verbesserungen bringen.

Hier in der BRD haben afghanische Frauen noch nicht einmal ein Recht auf Asyl. In Bescheiden des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge sind z. B. folgende Ausführungen zu lesen: "Die Taliban haben für ihren Machtbereich die Rückkehr der muslemischen Kultur (...) beschlossen. Ein solches Vorgehen kann naturgemäß nicht ohne Unterdrückung und Gewaltanwendung gelingen. ..."

Frauen werden zusätzlich belehrt: "Halten sich Frauen an diese Vorgaben, sind sie jedenfalls keinen Gefahren ausgesetzt, die über das Maß der Gefährdung hinausgehen, denen Frauen in Afghanistan allgemein ausgesetzt sind."

Um den afghanischen Frauen tatsächlich zu helfen, sollten die westlichen Regierungen die RAWA (Revolutionary Association of the Women of Afghanistan) unterstützen. Sie organisiert unter anderem heimlich medizinische Versorgung und Schulbildung für Mädchen und Frauen, dokumentiert Menschenrechtsverstöße und leistet über Presse und Internet Aufklärungsarbeit. Seit Jahren hat RAWA sich erfolglos bei westlichen Botschaften um finanzielle Hilfe bemüht. Die Organisation ist sowohl gegen die Militärschläge als auch gegen die Taliban. Sie sind gegen ein neues Marionettenregime, das den Menschen dort innerhalb kürzester Zeit ähnlich viel Leid wie die Taliban bescheren würde. "Wir werden die Freiheit nicht geschenkt bekommen. Von niemandem!", sagt Refa, eine Kämpferin der RAWA. Unterstützung dafür könnten sie vielleicht bald von breiten Schichten der Bevölkerung bekommen. "Ich denke, es sind nur noch die Talibs (die radikalen Koranschüler), die die Taliban unterstützen. Niemand sonst unterstützt sie noch in Afghanistan. Sie sind das unpopulärste Regime, das Afghanistan je in seiner Geschichte hatte", erzählt Adil ein linker afghanischer Aktivist von seinem letzten Besuch in Jilalabad.

Die beste Hilfe für die Frauen aus Afghanistan ist es, die Anti-Kriegs-Bewegung aufzubauen, die RAWA zu unterstützen und gleichzeitig Asylrecht für die Frauen zu fordern.

Weitere Infos unter: www.rawa.org


von Julia Rossi




Linksruck Nr. 116, 1. Januar 1970





Dieser Artikel kommt von Linksruck
http://www.linksruck.de