Warum machen Frauen mehr Hausarbeit als Männer?

Nach dem Konservativen Rollenbild sind Frauen besser dazu geeignet Kinder großzuziehen und für den Haushalt zu sorgen. Das Selbstbild von Frauen und Männern ist allerdings ein anderes. Heute meinen 82% im Westen und 88% im Osten, das die Erziehung kleiner Kinder gleichermaßen in den Aufgabenbereich von Frauen und Männern fällt. Dennoch verrichten Frauen heute nach einer Studie der Uni Würzburg doppelt so viel Hausarbeit wie Männer und verbringen eineinhalb mal so viel Zeit mit den Kindern wie ihre Partner. Was sind die Ursachen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung? Ist die ungleiche Arbeitsteilung im Haushalt und der Kindererziehung durch falsche Ideen in der Gesellschaft zu erklären? Wer profitiert von der mehrheitlich durch Frauen verrichteten Hausarbeit?

Frauen, die berufstätig sind, also ebenfalls einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich haben verwenden sehr viel weniger Zeit für Hausarbeit als Nur-Hausfrauen. Englische Untersuchungen ergaben, daß sie zwar immer noch mehr Hausarbeit machen als der Mann, aber das dies nur etwa eine Stunde am Tag beträgt. Die Zahl der Familien, in denen die Hausarbeit geteilt wird, wächst, insbesondere auch die Zahl in denen die Kinderbetreuung geteilt wird.

Kindererziehung ist jedoch praktisch nicht mit der Berufstätigkeit beider Eltern zu vereinbaren. Die Tatsache, daß in dieser Situation die Frauen ihre Arbeit aufgeben, hat nichts mehr mit biologischen Notwendigkeiten zu tun, aber auch nicht damit, daß die Männer ihre Frauen an ihren angestammten Platz zurückdrängen wollen. Die Entscheidung ist zuallererst von der schlichten wirtschaftlichen Notwendigkeit bestimmt.

Daß hauptsächlich Frauen unter der Doppelbelastung von Hausarbeit und Beruf leiden, liegt vor allem an der Tatsache, daß ihre Bezahlung durchschnittlich 77% der Verdienste von Männern beträgt, weil Frauen vor allem in niedrig bezahlten Jobs arbeiten. Ein Drittel der Haushalte verfügt über ein monatliches Nettoeinkommen von 1.000 2.500 DM, nur 10% über mehr als 6.000 DM. Vielen Paaren bleibt da keine andere Wahl, als das klassische Familienmodell zu wählen, wenn sie nicht auf Lohn verzichten wollen. Die Folge ist, dass Männer im Westen 1,8 mal und im Osten 1,4 mal soviel Zeit mit Erwerbstätigkeit, Fahrten zur Arbeit und Ausbildung verbringen wie Frauen.

Dazu kommt, daß es an außerhäuslichen Kindertageseinrichtungen fehlt. Trotz des bestehenden Rechtsanspruchs fehlen 500.000 Kindergartenplätze. Laut einer Forsa-Umfrage meinen dementsprechend auch 82% der Frauen zwischen 15 und 50 Jahren, daß berufstätige Frauen mehr Kindertagesstätten und Schulen brauchen. Der Berliner Senat legte im Oktober eine Sparliste vor, in der die Streichung von 2.800 Kitaplätze und die Anhebung der Kita-Gebühren um 10% gefordert werden. Der neoliberale Sparkurs trifft Frauen so besonders hart.

Dies ist der Hintergrund vor dem Frauen dem Großziehen von Kindern einen wesentlich höheren Stellenwert in ihrem Leben bei, als Männer. Sie betrachten die Familie, insbesondere Kinder häufig als einen Ort, in dem sie mehr Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung finden, als in niedrig bezahlten Jobs. Das wiederum veranlasst Frauen auch niedriger bezahlte und flexible Jobs anzunehmen.

Und auch wenn sicherlich viele Männer es bequem finden, sich nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht mehr um die Hausarbeit zu kümmern, so sind nicht sie es die von der Doppelbelastung ihrer Frau profitieren. Insgesamt bedeutet die Arbeit, die in der Familie verrichtet wird nämlich eine massive finanzielle Entlastung für Unternehmer und Staat. So betrug der Wert der 77 Mrd. Stunden unentgeltlicher Arbeit, die 1992 in Westdeutschland geleistet wurden, vorausgesetzt sie würden mit einem durchschnittlichen Stundenlohn vergütet, 2,8 Billionen Mark.

Die Berufstätigkeit der Frau, sie machen mit 42% fast die Hälfte der Erwerbstätigen aus, hat zu einer Verschiebung in der Verteilung der Hausarbeit geführt. Noch 1965 verrichteten Frauen 10 mal soviel Hausarbeit wie Männer.

Das Grundproblem ist dadurch aber nicht verschwunden, die Belastung der Familie ist dadurch aber nicht geringer geworden. Die einzige sinnvolle Lösung ist daher die weitgehende Vergesellschaftung der häuslichen Arbeiten.

Unsere Antwort ist der Kampf um gleiche Löhne für Männer und Frauen und der Kampf um eine umfassende staatlich finanzierte Versorgung von Kindern.

Hindernis dafür sind nicht die Männer, sondern die Unternehmer sie profitieren von der Doppelbelastung der Frau. Dementsprechend kann die Befreiung nur gegen sie und gemeinsam mit den lohnabhängigen Männern durchgesetzt werden.


von Nadine Lenz




Linksruck Nr. 118, 1. Januar 1970





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