Knast-Klischees - Auch im Gefängnis dürfen Frauen nicht denken

Hinter Gittern der Frauenknast, Knast-Soap, Deutschland 2002, montags, 21.15 Uhr, RTL

Ein Frauengefängnis in Deutschland: Justizvollzugsanstalt Reutlitz, Station B. Die Frauen hinter Gittern sitzen wegen Mord, Erpressung, Banküberfall, Betrug. "Hinter Gittern" ist die erste deutsche Serie aus einem Frauengefängnis, und fast alle Figuren sind weiblich. Leider haben die Regisseure alle bekannten Frauen-Klischees mit ins Gefängnis genommen, selbst wenn sie dort überhaupt keinen Sinn machen.

Da ist zum Beispiel Hausfrau Ilse, die am liebsten Adelsgeschichten aus Klatschblättern liest und Kreuzworträtsel löst. Mit mütterlicher Güte versucht sie Streitereien in Harmonie aufzulösen. Oder Schauspielerin Ariane, der nichts wichtiger ist, als gut auszusehen und sich zu inszenieren.

Auf der anderen Seite stehen echte "Kampfweiber", wie die Hauptfigur Christine (Katy Karrenbauer). Sie ist groß, kräftig, kann mit ihren Gesichtszügen Kinder erschrecken und ist demzufolge die Knastlesbe von Reutlitz, weswegen sie vorwiegend mit ihrem Nachnamen Walter gerufen wird. Hinzu kommt Intrigantin Mareike (Sanna Englund), die prinzipiell alle Menschen hasst, besonders aber ihre ebenfalls einsitzende Schwester Martina, weil sie ein Baby vom ehemaligen Gefängnisarzt bekommen hat, das angeblich zwischen den Schwestern steht.

Überhaupt ist das Verhältnis zwischen Gefangenen und Personal überwiegend freundschaftlich oder sexuell. Uschi hat ein Verhältnis mit dem neuen Arzt Dr. Strauss, Lizzy war bis vor Kurzem mit Hausmeister Frank zusammen, und die Wächterin Schnoor nimmt sogar Martinas Baby als Pflegemutter auf. Quälen und Prügeln tun sich die Insassinnen vor allem gegenseitig.

Einzige Ausnahme ist Schließer Baumann, der aus unerklärlichen Gründen will, dass es den Frauen möglichst schlecht geht. Vor allem Walter will er demütigen, indem er versucht, ihre beste Freundin Nina vom Hostessenservice "flachzulegen".

Zwar werden in der Serie immer wieder interessante Themen angeschnitten. Zum Beispiel treten die Gefangenen gemeinsam in den Hungerstreik, als Martina ihr Kind weggenommen werden soll. Doch die Charaktere sind zu oberflächlich und ihre Handlungen zu unverständlich, als dass man einen Eindruck vom Leben und den Menschen im Frauengefängnis bekommen könnte.




Linksruck Nr. 129, 1. Januar 1970





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