Die internationale Nahrungsmittelmafia

Linksruck wirft einen Blick auf...:

BSE im Rindfleisch, Dioxin im Hühnerei und Genmüsli ohne Kennzeichnung im Supermarktregal - die Kette von Nahrungsmittelskandalen reißt nicht ab. Während die Landwirte jetzt am Pranger stehen, ziehen im Hintergrund ganz andere Kräfte die Fäden: Gigantische multinationale Konzerne, deren Ziel es ist, aus den Grundbedürfnissen Essen und Trinken so viel Profit wie möglich zu schlagen - ohne Rücksicht auf Natur und Mensch. Linksruck stellt die größten Verbrecher vor.

 

Essen aus Abfall: Nestle, Unilever und Kraft

Choco Crossies, Lünebest Joghurt und die Fleischwurst von Herta – nur drei der über 2.000 Marken, die der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle in den Regalen stehen hat. Die Vielfalt im Supermarkt täuscht – eine kleine Handvoll Konzerne kontrolliert das Lebensmittelgeschäft.

Die großen Drei, Nestle, Unilever und Kraft Food, die Nahrungsmittelabteilung des Tabakkonzerns Philip Morris, befinden sich in einer gnadenlosen Konkurrenzkampf. Um noch billiger zu produzieren, wird in den Konzernlaboren sogar Abfall zu Essen verarbeitet – nicht nur aus der landwirtschaftlichen, sondern auch aus der Industrieproduktion!

Abfall

Rund 75 Prozent aller Lebensmittel in Deutschland durchlaufen industrielle "Veredelungsprozesse". Der Name täuscht: Gemeint ist die Ersetzung von natürlichen durch künstliche Bestandteile.

Himbeeraroma aus Zedernholzöl, Vanillegeschmack aus Sulfitablaugen, einem Abfallprodukt aus der Papierherstellung, Eiweißdrinks aus Schweinefutter und Joghurt-Fruchtstücke aus Saftproduktionsabfall– keine Horrorvision, sondern gängige Praxis der Lebensmittelherstellung.

Die Panscherei mit Abfall ist nicht nur eklig, sondern gefährlich, wie der Dioxinskandal in Belgien zeigt. Das Dioxin war über Zusatzfette ins Hühnerfutter und so in die Eier gekommen. Nachforschungen der belgischen Staatsanwaltschaft förderten zutage, was in der Fettschmelze alles zusammengerührt wurde: Vergammeltes Fritierfett, Hydrauliköl aus Industriebetrieben und Fette, die von alten Schiffsrümpfen abgekratzt wurden.

Schutz der Verbraucher gegen die Panscher – null. In Deutschland ist weder ständige Prüfung noch genaue Kennzeichnung der Lebensmittel vorgesehen.

 

Hunger durch Überfluss: Der Getreidegigant Cargill

Mitte der 90er schätzte die UNO, dass 58 Millionen Lateinamerikaner an chronischem Hunger leiden.

1998 warnte UNICEF, daß die Unterernährung in einigen Teilen Südostasiens, vor allem in Thailand, Indonesien und Malaysia, Ausmaße erreicht habe, die sich nur mit Afrika vergleichen ließen.

Die Mitverantwortlichen dafür sitzen in den Zentralen von sieben Getreidekonzernen, von denen Cargill Incorporated der größte ist.

Grundlage von Cargills Macht ist eine massive Überproduktion von Getreide in den USA. Hier findet zwei Drittel der Weltgetreideproduktion statt. Diese Überproduktion ist direktes Ergebnis der Lobbyarbeit von Cargill und Co.: Auf Druck der Konzerne stellte die US-Regierung nach dem Krieg stückweise ihre Unterstützung für Farmer ein.

Um noch etwas zu verdienen mußten die US-Farmer ihre Produktion hochschrauben – die Preise verfielen.

Folge davon war nicht nur ein Bauernsterben in den USA, sondern einen ständiges Reservoir an spottbilligen Getreide, daß von den Getreidekonzernen aufgekauft wurde, um die Weltmärkte zu Dumpingpreisen zu fluten.

Die Folgen für die Dritte Welt sind katastrophal. Heimische Bauern gehen pleite, weil sie nicht gegen US-Getreide konkurrenzieren können. Jeder bankrotte Bauer in der Dritten Welt erhöht die Abhängigkeit des betreffenden Landes von Getreideimporten – das heißt von Cargill Inc., dessen erklärtes Ziel "das Weltgetreidemonopol ist".

Rudy Boschwitz, ehemaliger US-Senator von Minnesota sagte 1985 und kalr, warum es geht: "Wenn wir jetzt nicht unsere Getreidepreise senken, um diese entwicklungsländer davon abzuhalten, ein System der Selbstversorgung aufzubauen, dann wird unsere weltweite Wettbewerbsposition Einbußen hinnehmen müssen."

Hunger durch Überfluß, politisch gewollt und durch Konzerne wie Cargill umgesetzt – so verdient die Nahrungsmafia am Elend der Dritten Welt.

 

Kampf ums "Blaue Gold": Die Wasserkonzerne

Wasser ist lebensnotwendig – genau aus diesem Grund war die Grundversorgung mit Wasser lange Zeit dem Zugriff der Konzerne entzogen. Das hat sich in den letzten 20 Jahren gründlich geändert: Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) zwangen viele Drittwelt-Metropolen, ihre Wasserversorgung zu privatisieren. Ob in Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Jakarta oder Rio de Janeiro – überall mischen die drei maßgeblichen Wasserkonzerne, die um die Kontrolle des Weltwassermarktes kämpfen, kräftig mit: Neben den etablierten französischen Multis Vivendi und Suez-Lyonnaise versucht jetzt auch der deutsche Energiekonzern RWE seine Atomprofite im Wassermarkt anzulegen.

Die Folgen der Überstellung der Wasserversorgung an die Konzerne sind tiefgreifend und vor allem teuer für die Verbraucher. In Tschechien stiegen die Preise für privatisiertes Wasser von 1994-97 um 100,7 Prozent – das ist mehr als doppelt soviel wie der Landesdurchschnitt.

In Cochabamba, Bolivien versuchten Konzerne im Dezember 1999 eine Preiserhöhung von 70 Prozent durchzudrücken. Erst ein viermonatiger Aufstand mit Toten und Verletzten zwang die Wasserkonzerne zum Rücknahme der Erhöhung.

Dieselbe Privatiserungswelle rollt auch durch Deutschland. Aus Wasserhähnen in Rostock und Goslar fließt Privatwasser, Berlin und andere Städte sollen folgen. In Rostock erhöhte Eurawasser, eine Tochterfirma von Suez-Lyonnaise, 1995 die Trinkwasserpreise um 24 Prozent und die Abwasserpreise um 30 Prozent.

Das Treiben der Wasserkonzerne kann tödliche Folgen haben. In der Kleinstadt Walkerton in Kanada erkrankten von 5.000 Bewohnern 2.000 an einer Infektion mit dem E.coli-Bakterium. Sechs Menschen starben, Hunderte haben bleibende Nierenschäden. Der Grund für die Katastrophe: Die Wasserkontrolle war privatisiert wurden – der zuständige Konzern sparte an den Hygienefiltern.

 

Frankensteins Erben: Genfood von Monsanto und Novartis

Hinter dem Rücken der Verbraucher schaffen Biotechnologiekonzerne wie Monsanto oder Novartis Fakten. Über 40 Prozent aller Lebensmittel enthalten gentechnisch veränderte Bestandteile – ohne dass eine Kennzeichnung vonnöten wäre.

Dabei sind die Gefahren von Genfood weitreichend. In Australien entkam ein hochgradig gegen Nüsse allergischer Mann nur knapp dem Tod, nachdem er gentechnisch veränderten Mais aß. Dem Mais war ein Paranuss-Gen eingefügt worden, um ein bestimmtes Enzym zu produzieren.

Die weltweite Durchsetzung von gentechnisch veränderten Nutzpflanzen, das "Monopol auf die gesamte Nahrungskette vom Samen über Dünger bis zur Frucht" ist Monsantos erklärtes Ziel – die Herstellung totaler Abhängigkeit der Bauern vom Konzern der Weg.

Monsanto hat sogenannte "Terminator-Samen" entwickelt, die nach dem ersten Auskeimen steril werden. Testfeld für diese Samen ist Indien. Damit soll verhindert werden, was indische Bauern seit Jahrtausenden praktizieren, nämlich ein Teil der Ernte als Saatgut für das nächste Jahr zurückzuhalten. Stattdesen muß jedes Jahr neuer Samen bei Monsanto gekauft werden. Gentechnik als Waffe gegen die Dritte Welt – in ihrer Gier nach Profit schrecken die Konzerne vor nichts zurück.


von Stefan Bornost (E-Mail)




Linksruck Nr. 102, 1. Januar 1970





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