"Krieg gegen Terror" in Kolumbien: USA drängen zur Gewalt

Kolumbien stand kurz vor einem Blutbad, als der Präsident Andres Pastrana vor kurzem die Verhandlungen im langjährigen Bürgerkrieg für beendet erklärte. Die Gefahr eines erneuten Kriegs ist die direkte Folge der 1,3 Milliarden Dollar teuren US-Militärintervention "Plan Colombia" und von George W. Bushs sogenanntem "Krieg gegen den Terror".

Kriegstreiber Bush

US-Präsident George W. Bush leitete die härtere Gangart gegen die FARC ein, als er sie während des Bombardements gegen Afghanistan als "Terroristen" bezeichnete.

Gerade kürzlich, Mitte Januar, kam eine neue Lieferung der gefürchteten Kampfhubschrauber Black Hawk in Kolumbien an.

Dort wächst der Widerstand gegen die Regierungspläne, mit Unterstützung des IWF alles zu privatisieren – von Bildung und Gesundheit bis zur Wasserversorgung.

Aus Protest gegen die Privatisierung der kommunalen Versorgungsunternehmen besetzten Arbeiter in der Stadt Cali ihre Fabriken.

Für die Hilfsorganisation "Kampf gegen Not" ist der "Plan Colombia" "ein Versuch, die Profite der Konzerne zu sichern und die Bedingungen für zukünftige multinationale Ausbeutung in Kolumbien zu schaffen, was besonders im Lichte der vom IWF erzwungenen Wirtschaftsreformen bedeutend ist."

Die US-Regierung beschreibt Kolumbien, ebenso wie dessen Nachbarn Venezuela, Bolivien, Ecuador und Peru, als eine "Region, deren ökonomische Unterordnung notwendig für weltweite Vorherrschaft ist".

Ein Kompromiss in letzter Minute verlängerte die Verhandlungen zwischen Pastrana und der Guerilla bis zum 20. Januar. Das Ergebnis war zu Redaktionsschluss nicht bekannt. Bekannt ist, dass die meisten Medien in Deutschland behaupten, die kolumbianische Regierung werde von linken Guerillagruppen angegriffen. Diese seien Drogenbarone, und der "Plan Colombia" diene dazu, diese "Drogenterroristen" zu bekämpfen. Sie geben die Darstellungen der kolumbianischen und US-Regierung über die Ereignisse in dem südamerikanischen Land wieder.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Drogen spielen im kolumbianischen Bürgerkrieg eine große Rolle. Die größten Drogenhersteller sind aber das kolumbianische Militär, rechte Paramilitärs und Großgrundbesitzer mit Verbindungen zur Regierung und zu den USA.

Die wahre Absicht hinter dem "Plan Colombia" ist der Versuch der Regierungen der USA und Kolumbiens, jeglichen Widerstand gegen ihre neoliberale Wirtschaftspolitik zu zerschlagen und das Land für die multinationalen Konzerne zu öffnen.

Der Bürgerkrieg tobt schon seit über 30 Jahren. Seine Wurzeln liegen in der Ballung von Reichtum, Land und Macht in der Hand einer kleinen Elite.

Wer ist die FARC?

Mehrere ländliche Guerillagruppen, die politische und ökonomische Reformen fordern, bekämpfen seit vielen Jahren die Regierungstruppen. Die größte davon ist die FARC (Revolutionäre Bewaffnete Streitmacht Kolumbiens).

Die Regierung hatte vor drei Jahren Verhandlungen mit der FARC zugestimmt und der Guerillagruppe die Kontrolle über ein Gebiet von der Größe der Schweiz im Süden Kolumbiens übergeben.

Die Regierungen der USA und Kolumbiens behaupten, die FARC wäre in den Drogenhandel verstrickt.

Aber die US-Drogenbekämpfungsbehörde selbst musste vor zwei Jahren zugeben, dass "bisher kaum Hinweise für die Beteiligung der Aufständischen am Drogenhandel existieren".

Über 70 Prozent des Landes werden von drei Prozent der Bevölkerung kontrolliert. Ein Drittel der Kolumbianer leben unter der von der Weltbank definierten Armutsgrenze.

Über 35.000 Menschen starben im Bürgerkrieg und über 1,5 Millionen Menschen wurden vertrieben. Die US-Regierung gibt zu, dass die Armee und die rechten Paramilitärs 80 Prozent der Morde begangen haben.

Als die Menschen hofften, die Dinge durch Wahlen zu verändern, war das Ergebnis gewalttätige Unterdrückung. In den 80er-Jahren wurden Tausende Oppositionskandidaten und -aktivisten ermordet.

Rechte Todesschwadrone, unterstützt vom Militär, töten regelmäßig Gewerkschafter und Menschenrechtsaktivisten. Über 1.500 Gewerkschafter wurden in den letzten Jahren in Kolumbien ermordet.

Erzeugnis

Früher war das Haupterzeugnis der kleinen Bauern Kaffee.

Weltbank und IWF haben immer mehr Länder gedrängt, Kaffee anzubauen, um die Devisen für Schuldenrückzahlungen an die westlichen Banken zu erwirtschaften.

Die Weltmarktpreise für Kaffee sind eingebrochen, was die Kleinbauern ruiniert hat und ihnen keine andere Möglichkeit ließ, als Cocapflanzen anzubauen – der Rohstoff, aus dem Kokain produziert werden kann.

Die Drogenbarone, die von diesen Farmern leben, sind eng mit dem Militär und dem kolumbianischen und US–Staat verbunden. Laurie Hiatt, die Frau des US-Militärattachés für Kolumbien, wurde letztes Jahr beim Kokainschmuggel erwischt.

Ernestu Samper war bis vor Kurzem Kolumbiens Präsident. Er wurde vom berüchtigten Cali-Drogenkartell finanziert.


von Stefan Ziefle




Linksruck Nr. 122, 1. Januar 1970





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