Großbritannien: Die Wahrheit über Oldham

Am 7. Juni wird in Großbritannien gewählt. Während der britische Premier Blair von seinem "cool Britannia" schwärmt, explodierten in Oldham die größten Unruhen seit mehr als zwanzig Jahren. Wir drucken im folgenden einen Artikel aus unserer englischen Schwesterzeitung Socialist Worker.

Die Zusammenstöße über die Feiertage hatten nichts mit "Gesetzlosigkeit" oder "Hooligantum" zu tun.

Sie waren eine Revolte asiatischer Jugendlicher gegen bösartigen Rassismus.

Die Rassisten organisieren sich unter vielen Bannern der Nationalen Front (NF), der Britisch Nationalen Partei (BNP), Combat 18.

Aber ihr Ziel ist klar der Versuch, durch gewalttätige Übergriffe auf schwarze und asiatische Menschen eine multikulturelle Gesellschaft in Stücke zu reißen.

Die vollen Auswirkungen der rassistischen Hetze im Wahlkampf werden jetzt spürbar.

Politiker wie der Vorsitzende der Tories, William Hague, und der Labour-Innenminister Jack Straw, haben die rassistische Stimmug angeheizt, indem sie Flüchtlinge aufs Korn nahmen.

Die Nazis sind Würmer, die dann herauskriechen, wenn es genug für sie zu Fressen gibt.

Genau das haben sie letzten Samstag in Oldham getan, nachdem sie schon monatelang versucht hatten, Spannungen in der Stadt zu provozieren.

Das ist Teil ihrer "Wahlkampfstrategie". Die BNP hat für die Parlamentswahlen drei Kandidaten in der Region aufgestellt, einschließlich ihres Vorsitzenden Nick Griffin.

Sie versuchen, die Verzweiflung der Menschen über ihre Armut in den Hass auf Menschen anderer Hautfarbe umzumünzen. In Oldham liegt die Arbeitslosenrate bei zehn Prozent.

Am Samstag machte sich eine Bande von zehn bis fünfzehn Rassisten auf den Weg in den Stadtteil Clarksfield, gleich in der Nähe des hauptsächlich asiatischen Stadtteils Glodwick.

Sie jagten asiatische Kinder durch die Straßen.

"Einer Schwangeren Frau wurde in den Magen getreten.", berichtet Hafi, ein asiatischer Anwohner. "Als sie die Polizei zu Hilfe holen wollte, kam niemand. Sie versteckte sich in ihrem Haus, während die Nazis die Fensterscheiben zerschlugen, und versuchten, die Tür aufzubrechen."

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Godwick. Die Menschen strömten auf die Straße, um ihre Gemeinde zu verteidigen. Wer hätte es sonst getan?

Zu diesem Zeitpunkt tauchte die Polizei schließlich auf.

Sie verhaftete zwei Asiaten, die versuchten, das Viertel vor den Rassisten zu verteidigen.

Vertreter der asiatischen Gemeinde baten die Polizisten inständig, die Nazis zu verhaften. Aber sie weigerten sich. Die Gemeinde explodierte.

"Die Polizei hat uns nicht beschützt.", verrieten asiatische Jugendliche Socialist Worker. "Die Leute hier haben die Schnauze voll. Die Polizei hat die Faschisten die ganze Zeit verteidigt. Sie hat ihnen in Oldham freie Hand gelassen. Auch die Polizei ist rassistisch. Deswegen haben wir sie bekämpft."

Toni Blair hatte nichts besseres zu tun, als die Polizei von Oldham zu verteidigen. Unglaublicherweise sagte er: "Es ist Tatsache, dass die Polizei in Ausländerfragen eine positive Bilanz hat."




Linksruck Nr. 110, 1. Januar 1970





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