Pinochet - Endlich Gerechtigkeit schaffen!

Es ist noch nicht lange her, da führten die Herrschenden einen Krieg im Kosovo. Aus "humanitären Gründen" hieß es, denn ein Diktator wie Milosevic dürfe nicht ungestraft Morden und Foltern. Reichlich Erfahrung im Morden und Foltern hat der chilenische Ex-Diktator und Mörder Pinochet. Der saß seit 1998 in Untersuchungshaft und wurde jetzt freigelassen, mit der Begründung, er sei zu krank und zu schwach für einen Prozeß

Eine Unverschämtheit: Auf der einen Seite wird von Menschenrechten gesprochen, die es zu schützen gilt und auf der anderen Seite läßt man einen Mann davonkommen, der jahrelang die Menschenrechte mit Füßen getreten hat.

Zudem kann von Krankheit und Schwäche kaum die Rede sein. Denn Pinochet, der sich sofort auf den Weg in seine Heimat Chile machte, "(...)betrat das Flugzeug als ein gebrochener, kranker, alter Mann. Doch während der Flugstunden wurde er zusehends gesünder." Dieses erzählt die Tochter des Diktators.

Und tatsächlich: Kaum war Pinochet auf chilenischem Boden gelandet, stand er aus seinem Rollstuhl auf und schwenkte seinen Krückstock vor Freude darüber, daß ihn das chilenische Militär "wie früher" begrüßte.

Wir erinnern uns: Früher, vor fast 25 Jahren wurde die damalige sozialistische Regierung durch einen militärischen Putsch aufgelöst.

Pinochet übernahm die Macht und baute in Chile eine Militärdikatur auf. Tausende wurden auf seinen Befehl ermordet. Hunderttausende eingesperrt und gefoltert.

Interessen

Was Pinochet von Hussein und Milosevic unterscheidet er handelte immer im Interesse der westlichen Mächte, indem er zum Beispiel US-Investitionen schützte, englische Waffen kaufte und sich von deutschen Wirtschaftsberatern helfen ließ. Dies brachte ihm das Wohlwollen des Westens ein.

1990 wurde Pinochet entmachtet und 1998 wegen seiner Verbrechen in London verhaftet.

Doch wer auf Gerechtigkeit gehofft hatte, wurde enttäuscht. Immer wieder wurde ein Prozeß gegen den Verbrecher aufgeschoben.

Nun ist er frei. Und während der alte Diktator in Frieden lebt, gibt es keine Gerechtigkeit für die Familien derer, die unter Pinochets Regime ermordet, gefoltert und vertrieben wurden.

Gipfel

Während die Herrschenden ihren "alten Freund" also ziehen lassen, müssen die Steuerzahler auch noch Bluten, denn der englische Staat muß für etwa 1,6 Millionen Pfund Anwaltskosten aufkommen. Der chilenische Staat zahlt derweil die Kosten für Pinochets Aufenthalt in einem 50 Quadratmeter großen Luxuszimmer in einer privaten Klinik.

Bringt Pinochet endlich hinter Gitter und laßt ihn für seine Verbrechen zahlen!


von Merle Paulsen




Linksruck Nr. 84, 1. Januar 1970





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