Afghanistan: Bundeswehr sichert Drogenbosse

Unter den Augen zehntausender Besatzungssoldaten, auch aus Deutschland, profitieren in Afghanistan Kriegsfürsten und Regierungsbeamte von der Produktion und dem Export von Opium.

Opium für den Krieg


Die US-Regierung hat in den 80ern zusammen mit Pakistan und Saudi-Arabien den Schlafmohnanbau in Afghanistan vorangetrieben. Die USA haben damals Stammesfürsten beim Krieg gegen die Zentralregierung und die Sowjetunion unterstützt. Diese Kriegsherren haben ihre Armeen mit dem Opiumhandel finanziert und deshalb den Schlafmohnanbau massiv ausgeweitet.
Seit dem Sturz der Taliban 2001 und die Besetzung Afghanistans durch die NATO kämpfen die Kriegsherren erneut um Anbauflächen und Einfluss auf die Zentralregierung: Letztes Jahr wurden in 28 der 32 Provinzen Afghanistans Schlafmohn angebaut. 1999 gab es Schlafmohn nur in 18 Provinzen. Mit einer Rekordernte von 3.600 Tonnen Schlafmohn, aus dessen Kapseln Opium gewonnen wird, kamen letztes Jahr über zwei Drittel des weltweit gehandelten Opiums aus Afghanistan.
In der afghanischen Provinzhauptstadt Kunduz, einem der Hauptumschlagplätze für Opium in Nordafghanistan, sind deutsche Truppen stationiert. Sie arbeiten mit den dortigen Kriegsfürsten zusammen, die ihre Privatarmeen mit dem Opiumhandel finanzieren.
Antonio Maria Costas, Chef des UN-Büros gegen Drogen und Kriminalität hat Anfang Februar bei der Internationalen Drogenkonferenz in Kabul gesagt, Afghanistan befände sich an der Schwelle zu einem "Drogenstaat". Die Drogenbosse sitzen in den Provinzverwaltungen und sogar in der Zentralregierung. Dadurch kontrollieren die Bosse Polizei und Justiz.
Wie fast alle Kleinbauern in der Gegend baut auch Ali auf seinem Feld hinter seinem Lehmhaus im Bergdorf Kwaa Ghaar in Nordostafghanistan Schlafmohn an.
Letztes Jahr hat er sieben Kilo Opium geerntet. "Was sollen wir denn machen? Wenn wir Weizen oder Mais anbauen, kriegen wir kein Geld auf dem Markt. Selbst wenn ich 100 Kilo Weizen ernte und verkaufe, bringt das meine Familie nicht über den Winter. Wir sind gezwungen, Schlafmohn anzubauen." Ali hat für die sieben Kilo 1.650 Euro bekommen.
Als die Journalistin Sandra Petersmann ihm erzählt, dass aus sieben Kilo Opium 700 Gramm Heroin destilliert werden, wofür die Drogenbarone 70.000 Euro kassieren, zuckt er nur mit den Schultern. "Wenn du Hunger hast, machst du alles, was nötig ist, um ein Stück Brot zu kriegen."
Britische Truppen haben begonnen, Schlafmohnfelder abzubrennen und fordern gleiches auch von der deutschen Armee. Tausende verarmter Bauern würden dadurch ihrer Lebensgrundlage beraubt und weiter in die Verschuldung getrieben.
Viele mussten von den Kriegsfürsten schon Kredite aufnehmen. Von den Regierungen der NATO-Besatzer bekommen die Bauern weder eine finanzielle Entschädigung für die Zerstörung ihrer Felder noch Saatgut oder Dünger.
Die durch 20 Jahre Bürgerkrieg zerstörten Bewässerungsanlagen werden auch von der jetzigen Regierung nicht repariert.
Auch die Internationale Drogenkonferenz beschloss keine entsprechenden Maßnahmen. Ebenso wenig die Finanzminister der sieben mächtigsten Industriestaaten bei ihrem Treffen Anfang Februar.
Dabei würde ein Bruchteil der Milliarden, die jedes Jahr weltweit für die Verfolgung von Drogenkranken durch Polizei und Justiz ausgegeben werden, ausreichen, um Bauern zu entschädigen, wenn sie auf den Anbau von Schlafmohn verzichten.
Doch die Bekämpfung der Armut war auf dem Treffen der Minister kein Thema. Vielmehr soll Geld fließen, "um Afghanistan beim beschleunigten Aufbau einer dynamischen Marktwirtschaft" zu helfen.
Dem ehemaligen US-Finanzminster O’Neill lag dabei schon vor einem Jahr der Bau eines Fünf-Sterne-Hotels in Kabul besonders am Herzen. Das sei "eine nützliche Ergänzung der Wirtschaft".

von Irmgard Wurdack (E-Mail)




Linksruck Nr. 171, 1. Januar 1970





Dieser Artikel kommt von Linksruck
http://www.linksruck.de