Vergewaltigung, Pornografie und Kapitalismus

Gewalt gegen Frauen war in den letzten 15 Jahren ein immer wiederkehrendes politisches Thema. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens spiegelt es den Sexismus wider, den alle Frauen täglich erleben, und die Gewalt und Vergewaltigungen, welche eine Minderheit von Frauen erleidet. Zweitens ist es ein Ergebnis der zunehmenden Beschäftigung der Frauenbewegung mit männlicher Gewalt. Schließlich jedoch ist es eine Widerspiegelung der Veränderungen in der Sexualität und der Position von Frauen in der spätkapitalistischen Gesellschaft.

Die Forderung von Frauen, ihre Sexualität selbst kontrollieren zu können, ging einher mit ihrer zunehmend zentralen ökonomischen Rolle als Lohnarbeiterinnen. Die Unzufriedenheit vieler Frauen über den Missbrauch ihrer Körper – sei es in der Werbung, Pornografie oder bei sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung – steht im Widerspruch zu der gesellschaftlichen Erwartung, dass sie die Last der Familie bereitwillig als Ehefrauen, Liebhaberinnen und Mütter tragen, während sie sich ihren Ehemännern oder Liebhabern unterordnen sollen. Diese Unzufriedenheit steht auch im Widerspruch zu einer Gesellschaft, die erfolgreiche persönliche Beziehungen zwischen Männern und Frauen an der Frage von Sex misst. Und schließlich steht sie im Widerspruch zu einer Gesellschaft, in der Sexualität als Ware gekauft und verkauft oder benutzt wird, um andere Güter zu kaufen und verkaufen.

Susan Brownmiller schrieb 1975 Against Our Will, ein Buch, das großen Einfluss auf die Feministinnen hatte. In vieler Hinsicht bestimmt dieses Buch den Diskussionsstrang zu Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen. Es spiegelte die Stärke des radikalen Feminismus innerhalb der US-Frauenbewegung wider, eine Strömung, die die Frauenunterdrückung in Begriffen von persönlichen Beziehungen zwischen Männern und Frauen theoretisierte und dabei die männliche Gewalt gegen Frauen stark betonte. Solche Ideen stützten sich häufig auf die angebliche menschliche Biologie. Brownmiller argumentiert, dass der Sexualakt selbst der Schlüssel zum Verständnis der männlichen Dominanz sei:

Die strukturelle Fähigkeit der Männer zu vergewaltigen, und die korrespondierende strukturelle Verwundbarkeit der Frauen sind für die Physiologie beider Geschlechter so grundlegend wie der ursprüngliche Sexualakt selbst. [1]

Brownmiller glaubt:

Die Entdeckung des Mannes, dass seine Genitalien als Waffe dienen konnten, um Angst zu erzeugen, ist eine der wichtigsten Entdeckungen in prähistorischen Zeiten gewesen, neben der Benutzung von Feuer und der ersten groben Steinaxt. Von prähistorischen Zeiten bis heute, so glaube ich, hat Vergewaltigung eine kritische Funktion gehabt. Sie ist nicht mehr und nicht weniger als ein bewusster Prozess der Einschüchterung, durch den alle Männer alle Frauen in einem Zustand der Angst halten. [2]

Nach dieser theoretischen Vorgabe schienen spätere Arbeiten aus Vergewaltigungs-Krisenzentren Brownmillers Analyse zu bestätigen. Das erste Vergewaltigungs-Krisenzentrum wurde in Großbritannien 1975 eröffnet. 1981 gab es sechszehn. Die Berichte, die Frauen diesen Zentren lieferten, machten deutlich, dass Vergewaltigung viel verbreiteter war, als die Kriminalstatistiken enthüllten. Die Mehrheit der Frauen, die vergewaltigt wurden, zeigten dies aus den verschiedensten Gründen der Polizei nicht an. [3] Viele Frauen kamen auf Grund dieser Forschungsarbeiten zu dem Ergebnis, dass alle Männer potenzielle Vergewaltiger sind. Das folgende Zitat aus dem Bericht des Londoner Vergewaltigungs-Krisenzentrums von 1984, Sexual Violence – The Reality for Women, zeigt eine typische Schlussfolgerung, die sie zogen:

Der größte Mythos von allen ist der, der uns erzählt, dass Vergewaltigung eine Anomalie des emotionalen, sexuellen und physischen Verhaltens von Männern in ihrer Beziehung zu Frauen ist. Unsere Erfahrungen während der letzten acht Jahre haben gezeigt, dass Vergewaltigung das extreme und logische Ende dieser Beziehung ist. [4]

Aus einer richtigen Einsicht, dass Vergewaltigung aus der Struktur der männlichen Beziehungen zu Frauen resultiert, schließen viele Frauen, dass jedes männliche Verhalten einer Vergewaltigung gleichkommt. In demselben Bericht gibt es eine gefährliche Tendenz, jede Art sexistischen Verhaltens in die Definition von Vergewaltigung mit einzubeziehen:

Vergewaltigung ist nicht beschränkt auf das gewaltsame Eindringen eines männlichen Penis in die Vagina einer Frau. Sie umfasst alle sexuellen Übergriffe, verbale wie physische, die wir täglich im Kontakt mit Männer erleiden. Diese reichen von „angetatscht“ oder „angemacht“ zu werden bis zum brutalen sexuellen Angriff mit Gegenständen. In unserem ganzen Buch verwenden wir das Wort „Vergewaltigung“, um jede Art von sexuellem Angriff zu beschreiben. [5]

So gesehen müssen alle Männer Vergewaltiger sein, weil es kaum einen Mann gibt, der nicht zu irgendeinem Zeitpunkt eine Frau angemacht hätte. Bedauerlicherweise gibt es dieses Abgleiten in die Idee, alle Formen männlichen Verhaltens als Vergewaltigung zu betrachten, auch unter Sozialisten. Ken Livingstone zum Beispiel hat neulich gesagt: „Jede neuere bedeutende Studie zur Psychologie von Vergewaltigern zeigt, dass es keinen messbaren Unterschied zwischen den Vergewaltigern und Männern im Allgemeinen gibt.“ [6] Es ist eine Sache zu sagen, Vergewaltigung sei das Ergebnis einer bestimmten Sozialisation, etwas anderes ist es jedoch zu argumentieren, dass männliches sexuelles Verhalten einer Vergewaltigung gleichkommt. Es ist gefährlich, weil es die Vergewaltigung ihrer Besonderheit beraubt und weil sie, obwohl Vergewaltigung viel verbreiteter ist als die Statistiken aufdecken, nach wie vor zur Erfahrung einer Minderheit von Frauen gehört. Die überwiegende Mehrheit von Männern vergewaltigt nicht, wie eine ganze Reihe von Studien gezeigt haben. [7]

Der Zweck dieses Artikels ist zu zeigen, dass Vergewaltigung und sexuelle Gewalt nicht Teil der gesamten Menschheitsgeschichte sind, und dass es möglich ist, die heutigen Muster sexueller Gewalt aus der Entwicklung der spätkapitalistischen Gesellschaft zu erklären.

 

 

Hat männliche Gewalt immer existiert?

Es gibt die weit verbreitete Ansicht, dass männliche Gewalt schon immer existiert hat. Sie ist der Grundstein, auf den radikale Feministinnen ihre Sicht der Frauenunterdrückung stützen. Andrea Dworkin, Autorin vieler Bücher zum Thema Gewalt gegen Frauen, schreibt:

Die intime Welt von Männern und Frauen unterscheidet sich Mitte des 20. Jahrhunderts nicht von irgendeinem anderen Jahrhundert. Es gibt die alten Werte, Frauen sind zum Nehmen da, die Mittel des Nehmens bestimmt das männliche Geschlecht. Es ist altertümlich und modern; es ist Höhlenmensch und Astronaut, agrarisch und industriell, städtisch und ländlich. Das Recht, Frauen zu missbrauchen, ist für Männer elementar, das erste Prinzip, ohne Anfang, es sei denn, man ist bereit, die Ursprünge zu Gott zurückzuverfolgen, und kein glaubhaftes Ende ist in Sicht. [8]

Die Idee, dass die menschliche Natur gewalttätig und unveränderlich sei, ist Teil des „Common Sense“ [gesunden Menschenverstands] der Rechten, aber unter dem Einfluss der Frauenbewegung hat sie sich auch unter den Linken weit verbreitet. Die ganze Kampagne in den frühen 1980ern gegen die Stationierung von Cruise Missiles in Greenham Common wurde von Frauen geführt, weil, wie viele argumentierten, alle Männer gewalttätig und kriegerisch seien. Eine der Hauptparolen der Kampagne war: „Take the toys from the boys!“ [Nehmt den Jungs das Spielzeug weg!] Deshalb ist es wichtig zu zeigen, dass Gewalt kein fester Bestandteil der menschlichen Natur ist, dass Beziehungen zwischen Männern und Frauen nicht immer von Gewalt und Ungleichheit bestimmt waren, und dass sie sozialen Veränderungen unterworfen sind.

Um die Natur der menschlichen Gesellschaft zu verstehen, begannen Marx und Engels die Organisation von Produktion und Reproduktion im menschlichen Leben zu untersuchen. Die frühesten Formen menschlicher Gesellschaft waren relativ kleine Gruppen, die durch eine Kombination aus Wildjagd und dem Sammeln von Früchten und Wurzeln überlebten. Von Anfang an waren Menschen von sozialer Organisation abhängig – sie schlossen sich mit anderen Menschen zusammen, um die Versorgung mit Nahrung, Unterkunft und ähnlichem zu sichern. Mit anderen Worten waren Menschen von Anfang an soziale Wesen, keine autonomen Subjekte, die irgendwann aufeinander stießen und dann begannen, eine menschliche Gesellschaft aufzubauen.

Die ganze menschliche Entwicklung lässt sich nachvollziehen, indem die Methoden, Werkzeuge und Techniken untersucht werden, welche Männer und Frauen benutzten, um ihre Existenz zu sichern. Diese Mittel formen die Entwicklung des menschlichen Verhaltens und die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit. Engels schrieb, indem er sich auf die verfügbaren anthropologischen Erkenntnisse seiner Zeit stützte, das Buch Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, in welchem er umriss, wie die menschliche Gesellschaft sich durch wesentliche Änderungen in den Produktionstechniken selbst verändert. Besonders wichtig ist hier das Argument Engels’, dass nur mit der Möglichkeit, einen Überschuss an Nahrungsmitteln zu produzieren, die Gesellschaft in der Lage war, eine Minderheit von Menschen zu unterhalten, die frei von der Plackerei der täglichen produktiven Arbeit war. Dies schuf die Möglichkeit (und Notwendigkeit) für die Entstehung einer Klassengesellschaft, welche sich auf die Unterordnung der Mehrheit unter die Minderheit stützte.

Der Übergang zu einer Gesellschaft, die sich auf Klassen und Ausbeutung gründete, führte auch zu tief greifenden Veränderungen in der bisherigen egalitären Lebensweise. Die Minderheit konnte ihre Vorherrschaft nur durch die Kontrolle über die Produktion des Mehrprodukts aufrechterhalten. Dies erforderte bewaffnete Macht – den Staat – und die Vererbung durch die Familie. An Vererbung war Monogamie und eine Intensivierung der Anstrengungen, Kinder aufzuziehen, geknüpft. Dies wiederum bedeutete die Unterwerfung der Frauen.

Seit Engels haben eine Vielzahl von Marxisten und feministischen Anthropologen neuere Studien über Jäger- und Sammlergesellschaften benutzt, um den Kern seines Arguments zu untermauern. Solche Studien ermöglichen es zu schlussfolgern, dass es eine Reihe wichtiger Merkmale der frühesten Formen menschlicher Gesellschaft gibt, die zeigen, dass Brownmillers und Dworkins Glaube an die ewige Existenz männlicher Gewalt völlig falsch ist. Erstens basierten die Jäger- und Sammlergesellschaften auf einer nach Geschlechtern bestimmten Arbeitsteilung, in der Männer und Frauen zur Sicherung der Existenz kooperierten. Die geschlechtliche Arbeitsteilung war egalitär, geformt von den Notwendigkeiten, und variierte je nach Lebensraum. Sie wurde nicht von männlicher Macht diktiert. Die Arbeit von Frauen und Männern war gleichermaßen wesentlich, zum Überleben erforderliche Nahrung zu beschaffen.

Zum Beispiel gab es bei den Kung! in der Kalahariwüste eine klare abgegrenzte Arbeitsteilung, wenn es um die Beschaffung von Nahrung ging – nur die Männer jagten, und nur die Frauen sammelten. Aber Frauen mussten dazu lange Strecken zurücklegen und zeitweilig ebenso wie Männer der Gruppe fern sein. Die Frauen versorgten die Gruppe nicht nur mit wichtiger Nahrung, sondern lieferten ihren Männern auch wesentliche Informationen über den Wildwechsel. Im Gegensatz dazu war die geschlechtliche Arbeitsteilung bei den Mbutipygmäen, die in relativ üppigen Regenwäldern mit Kleinwild und einem Übermaß an Früchten lebten, viel weniger ausgeprägt. Männer und Frauen gingen gemeinsam auf die Jagd.

Die Jäger- und Sammlergemeinschaft ist vom kollektiven Beitrag aller abhängig, deshalb werden Entscheidungen, die die Gruppe betreffen, kollektiv getroffen. Soweit den Meinungen Einzelner größeres Gewicht beigemessen wird, ist dies entweder ein Ergebnis ihrer größeren Erfahrung, Geschicklichkeit oder, im Falle der Mbuti, der auf Grund des Alters angeeigneten größeren Weisheit.

Andere Merkmale solcher Gruppen sind ihre geringe Größe, in der jeder in der Gruppe jeden kennt. Es gibt keinen Unterschied zwischen öffentlicher und privater Sphäre, so dass jede Art von Verkehr zwischen Menschen in Hör- und Sichtweite der anderen Gruppenmitglieder stattfindet. Diese Merkmale von Jäger- und Sammlergesellschaften fördern die Sozialisation von Männern, Frauen und Kindern auf der Grundlage egalitärer, kooperativer Prinzipien, frei von zwischenmenschlicher Gewalt.

Ähnliches berichten Eleanor Leacock in Myths of Male Dominance [9] und Colin Turnbull in The Wayward Servant [10] von der Sozialisation von Männern, Frauen und Kindern. Die Anerkennung des Rechts von Kindern, die Rolle des anderen Geschlechts zu wählen, scheint in den Stämmen der nordamerikanischen Indianer fest verankert gewesen zu sein. [11]

Es geht hier nicht darum, mit der Beschreibung der Lebensweise noch existierender Jäger- und Sammlergemeinschaften ein glorifizierendes Bild eines verlorenen Paradieses zu zeichnen. Gezeigt werden soll, dass die Mittel, mit denen die Menschen ihre Nahrung bekommen – die ökonomische Organisation der Gesellschaft -, die Beziehungen zwischen den Menschen formt und damit ihr persönliches Verhalten gegenüber den anderen. Solche Gruppen zeigen eindeutig, dass Gleichheit zwischen Menschen, und deshalb Männern und Frauen, möglich und verwurzelt ist in dem autonomen, aber gleichermaßen wichtigen Beitrag, der von beiden Geschlechtern zur Ökonomie der Gruppe geleistet wird. Es zeigt auch, dass wirtschaftliche Kooperation zu sozialer Kooperation führt und damit Gewalt zwischen Erwachsenen und zwischen Erwachsenen und Kindern ausgeschlossen ist. Das Leben solcher Gemeinschaften mag hart sein, aber sie sind frei von sexueller Unterdrückung. [12]

Der Übergang von relativ egalitären Gesellschaften zu voll ausgebildeten Klassengesellschaften illustriert, wie die Unterordnung von Frauen an die Unterordnung der Mehrheit gebunden ist. In ihrem Artikel Die Staatsbildung in Sumer und die Unterwerfung der Frauen [13] argumentiert Ruby Rohrlich, dass der Anstoß für die Stadt Sumer, ein Reich zu bilden, aus der Konkurrenz zwischen den Städten um die Kontrolle der Handelsrouten und entfernte Versorgungsquellen resultierte.

Der entscheidende Wendepunkt kam mit der Etablierung des Reichs und der Festigung einer herrschenden Klasse, die alle vorherigen egalitären Verwandtschaftsstrukturen zerstörte, Frauen aus ihren anerkannten Tätigkeiten vertrieb und einen zentralisierten Staat schuf, der Gesetze erließ und die patriarchale Familie festschrieb. Der Schlüssel zur männlichen Dominanz war militärisches Können. Erst wenn der Kampf ein systematisches Element einer Gesellschaft wird, werden die reproduktiven Fähigkeiten der Frauen zu einem Handicap.

Der früheste Gesetzestext, den wir kennen, ist der von Urakagina, der den militärischen Kampf um das Königreich gewann. Seine Edikte schützten das Eigentum der herrschenden Eite, regulierten den Status und das Verhalten in Klassen- und Geschlechterhierarchien, schrieben die Monogamie für Frauen vor und erklärten Ehebruch der Frauen zum Verbrechen, das mit dem Tod bestraft wurde. Jeder Widerstand von Frauen gegen diesen Verlust ihrer Autonomie wurde mit physischer Verstümmelung geahndet. „Der Frau, die dabei erwischt wird, etwas zu einem Mann zu sagen, das sie nicht hätte sagen dürfen, müssen die Zähne mit gebrannten Steinen, auf denen ihre Schuldtaten eingemeißelt wurden, ausgeschlagen werden.“ [14] Innerhalb weniger Generationen war dies in Hammurabis Gesetzessammlung weiter festgeschrieben worden, die „im Großen und Ganzen schwerere Strafen für bestimmte Straftaten, besonders Straftaten gegen die geheiligten Familienbeziehungen“ vorsah. [15] Die Existenz von Vorkehrungen für die Bestrafung von Frauen zeigt, dass einerseits die Frauen sich ihrer Unterordnung widersetzten, andererseits Zwang notwendig war, diesen Widerstand zu brechen. Wenn Frauen immer Männern untergeordnet gewesen wären, hätte es solcher Sanktionen nicht bedurft.

Rohrlichs Aufzeichnung zeigt, wie die Festigung der Klassengesellschaft mit der Bildung des Staats einherging, der Unterordnung von Frauen durch die Familie und wie dies dann durch Gesetze erzwungen wurde. Demnach steht, gemäß dieser Darstellung, der historische Prozess, der schließlich die Unterdrückung der Frauen mit sich brachte, in vollständigem Kontrast zu Brownmillers Darstellung, in der Hammurabis Gesetzessammlung benutzt wird um zu argumentieren, dass Frauenunterdrückung immer existiert hat. [16] Wenn wir beweisen können, dass es Gesellschaften ohne Vergewaltigung und Gewalt gab, dann ist es möglich, die pessimistische Weltsicht von Dworkin, Brownmiller und anderen, dass unabhängig von gesellschaftlichen Veränderungen die Beziehungen zwischen den Geschlechtern immer gleich bleiben, vollständig zurückzuweisen.

Peggy Sanday, die in den USA gesammelte ethnografische Daten über 150 verschiedene Gesellschaften seit dem 6. Jahrhundert v.Chr. bis heute ausgewertet hat, zieht folgenden Schluss:

Das Konzept, nach dem Beziehungen zwischen den Geschlechtern strukturiert sind, kann wie folgt eingeteilt werden: Entweder sind die Geschlechter verschmolzen oder sie sind getrennt; die Entscheidungsgewalt ist entweder beiden Geschlechtern verliehen, oder sie wird von einem Geschlecht dominiert. Geschlechterrollen sind kulturell, nicht biologisch. Das bedeutet, dass sie nicht aus den menschlichen Genen abgeleitet sind, sondern aus den historischen und politischen Umständen, in denen sich Menschen befinden, wenn sie gezwungen sind, mit ihrer Umgebung und sich selbst als sozialer Einheit klar zu kommen. Wenn Geschlechterrollenkonzepte aus der menschlichen biologischen Struktur abgeleitet wären, könnten wir nicht solch eine Bandbreite von Konzepten, wie sie nun mal existieren, vorfinden. [17]

Sandays Untersuchung führte sie zu der Schlussfolgerung, dass in 40 Prozent der Gesellschaften eine, wie sie es nannte, mythische männliche Dominanz existierte – es gab männliche Aggression, aber Frauen hatten wirtschaftliche und politische Macht. In 28 Prozent aller Fälle gab es männliche Aggression und Frauen waren vollständig von jeglicher Form von Machtausübung ausgeschlossen, und in 33 Prozent gab es keine männliche Aggression und Frauen hatten wirtschaftliche und politische Macht. Außerdem zeigt Sandays Studie, wie die Gesellschaften die sexuellen Identitäten und Verhaltensweisen formten:

Weil das Konzept, welches das Verhalten beider Geschlechter im Alltagsleben bestimmt, Teil der Grundlage einer Volkskultur von Generation zu Generation ist, vermittelt es Prinzipien für Geschlechterrollen. Menschliche Wesen erfinden keine neuen Pfade für Männer und Frauen, um ihnen von einer Generation zur nächsten zu folgen. Vielmehr sind junge Menschen unerbittlich an den sexuellen Lebensstil ihrer Eltern gebunden. Egal, wie sehr sie versuchen, anders zu sein, junge Männer und Frauen erfahren letztendlich den Gezeitensog ihrer Kultur und Geschichte. Diese Konzepte sind Veränderungen nur dann unterworfen, wenn eine traditionelle Volkskultur durch zwingende Umwelt- und soziale Anforderungen erschüttert wurde. Wenn dies geschieht, wird entweder ein neuer Code für soziale Identität formuliert, oder ein Volk stirbt als soziale Einheit aus. Es ist nicht ungewöhnlich, in neu formulierten sozialen Codes neue Formen sozialer Identitäten und ein verändertes Geschlechterrollenkonzept zu finden. [18]

Es gibt noch eine Theorie zu Vergewaltigung, mit der wir uns beschäftigen müssen, ehe wir zu den wirklichen Ursachen kommen. Es gibt einen Trend in der Soziobiologie, der behauptet, dass das einzige Mittel, mit dem ein Teil der Männer sich selbst fortpflanzen konnte, die Vergewaltigung war. Unfähig Frauen anzuziehen, greifen solche Männer zur Gewalt. Es gibt eine Reihe von Argumenten dagegen. Es erklärt nicht die verschiedenen Arten von Vergewaltigung, die von Kriegsführung über das Recht der ersten Nacht bis zu Vergewaltigung in der Ehe (selbst wenn es schon Kinder gibt) reichen, um nur einige zu nennen. Da sehr wenige Frauen durch Vergewaltigung schwanger werden, scheint es außerdem eine außerordentlich ungeeignete Methode zu sein, die Spezies fortzupflanzen. Zudem leiden Vergewaltiger offensichtlich unter einer hohen Rate sexueller Dysfunktionen – Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten, zu ejakulieren und das Gegenteil, zu früh zu ejakulieren. [19] Diese soziobiologische Auffassung von Vergewaltigung ist völlig unhistorisch, sie betrachtet sie über die Zeitspannen und die verschiedenen Gesellschaften hinweg als unveränderlich.

Wir können getrost schlussfolgern, dass Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen weder universelle Muster der menschlichen Gesellschaft sind noch einfach ein Produkt der männlichen Biologie. Außerdem ist die Erfahrung von Klassenausbeutung, Ungleichheit und systematischer Gewalt – einschließlich der Gewalt gegen Frauen – eine sehr späte Entwicklung in der menschlichen Gesellschaft, da in etwa 90 Prozent der Zeit, in denen es die menschliche Gesellschaft gab, Vorklassengesellschaften bestanden. Wie Chris Harman sagte: „Wenn es eine ,biologische’ menschliche Natur gibt, müssen ihre Muster in dieser Periode festgelegt worden sein.“ [20] Mit anderen Worten, im Zusammenhang von Kooperation und Gewaltlosigkeit. Es heißt auch, dass jedes Verstehen von Vergewaltigung, Pornografie und Gewalt gegen Frauen von der historischen Analyse bestimmter Gesellschaften ausgehen muss, nicht von der großen Verallgemeinerung einer menschlichen Natur.

 

 

Kapitalismus und Sexualität

Die Entwicklung der modernen kapitalistischen Gesellschaft hat für das persönliche und das Arbeitsleben der Menschen enorme Veränderungen gebracht. Der Kapitalismus hat nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Familie, der Institution, in der wir alle aufwuchsen, umstrukturiert. Die Entwicklung des Fabriksystems in der Produktion führte zur vollständigen Separation zwischen Arbeit und Familie. Für die herrschende Klasse blieb die Familie ein wesentlicher Mechanismus, durch den sie Macht und Wohlstand kontrollieren konnte. Aber für die Arbeiterklasse hörte die Familie auf, eine produktive Einheit zu sein.

Die Grundlage für die Heirat lag deshalb nicht mehr in der Suche nach einem guten starken Arbeitspartner, sondern begann sich auf gegenseitige Anziehung zu stützen oder, wie Engels es nannte, „individuelle Geschlechterliebe“. In modernen kapitalistischen Gesellschaften werden Ehen und die entsprechende eheänliche Partnerschaft zwischen Männern und Frauen frei auf der Grundlage gegenseitiger Anziehung eingegangen. Obwohl sie freiwillig eingegangen werden, wird das Leben von Männern und Frauen durch die Familie strukturiert, deren Basis die privatisierte Reproduktion der Arbeitskraft und nicht die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse ist. Die Familie formt die Unterdrückung von Frauen und erhält sie ebenfalls aufrecht, weil sie die Hauptlast des Kinderaufziehens tragen. Kochen, Putzen, Einkaufen und auf die Bedürfnisse der Kinder zu achten, sind Tätigkeiten, die immer noch hauptsächlich von Frauen ausgeübt werden. Zusätzlich gehen die meisten Frauen zur Arbeit. Männer verrichten wenig Hausarbeit, aber ihre Löhne machen den Großteil des Familieneinkommens aus. Nur in einer Minderheit von Fällen übernehmen Männer auch einen Teil der Arbeit des Kinderaufziehens und andere Haushaltsaufgaben.

Die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen in der Familie dient den Interessen der herrschenden Klasse, weil gegenwärtige und zukünftige Generationen von Arbeitern durch den Arbeiterlohn versorgt werden und Frauen die Doppelbelastung von Hausarbeit und Arbeit tragen. Frauen sind in ihrem Familienleben mit Ungleichheit gegenüber ihren Männern konfrontiert. Männliche Arbeiter erfahren Klassenungleichheit, aber keine sexuelle Ungleichheit. Klassen und Geschlechterrollen durchdringen die Gesamtheit der Gesellschaft – in der Familie, in der Ausbildung, bei der Arbeit und im Unterhaltungsbereich – und deshalb kann ein Individuum es nicht vermeiden, auf bestimmte Weise geprägt zu werden, wie falsch diese Entwicklung auch sein mag. Es gibt deshalb kein Entkommen bei den Geschlechterrollen, selbst für jene nicht, die weder heiraten noch Kinder haben.

Die ständige Umstrukturierung der Familie ist Teil der Entwicklung des Kapitalismus. Die erste Auswirkung der Industrialisierung war, dass die alten Familienstrukturen in die Krise gerieten, da Männer, Frauen und Kinder aus dem Heim gerissen und von früh bis spät in die Fabrik geworfen wurden. Marx und Engels glaubten, dass dieser Prozess die Grundlage der Arbeiterklassenfamilie zerstört habe. Ihre Prognose stellte sich als falsch heraus. Arbeiterklassemänner und -frauen versuchten, einen Grad von Familie als Verteidigung gegen die Verheerungen der industriellen Revolution aufrechtzuerhalten. Und die herrschende Klasse hatte ein Interesse daran, die Familie als Mittel zur Reproduktion der Arbeitskraft zu erhalten. [21] In derselben Periode gab es ernsthafte Anstrengungen des Staates, Sexualität zu verregeln. Es war eine Offensive der herrschenden Klasse, um dem Familienleben der Arbeiterklasse bürgerliche Normen aufzuzwingen. Das Poor Law Amendment Act [Armengesetz] von 1834 half dabei, frühere Muster vorehelichen Geschlechtsverkehrs zu zerstören, indem es soziale Unterstützung für unverheiratete Mütter verbot. Andere 1880 erlassene Gesetze hoben das Ehemündigkeitsalter für Mädchen an, regelten, was obszön sei, Prostitution und Homosexualität und waren Teil des Bestrebens, das Ehebett als einzigen legitimen Platz für sexuelle Beziehungen zuzulassen, zumindest für Frauen. Die Konsequenzen für die Sexualität von Frauen sind vielleicht am besten zusammengefasst in einer viktorianischen Anleitung für Frauen, „sich auf den Rücken zu legen und an England zu denken“. [22]

Der Widerspruch zwischen den Hoffnungen der Menschen auf Erfüllung in der Beziehung und der Realität des Familienlebens ist eins der Hauptprobleme, das Menschen in ihrem Sexualleben haben. Hinzu kommt, dass Veränderungen in der kapitalistischen Gesellschaft, seit Beginn in den frühen Jahrzehnten des Jahrhunderts, Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen Männern und Frauen hatten. Die Familie selbst, obwohl sie von der Produktion getrennt ist, ist gegenüber Veränderungen in der Produktionsweise nicht immun. Schritt für Schritt wurde jeder Aspekt des Haushalts – Hausarbeit, Kochen, Möbel, Dekor – dem Einfluss der Massenwarenproduktion unterworfen.

Das Wachsen des Massenmarkts und die Fließbandproduktion führten zur Entstehung der Massenwerbung. Frauen wurden ermutigt, ihre Gewohnheiten zu verändern und alles von Fertigbrot, Marmelade und Kuchen bis zu Kleidung und zunehmend Elektroprodukten zu kaufen. Sie wurden als Hilfe zu einem perfekten Familienleben beworben. Die Masse der Werbung, die massiv in den 1920ern expandierte, zielte auf Frauen, weil sie zuständig für den Einkauf von Haushaltswaren sind. [23] Das Wachstum der Massenwerbung wurde durch die Krise der 1930er schwer getroffen, aber die zu Grunde liegenden Trends in der Produktion und die Schaffung des Massenkonsums setzte sich fort. Massenwerbung, die auf Frauen zielte, wurde verstärkt nach dem Krieg wieder aufgenommen.

Der Appell an Frauen als Konsumentinnen wurde begleitet von einer Wende hin zur Darstellung von Ehefrauen als Sexobjekten. Frauen wurden angeregt, Sex und physisches Erscheinen einzusetzen, um das Interesse ihrer Ehemänner aufrechtzuerhalten. Frauen wurden zunehmend dazu gedrängt, sich ihrer Körper und ihrer Erscheinung bewusst zu werden. Schönheit und Sinnlichkeit wurden der Konsumption untergeordnet und an Geld gekoppelt. Wenn gegenseitige Anziehung die Grundlage war, auf der Männer und Frauen jetzt ihre Beziehungen entwickelten, und das Kinderaufziehen der materielle Grund für die Familie, dann wurde Sex zunehmend zu dem Mittel, durch das Frauen ihre Männer an die Familie binden mussten. Sprüche wie: „Sogar dein bester Freund würde es dir nicht erzählen“ und „Oft eine Brautjungfer, aber nie eine Braut“, wurden von den Werbeleuten aufgegriffen, um Deodorants und zumindest in einem Fall Strümpfe zu verkaufen.

Ewan Stuart beobachtete in seiner eigenen Studie über Werbung in Frauenmagazinen in den 1920ern, dass eine beachtliche Zahl Magazine Frauen zeigte, die sich selbst im Spiegel betrachteten. Er zog den Schluss:

Der Imperativ der Schönheit wurde für Frauen direkt mit der Frage von Arbeitssicherheit verbunden – die Anzeigen erinnerten die Frauen ständig daran, dass ihr Überleben tatsächlich von ihrer Fähigkeit abhing, einen Ehemann bei der Stange zu halten – oder genauer, mit dem Lohn, den der Mann nach Hause brachte, um ihre Managerrolle zu unterstreichen. [24]

Der Trend, Frauen als Sexobjekte zu behandeln, und der Einsatz von Frauenkörpern in der Werbung war besonders in der Nachkriegszeit anderen wichtigen Entwicklungen unterworfen, die entscheidend die Rolle der Frau betrafen. Die erste war der Eintritt von Frauen in bezahlte Arbeit in solchem Ausmaß, dass sich das Leben aller Frauen veränderte. Heute arbeiten die meisten Frauen während der meisten Zeit ihres Lebens außer Haus. Die Zeit, die Frauen außerhalb ihrer bezahlten Arbeit verbringen, verringert sich weiterhin. Der zweite wichtige Faktor ist die Entwicklung und der Gebrauch von Verhütungsmitteln seit den 1960ern. Dies hat natürlich das Anwachsen der weiblichen Arbeiterschaft gefördert. Heute benutzen 75 Prozent der Frauen zwischen 18 und 44 Jahren irgendeine Art von Verhütungsmittel. Die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Familie ist jetzt auf 1,8 gesunken. Verhütung gestattet es den Frauen nicht nur zu entscheiden, wie viele Kinder sie haben wollen, sie schafft auch die Möglichkeit, dass Sex ausschließlich dem Vergnügen dient, im Gegensatz zum Sex zur Fortpflanzung.

Zu diesen beiden Veränderungen kam es während des anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Boom wuchs der Wohlfahrtsstaat, es gab stabile Vollbeschäftigung und den zunehmenden Glauben, dass eine ganze Menge Probleme innerhalb eines fürsorglichen Kapitalismus gelöst werden könnten. Die konservative Stimmung der 1950er, die durch die Atmosphäre des Kalten Krieges verstärkt worden war, machte einer Liberalisierung sozialer Einstellungen Platz. Etliche wichtige Sozialgesetze wurden in den späteren 1960ern verabschiedet, wodurch Abtreibung in größerem Maße verfügbar war und die Haltung zur Homosexualität liberalisiert wurde.

In dieser Zeit kam es auch zur Schwächung der Zensur in Verbindung mit Schlachten über die Veröffentlichung von D.H. Lawrence’s Buch Lady Chatterley’s Lover und Auseinandersetzungen über Kenneth Tynans Sprache im Fernsehen. In der Werbung wurden Frauenkörper jetzt offener dargestellt, und Filme gingen von der offenen Darstellung des Frauenkörpers zu einer allgemein expliziteren Darstellung von Sex über.

Die Forderungen der frühen Frauenbefreiungsbewegung – nach gleichem Lohn, einem Ende der Geschlechterdiskriminierung, freier Vergabe von Verhütungsmitteln, kostenloser Abtreibung auf Anforderung und 24-Stunden-Kindergärten – sind vielleicht eine direkte Reflektion der veränderten Erwartungen von Millionen von Arbeiterklassefrauen. Für Frauen geht die Forderung nach Gleichheit im Arbeitsleben Hand in Hand mit der Forderung, größere Kontrolle über ihre eigenen Körper zu haben.

Heute ist es klar, dass diese Veränderungen zur Trennung der Sexualität sowohl von der Ehe als auch der Reproduktion geführt haben und sich in dem Muster von Ehe, Scheidung und außerehelichen Geburten widerspiegelt. Frauen und Männer heiraten später und leben länger. [25] Fast ein Viertel der Ehen enden mit Scheidung innerhalb von vier Jahren, obwohl eine beträchtliche Zahl es dann erneut versucht – und erneut. [26] Die meisten Erwachsenen denken, dass vorehelicher Sex absolut in Ordnung, außerehelicher Sex jedoch falsch ist. [27] In England und Wales haben uneheliche Geburten ständig zugenommen, obwohl dies begleitet wurde von einer Zunahme solcher Geburten, die auf den Namen beider Elternteile eingetragen wurden. [28] Die Mehrheit der Menschen lebt immer noch in einer Zweierbeziehung, von diesen haben aber weniger abhängige Kinder. [29]

Das heißt, dass das Aufziehen der Kinder, früher die Grundlage der Familie, immer weniger einen Grund für Paare darstellt zusammenzubleiben. Unter diesen Umständen ist es kaum überraschend, dass der Trend, Sex in den Mittelpunkt der Ehe als auch der Vermarktung zu stellen, sich fortsetzen musste. [30] Jetzt hat dieser Trend jedoch einen Punkt erreicht, an dem Sex aufgehört hat, an die Ehe gebunden zu sein.

Diese Veränderungen erklären womöglich auch das wachsende Interesse am Sexualverhalten. Zur Jahrhundertwende wurde auch die Illusion, dass Kinder keine sexuellen Wesen seien, durch Freuds Schriften erschüttert, indem er eine Theorie der Rolle von Sexualität in der Gesellschaft und zu den Unterschieden in der Geschlechterentwicklung von Männern und Frauen entwickelte. Studien von Kinsey 1951, gefolgt von Masters und Johnson 1965, trugen dazu bei, die Ansicht zu popularisieren, dass Sex zum Vergnügen sein sollte, nicht zur Fortpflanzung. Masters und Johnsons Arbeit trugen auch sehr viel zur Förderung der Ansicht bei, dass Frauen Sex genießen können. Aber obwohl sie feststellten, dass Frauen eine größere Zahl von Orgasmen bei der Masturbation bekamen als beim Geschlechtsverkehr, betonten sie die zentrale Rolle der Penetration für die wirkliche sexuelle Befriedigung. Damit wurden eher traditionelle Ansichten bestärkt, was das Beste für Frauen sei. Diese Ansichten wurden von der frühen Frauenbefreiungsbewegung stark angegriffen. Aber es war Shere Hite, die 1976 Daten veröffentlichte, welche zeigten, dass die überwiegende Mehrheit von Frauen einen Orgasmus nicht durch die Penetration bekamen, sondern durch die Stimulierung der Klitoris. [31]

In der heutigen Welt sind Sex und die Darstellung von Frauenkörpern von den allgemeinen menschlichen Beziehungen abgekoppelt. Solche Haltungen und Bilder sind Teil des Alltagslebens. Die Massenpresse wie die Sun und der Mirror benutzen Pin-up-Mädchen, um ihre Verkäufe zu steigern. Werbung und Mode üben einen fast unentrinnbaren Druck auf Frauen aus, sexuell attraktiv für Männer zu sein. Magazine für junge Frauen stellen besonders darauf ab, Frauen als umwerfend sexuell attraktive, obwohl im Wesentlichen passive Wesen darzustellen, deren einziger Daseinzweck darin besteht, einen Mann anzulocken. [32]

Die Sexualität einer Frau wurde zum Mittel, mit dem sie ein Mitglied des anderen Geschlechts anlocken soll. Frauen geraten in das Dilemma einer Erwartung, gut auszusehen ohne dann als Sexobjekt behandelt zu werden. Zur gleichen Zeit erscheint Sex als Objekt, etwas, das keinen Bezug zu menschlichen Gefühlen wie Liebe oder Freundschaft hat, ein gemeinsames Gefühl der Joie de vivre (Lebensfreude) oder ähnliches.

Marx argumentierte vor über 100 Jahren, dass eine Gesellschaft, die sich auf Ausbeutung gründet, die profundeste Entfremdung der Menschen von ihren natürlichen Fähigkeiten mit sich bringt. Der Kern seiner Entfremdungstheorie ist, dass eine von Menschen geschaffene Gesellschaft offenbar die Form einer fremden Macht über ihnen annimmt. Dies ist eine Widerspiegelung des grundlegenden Widerspruchs in einer Klassengesellschaft, dass eine Minderheit die Mittel zum Leben kontrolliert, aber diese Kontrolle hinter dem scheinbar unpersönlichen Wirken des Marktes verborgen ist. Das wirkliche Wesen der Menschen, ihre Arbeit, wird nach den Anforderungen der Marktkräfte ge- und verkauft, denen sie sich machtlos gegenübersehen. Dieser Prozess, argumentierte Marx, beeinflusste die Gesamtheit des menschlichen Lebens und der Erfahrungen, einschließlich der scheinbar natürlichsten Beziehung von allen – der zwischen Männern und Frauen.

In der spätkapitalistischen Gesellschaft ist die menschliche Sexualität gefangen in einer Reihe von tief gehenden Widersprüchen. Einerseits wurde Sex von der menschlichen Beziehung abgekoppelt, ein Objekt, das ge- und verkauft werden kann wie jedes andere. Der Körper von Frauen wurde in den Mittelpunkt ihrer Fähigkeit, eine Beziehung zu Männern aufzunehmen, gerückt. Und die Unterdrückung von Frauen führt dazu, dass Beziehungen zwischen Männern und Frauen weiterhin ungleich sind. Andererseits hat die zunehmende Unabhängigkeit von Frauen als Arbeiterinnen und Berufstätige ihre Erwartung gesteigert, ihr eigenes Leben und ihren Körper kontrollieren zu können. Sie erwarten, mit Würde und Respekt behandelt zu werden.

Eine Reihe von Beispielen illustrieren diese Widersprüche. Eine Studie über das Sexualverhalten von Teenagern, die vor 20 Jahren erstellt wurde, fand heraus, dass fast drei Viertel der Männer, aber nur knapp über die Hälfte der Frauen nach ihrer ersten sexuellen Erfahrung wieder Sex haben wollten. Dennoch hatten knapp drei Viertel der Frauen mehr als 50 Mal im vorangegangenen Jahr sexuelle Beziehungen, verglichen mit knapp über die Hälfte der Jungen. Diese Unterschiede kommen möglicherweise durch zweierlei zu Stande: dass Frauen weniger Befriedigung aus der sexuellen Seite ihrer Beziehungen ziehen, aber mehr Sex haben, weil sie in beständigeren Beziehungen sind. Stabilere Beziehungen führen zu mehr Sex. [33]

Ein anderes Gegenwartsproblem ist der Druck für Männer und Frauen, „guten“, häufigen Sex zu genießen. Ein Forscher in Großbritannien fand heraus, dass die Erwartungen, erfolgreichen Sex in der Ehe zu haben, um 50 Prozent zwischen 1950 und 1970 gestiegen waren. [34] Diese Erwartung wird jedoch frustriert, wie es sich an dem niedrigen Anteil von Frauen zeigt, die tatsächlich sexuelle Befriedigung in Beziehungen zu Männern erreichen. Viele Frauen leiden auch unter der Ambivalenz, die der Situation innewohnt: Ist ein Mann wirklich an der Frau als Person und Individuum interessiert, oder nur an Sex? Wenn sie eine sexuelle Beziehung zu einem Mann aufnimmt, wird er sie dann auch am Morgen danach noch respektieren oder denken, dass sie „leicht zu kriegen“ ist? Wenn er eine fortgesetzte Beziehung haben will, wird dies auf Kosten ihrer eigenen Autonomie gehen?

Sowohl die Regierungen als auch die Bosse kriegen dabei, was sie wollen. Die Regierungen betonen unablässig die Notwendigkeit, eine gute Ehefrau und Mutter zu sein, während die Bosse die Sexualität von Frauen als wesentlichen Teil ihrer Verkaufstechniken benutzen. Und während all diese Veränderungen stattfinden, bleibt die Privatfamilie der Ort, an dem Jungen und Mädchen lernen, dass Heterosexualität und Monogamie die Norm, Frauen und Männer unterschiedlich und Frauen für das Heim verantwortlich, während die Männer die Brotverdiener sind. Kinder lernen ebenfalls sehr schnell, dass es eine Autoritätshierarchie in der Familie und der umgebenden Gesellschaft gibt.

Worüber die Kinder scheinbar sehr viel weniger lernen, ist ihre eigene Sexualität oder sexuelle Beziehungen im Allgemeinen. Durch zwei Forschungsstudien zur Sexualität von Teenagern – die erste von 1965 und eine Anschlussstudie von 1973 – konnte Michael Schofield nachweisen, dass die Sexualerziehung je nach Klassenzugehörigkeit und Geschlecht erhebliche Abweichungen aufwies. Jungen lernten am wenigsten von ihren Eltern. Etwa 60 Prozent der Jungen aus Mittelschichtfamilien, 70 Prozent aus einfachen Angestelltenfamilien, und 73 Prozent aus Arbeiterfamilien lernten von ihren Eltern gar nichts. Mädchen lernten von ihren Eltern etwas über Sex, aber sie erfuhren nichts über Geburtenkontrolle. Das bedeutet vermutlich, dass Mädchen über Menstruation unterrichtet und vor den Gefahren einer Schwangerschaft gewarnt wurden. [35] Die überwiegende Mehrheit beider Geschlechter, 80 Prozent, wollte mehr über Orgasmen erfahren, sexuelles Vergnügen und Gefahren, Verhütungsmethoden und das andere Geschlecht. Über 60 Prozent beider Geschlechter sagten, die Hauptinformationsquelle waren ihre Freunde. Nach Schofield zeigen andere Studien, dass Kinder, die nichts über Sex erfahren haben, selbst versuchen, Erklärungen zu finden. [36]

Schofields Studien weisen auf ein Problem hin: dass junge Menschen oft umgeben von Bildern mit Sex aufwachsen, aber in sexueller Ignoranz. Sie verstehen oder kennen ihre eigenen Körper nicht, schon gar nicht den Körper eines anderen. Jungen, von denen erwartet wird, dass sie in sexuellen Angelegenheit die Führung übernehmen, wissen am wenigsten von allen. Dieser Umstand wird bestätigt durch die Situation, in denen sexuelle Beziehungen zum ersten Mal stattfinden – Autos, Parks und ungenutzte Gebäude in 29 Prozent von Schofields Stichprobe. [37] Das fördert nicht gerade die Chance, eine gute Erfahrung zu machen. Eins der Elternhäuser zu benutzen, wäre viel bequemer, aber dann besteht das Risiko „erwischt“ zu werden. Kein Wunder, dass Schofield herausfand, dass nur 46 Prozent der Jungen und 38 Prozent der Mädchen ihre erste Erfahrung genossen. [38]

Schofields Studie gibt uns einige Hinweise, wie sexuelle Beziehungen zusammenbrechen, und besonders zu einer der häufigsten Formen von Vergewaltigung: „Date Rape“ (Rendezvousvergewaltigung).

 

 

Vergewaltigungsmuster in der kapitalistischen Gesellschaft

Date-Rape oder Vergewaltigung durch Bekannte: Weitgehend bekannt (und akzeptiert von Feministinnen und den meisten Forschern) ist jetzt, dass nur eine kleine Zahl von Vergewaltigungen durch Fremde begangen werden. [39] Ruth Hall stellt in ihrer Studie Ask any Woman fest, dass 75 Prozent der männlichen Vergewaltiger den betroffenen Frauen bekannt sind. [40] Die Hälfte der Vergewaltigungen findet in der Wohnung entweder des Mannes oder der Frau statt. In einer Studie, die sich auf eine Umfrage in San Francisco stützte, kalkulierte Diana Russell, dass nur 3 Prozent der Vergewaltiger Fremde waren, 8 Prozent Ehemänner und die Mehrheit Freunde, Rendezvouspartner, Liebhaber, ehemalige Liebhaber oder andere Bekannte. [41]

Unzählige Studien zeigen auf, dass es in der Zeit der Pubertät und des frühen Erwachsenseins am ehesten zu Vergewaltigungen kommt. [42] Eine kürzlich veröffentlichte Studie über pubertierende Jugendliche und sexuelle Übergriffe in den USA vermittelt einige Einsichten, wie es zu Vergewaltigung kommt. [43] Die Studie war Teil einer nationalen Fünfjahresuntersuchung über Pubertät und Kriminalität. Die Unterstichprobe zu sexuellen Übergriffen erstreckte sich über drei Jahre von 1978 bis 1981. Die Definition eines sexuellen Übergriffs beinhaltete jedes aufgezwungene sexuelle Verhalten, einschließlich Berührung von sexuellen Körperteilen und verschiedene Arten von Druck, von verbalen bis zu körperlichen Schlägen, einschließlich des Gebrauchs von Waffen. Unter dieser breit gefassten Definition erlebten zwischen 7 und 9 Prozent der weiblichen Pubertierenden irgendeine Art von sexuellem Übergriff innerhalb der drei Jahre. [44] In den ersten beiden Jahren fanden 75 Prozent der Übergriffe in einem Fahrzeug oder in der Wohnung des Opfers oder des Täters statt. 1980 fanden zwei Drittel irgendwo in der Nachbarschaft statt und nur 23 Prozent in einer der Wohnungen. [45]

Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Untersuchung ist, dass nur in 20 Prozent der Fälle von 1978 und 1979 der Übergriff vollendet wurde, das heißt, eine Vergewaltigung stattfand. 1980 stieg diese Zahl auf ein Drittel. [46] In allen drei Jahren konnte die Mehrheit der Frauen den Übergriff stoppen – zwischen 43 und 48 Prozent setzten Argumente ein und zwischen 28 und 39 Prozent reagierten mit Wut und feindlicher Haltung. [47] Insgesamt wehrten sich nur 5 Prozent nicht – aus Angst oder weil sie unter Drogen waren. In zwei Drittel der Fälle, in denen der Angriff im Rahmen eines Rendezvous stattfand oder durch den Freund, veränderte sich die Beziehung. Etwa 87 Prozent der Beziehungen wurden beendet. [48] Die Untersuchung betrachtete auch die Reaktionen beider Geschlechter auf den Übergriff. Die Hauptreaktion der Frauen war Wut, gefolgt von Beschämung. Kein Interesse an und Angst vor weiterem Sex kam an dritter Stelle. [49] Der Mehrheit der Frauen wurde mit Sympathie begegnet, wenn sie mit anderen über das Geschehene sprachen, einschließlich des Freunds oder Ehemanns. [50]

Bei den jungen männlichen Tätern zeigt sich ein etwas anderes Bild. Die Mehrheit berichtete, dass sie sich befriedigt fühlte, wenn auch etwas durcheinander, in Bezug auf das Ergebnis des Übergriffs. Eine Minderheit fühlte sich danach beschämt, und einige fühlten sich stärker. Die Reaktion ihrer Freunde ist erhellend – 40 Prozent behaupteten, dass Freunde den Übergriff richtig fanden, 20 Prozent waren nicht einverstanden und 25 äußerten sich nicht dazu. [51]

Anregende Faktoren, die von den Männern in 40 Prozent der Fälle geäußert wurden, waren erstens eine Kombination aus der physischen Erscheinung der Frau, flirten und necken durch das Opfer und, zweitens, ihre eigene sexuelle Erregung. Ein Teil erwähnte sexuelle Erregung bei der Frau. [52] Die Frauen nannten die Tageszeit und sexuelle Erregung beim Mann als Schlüsselfaktoren, gefolgt von Ort und alkoholischen Getränken. Die überwiegende Mehrheit der Frauen konnte nichts Besonderes an ihrem eigenen Verhalten oder ihrer Kleidung finden, das den Übergriff hätte fördern können. [53] Ageton, Autor von Sexual Assault Amongst Adolescents, schlussfolgerte daraus:

Eine Übersicht der Beschreibung dieser Vorfälle lässt vermuten, dass viele von ihnen das klassische Rendezvousszenario widerspiegeln, wo der Mann die Frau zum Sex drängt. Die meisten dieser Vorfälle beinhalteten nicht mehr als verbalen Druck, und eine große Zahl waren, laut Bericht des Täters, erfolglose Versuche. [54]

Die Umfrage des Magazins Ms, die sich auf Colleges in den USA stützte, wies ein ähnliches Muster von Vergewaltigung als Teil des Rendezvousszenarios auf. [55] Noch aufschlussreicher sind die unterschiedlichen Urteile von Frauen und Männern über Vergewaltigung. Nur knapp über ein Viertel der Frauen sahen sich nicht als Opfer einer Vergewaltigung. [56] Von den 8 Prozent der Männer, die entweder eine Frau vergewaltigt oder einen Versuch gemacht hatten, sagten 75 Prozent, sie hätten niemals einer Frau einen ungewollten Sexualakt aufgezwungen. [57] Fast die Hälfte der Frauen hatte wieder Sex mit demselben Mann. [58] Dies ist ein deutlicher Anhaltspunkt für die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in ihren Einstellungen zu Sex. Es zeigt auch, wie Ungleichheit zwischen Männern und Frauen die intimsten Beziehungen zwischen ihnen beeinflusst. Gleichzeitig zeigt es, dass Frauen ihre Ungleichheit so tief verinnerlicht haben, dass sie eine Vergewaltigung nicht als solche empfinden. Es erhellt auch, wie schwierig es für eine Frau ist zu begreifen, dass ein Mann, der von ihr angezogen ist, sich so verhalten kann. Frauen stehen offensichtlich vor einem riesigen Problem, wenn sie die Erfahrung von Vergewaltigung machen, besonders wenn sie den Eindruck haben, dass sie wenig dagegen tun können.

Da vorehelicher Sex sehr üblich ist und von jungen Männern erwartet wird, dass sie rausgehen und Sex mit jungen Frauen haben, ist es kaum überraschend, dass es auch einige Fälle von Vergewaltigung gibt. Da außerdem Rendezvous von allen Pubertierenden getroffen werden, würde dies auch erklären, warum „Date-Rape“ in allen Schichten der Bevölkerung vorkommt. Die Fälle von Vergewaltigung auf US-Universitätsgelände (Campus) sind ein Beispiel dafür, wie bestimmte soziale Bedingungen zur Verletzlichkeit von hauptsächlich weißen Mittelschichtstudentinnen in Bezug auf Vergewaltigung beitragen können. Leider gibt es keine ähnliche Untersuchung wie die von Ms für die nicht studentische Bevölkerung, die Vergleiche zuließe. [59] Der wichtige Punkt an dieser Analyse ist, dass „Dating“ selbst ein Teil einer ausgesprochen modernen Sexualität ist, die von der kapitalistischen Gesellschaft geschaffen wurde. Das „Rendezvousszenario würde auch das Altersspektrum erklären, innerhalb dessen die Mehrheit von Vergewaltigungen vorkommt. Junge Männer und Frauen, die unerfahren in persönlichen und sexuellen Beziehungen sind, werden eher Probleme haben als ältere Männer und Frauen. Erfahrung hilft Männern, eine Beziehung leichter aufzunehmen, und Frauen, Selbstbewusstsein im Umgang mit Männern zu entwickeln.

Es gibt zwei weitere Arten von Vergewaltigung, die eindeutig von den Bedingungen einer kapitalistischen Gesellschaft beeinflusst sind – Vergewaltigung in der Ehe und Vergewaltigung durch „Fremde“. [60]

 

 

Vergewaltigung in der Ehe: Ein Viertel aller gewalttätigen Verbrechen findet in der Familie statt. In einem Artikel, der kürzlich veröffentlicht wurde, heißt es: „Alle drei Tage stirbt eine Frau durch ihren Ehemann, Partner, Liebhaber oder einen Mann, zu dem sie solch eine Beziehung hatte.“ [61] Kindesmissbrauch, physischer und sexueller, das Verprügeln der Ehefrau und Vergewaltigung sind alles Symptome eines Familienzusammenbruchs. Vergewaltigung innerhalb der Ehe – als Verbrechen in Schottland anerkannt, aber nicht in England und Wales – hat mit der Überschneidung von Frauenunterdrückung, Klasse und Sexualität und ihrer Vermittlung innerhalb der Familie zu tun.

In Ruth Halls Studie sagten über 20 Prozent der interviewten verheirateten Frauen, dass sie sexuelle Beziehungen gegen ihren Willen hatten. [62] Russells Untersuchung fand heraus, dass 12 Prozent der interviewten verheirateten Frauen von ihren Ehemännern vergewaltigt worden waren. [63] In Westdeutschland wurde 1976 eine Umfrage veröffentlicht, nach der 58 Prozent der verheirateten Frauen mit der Meinung übereinstimmten: „Ich lasse es geschehen, weil ich sonst tagelang unter seiner schlechten Laune leiden muss.“ [64]

Entscheidend für das Verständnis von Vergewaltigung in der Ehe ist die Auswirkung der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen – die Annahme, dass Männer einen Anspruch auf Sex von ihren Frauen haben, dass Sex ein Teil der Ehe ist und eine Frau nicht das Recht hat, sich zu verweigern. Allerdings verändert sich die Wahrnehmung von Frauen mit der Zeit, ob sie von ihren Ehemännern vergewaltigt wurden oder nicht, und ob dabei Gewalt angewandt wurde. Ruth Hall fand heraus, dass von den verheirateten Frauen, die Sex gegen ihren Willen hatten, zu der Zeit 35 Prozent dachten, dass es Vergewaltigung war, und 65 Prozent dachten zum Zeitpunkt der Durchführung der Umfrage, es war Vergewaltigung. Es gab eine ähnliche Zunahme bei Frauen, die dachten, physische Gewalt oder die Androhung von Gewalt seien eingesetzt worden, um Sex zu bekommen. Das änderte sich von 58 Prozent auf 85 Prozent zum Zeitpunkt der Umfrage. [65]

Die Fähigkeit von Frauen, ihre sexuelle Beziehung zu ihrem Ehemann zu kontrollieren, scheint eng verknüpft zu sein mit dem Niveau der wirtschaftlichen Unabhängigkeit wie mit der Androhung von Gewalt. Zwei Dritttel der Frauen in Ruth Halls Studie nannten physische Gewalt oder ihre Androhung als einen Grund für das Geschehene. Aber die Hälfte sagte auch, es war finanzieller Druck – 20 Prozent hatten Sorge, ihr Haushaltsgeld zu verlieren. Fast 40 Prozent sagten, Sex würde im Austausch für die Unterstützung der Familie durch ihren Ehemann erwartet. Die Hälfte hatte Angst, dass ihr Ehemann es auf andere Weise an ihnen auslassen würde, und 20 Prozent hatten Angst, er würde es an den Kindern auslassen. Rund 30 Prozent „nahmen an, dass das normal ist“.

Die Möglichkeit von Frauen, die Ehe aufzugeben, hängt ebenfalls stark von ökonomischen Faktoren ab. Die meisten Frauen, tatsächlich 87 Prozent, versuchten die Ehe zu verlassen, und 77 Prozent waren erfolgreich. Drei Viertel derjenigen, die nicht gingen, gaben materielle Gründe für ihr Verbleiben an, wie Unterkunft und Finanzen. [66] Solche Faktoren lasten besonders schwer auf Frauen mit Kindern. Diana Russells Studie zur Vergewaltigung in der Ehe zeigt, dass „100 Prozent der Frauen, die Hauptverdiener bei ihrer ersten Vergewaltigung waren, nicht mit ihren Vergewaltigerehemännern zusammenblieben.“ [67] Dies ist ein hinreichender Beweis, um die Ansicht von einigen zurückzuweisen, dass Frauen es mögen, vergewaltigt zu werden. Das entspricht auch den Ergebnissen unter pubertierenden Jugendlichen, wonach die überwiegende Mehrheit ihre Beziehung nach einem sexuellen Übergriff wechselte. Aber es zeigt auch eindeutig, wie die Kombination von Familie und Klasse einige Frauen in schrecklichen Beziehungen gefangen halten. Manchmal ist diese Falle emotional – Frauen sorgen für ihre Ehemänner, fühlen sich schuldig oder können sich nichts anderes vorstellen. Aber häufiger ist dies materiell bedingt. Frauen haben einfach nicht die Mittel zu gehen, deshalb leiden die ärmsten am meisten. [68]

 

 

Vergewaltigung durch Fremde: Vergewaltigung durch Fremde ist seltener als andere Formen der Vergewaltigung, wird aber bei der Polizei eher gemeldet, weil Frauen eher bereit sind, Männer anzuzeigen, die sie nicht kennen. Vergewaltigung durch Fremde beinhaltet auch eher ein Element von Gewalt. Es gibt Hinweise, dass ein Teil solcher Vergewaltigungen im Zusammenhang mit anderen Verbrechen begangen werden. [69]

Kriminalität ist eindeutig verbunden mit sozialen Verhältnissen. Eine Gesellschaft, die auf der ungleichen Verteilung von Wohlstand beruht, schafft Eigentumsverbrechen. Im Kapitalismus ist die Mehrheit der Menschen abhängig von dem Verkauf ihrer Arbeitskraft, um Zugang zu den notwendigen Lebensmitteln zu bekommen. Da ein Teil immer entweder zu wenig verdient oder arbeitslos ist, besteht das einzige Mittel, die Bedürfnisse zu befriedigen, im Stehlen oder sich zu verschulden. Engels schrieb 1844, dass Kriminalität in England schneller zunahm als anderswo. Sie stieg besonders in den neuen Industriestädten. Mit Blick auf das Ausbildungsniveau entschied Engels, „dass fast alle Verbrechen innerhalb des Proletariats begangen werden“. [70] Dasselbe gilt für heute. In einer neuen Studie sagt David Farrington:

Straftaten können im Alter von 14 bis 20 Jahren einen Höhepunkt erreichen, weil Jungen – besonders die Schulversager aus unteren Schichten – sehr impulsiv sind, ein großes Bedürfnis nach Aufregung, materiellen Gütern und sozialer Anerkennung haben, aber wenig Aussichten, diese Bedürfnisse legal zu befriedigen, und weil sie wenig zu verlieren haben. Justizstrafen sind milde und ihre engsten Freunde – ihre männliche Peer-Group – heißt ihre Straftaten gut. [71]

Es ist nicht sonderlich überraschend, dass in einer Gesellschaft, die jeden mit den Bildern von Frauenkörpern bombardiert und junge Männer ermutigt, sich selbst zu beweisen, indem sie eine Frau ins Bett kriegen, ein Teil dazu übergeht, Sex zu stehlen, also zu vergewaltigen. Die meisten Untersuchungen zur Vergewaltigung kommen zu diesem Ergebnis. Katz und Mazur sagen: „Zusammenfassend legt die verfügbare Literatur nahe, dass sowohl Männer als auch Frauen aus den Unterschichten mehr betroffen sind von allen Formen gewalttätiger Kriminalität, einschließlich Vergewaltigung.“ [72] Russells Studie zog eine Verbindung zwischen Vergewaltigung durch Fremde und junge Männer mit niedrigem Einkommen. [73] Ageton sagte, dass „jugendliche Opfer von gewalttätigen sexuellen Übergriffen überwiegend schwarze, in der Stadt lebende Frauen aus der Unterschicht sind“. Sie argumentierte auch, dass Vergewaltiger sich eher als schulische Versager empfinden, sich zu Hause isoliert und nicht gemocht fühlen, und „häufiger straffällig“ sind, wie sie es bezeichnete. [74]

Die Verbindung von dieser Art Vergewaltigung mit allgemeiner „Straffälligkeit“ und Kriminalität erklärt, warum Vergewaltigungsstatistiken, die sich auf Polizeiberichte und Strafgefangene stützen, eine hohe Konzentration von Männern aufweisen, die jung und aus unteren Schichten sind – und, in den USA, hauptsächlich schwarz. Die Klassengesellschaft schafft die Kriminalität und die Kriminellen. Sie erzeugt auch die Opfer – zwei von fünf der schwarzen Frauen, die für Ruth Halls Ask any Woman interviewt wurden, waren auf Grund ihrer Rasse oder Nationalität angegriffen worden, und ein Drittel aus sexuellen Gründen. [75] Ruth Hall kommt zu dem Ergebnis:

Frauen mit der geringsten finanziellen Sicherheit – schlecht bezahlter Arbeit und/oder schlecht entlohnten Partnern, schlechten Unterkünften und ohne Zugang zu einem Auto – liefen eher Gefahr, wegen ihrer Rasse oder Nationalität angegriffen oder beschimpft zu werden ... Die Möglichkeit, dass du Angriffen oder Beschimpfungen ausgesetzt bist, steigt, wenn du schwarz bist und wenn du ein geringes Einkommen hast. [76]

Klassenzugehörigkeit scheint auch eine Rolle in der Frage zu spielen, ob Frauen eine Vergewaltigung verhindern können. In Rape Victimisation in 26 American Cities fand McDermott heraus, dass, „während 65 Prozent der Angriffe auf Frauen in der Kategorie mit dem niedrigsten Einkommen nicht vollendet wurden, wurden 92 Prozent der sexuellen Übergriffe auf Frauen mit hohem Einkommen nicht vollendet.“ [77]

Leider wird keine Begründung gegeben, aber Frauen aus den Mittel- und gehobenen Mittelschichten ziehen aus ihrer allgemeinen Stellung in der Gesellschaft größere Autorität und Selbstbewusstsein als junge Arbeiterklassefrauen. Das mag durchaus eine Rolle spielen bei einigen Frauen, die in der Lage sind, Vergewaltigungen zu verhindern. Aber gleichzeitig kann es auch sein, dass Arbeiterklassefrauen einfach verletzbarer sind, weil sie auf schlechte öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, in heruntergekommenen Wohnanlagen leben und so weiter.

 

 

Pornografie und Sexualität

Ich habe so weit versucht zu zeigen, dass Vergewaltigung heute, obwohl sie nur eine Minderheitserscheinung ist, ein Ergebnis der Weise ist, wie der Kapitalismus die Natur der Sexualität und die Familie verändert, wie er Männer und Frauen in verschiedene Klassen- und Geschlechterrollen sozialisiert. Ich möchte jetzt zeigen, dass Pornografie ebenfalls ein Produkt der kapitalistisch geformten Sexualität ist, und nicht eine Schlüsselkomponente, diese zu strukturieren. Dieses Argument steht quer zu den anerkannten Weisheiten innerhalb einer Mehrheit von Feministinnen und der Linken. Susan Brownmiller zum Beispiel schreibt, dass „Pornografie die unverdünnte Essenz der antiweiblichen Propaganda“ ist. [78] In einem Interview behauptet Dworkin einfach, dass Pornografie „sexuellen Missbrauch von Frauen fördert“. [79] In einem anderen Interview in Feminist Review sagt Dworkin:

Ich denke, wir wären Narren zu glauben, dass wir ein inneres Leben haben, das von dem aktuellen System, in dem wir leben, abgekoppelt ist. Und ich betrachte es als meine Verantwortung, in diesem Bereich auf dem zu bestehen, was ich weiß. Und was ich weiß, ist, dass Pornografie eine Realität ist ... Die erste Voraussetzung ist, dass sie nicht von der männlichen Vorherrschaft getrennt werden kann. [80]

Von der Frauenbewegung, die Ende der 1970er Jahre völlig die Patriarchatstheorie akzeptiert hatte und fast vollständig mit der Frage von Gewalt gegen Frauen beschäftigt war, wurden zwei Behauptungen nicht hinterfragt. Die erste war: „Pornografie ist die Theorie, Vergewaltigung ist die Praxis.“ Die zweite war Brownmillers „Vergewaltigung ist nicht mehr und nicht weniger als ein bewusster Prozess der Einschüchterung, durch den alle Männer alle Frauen in einem Zustand der Angst halten“. [81]

Viele Feministinnen erweitern die Definition von Pornografie auch um alle sexistischen Bilder von Frauen. [82] Damit nicht übereinzustimmen heißt nicht, abzustreiten, dass Werbung und Publikationen von der Tageszeitung bis zum Magazin für junge Frauen mehr Einfluss als Pornografie mit ihrer sehr viel kleineren Benutzerschar darauf haben, ein Frauenbild zu bestätigen, das Frauen als passive Sexobjekte sieht. Die Definitionen von Pornografie und sexistischer Werbung jedoch verschwimmen zu lassen, fördert nicht unser Verständnis von der Beziehung zwischen den beiden oder ihrer Beziehung zu sexuellem Verhalten.

Es sollte durch diese Analyse deutlich geworden sein, dass ich nicht glaube, dass Pornografie die Ursache von Vergewaltigung oder von Frauenunterdrückung ist. Pornografie mag Sozialisten und Feministinnen wütend machen, weil sie Frauen degradiert, aber das ist eine andere Frage.

Der Gebrauch von Pornografie hat neben den allgemeinen Veränderungen sowohl in den Einstellungen zu Sex als auch der Darstellung von Frauenkörpern zugenommen. Heute wird es nicht mehr für verabscheuungswürdig gehalten, wenn Frauen „oben ohne“ auf Stränden erscheinen. Die Menschen scheinen auch experimentierfreudiger hinsichtlich ihres Sexualverhaltens geworden zu sein, oder zumindest eher bereit zuzugeben, dass sie experimentierfreudiger sind. Der Anteil der Menschen, die Oralsex praktizieren, hat in den USA seit Kinseys Befunden von 1953 erheblich zugenommen. [83] Die Zeitdauer beim Sex stieg von zwei Minuten zu Kinseys Tagen auf zehn Minuten 1970. [84] Die überwiegende Mehrheit der Paare war auch um 1970 bereit, mit Positionen zu experimentieren – statt nur die „Missionarsstellung“ (Frau unten, Mann oben) zu praktizieren. [85] Die Empfänglichkeit von Frauen für erotische Stimulation, ob visuell oder verbal, entspricht jetzt ungefähr der von Männern, stellte eine Gruppe von deutschen Soziologen fest. [86] Das ist eine große Veränderung seit Kinseys Studie von 1953. [87] Mit anderen Worten ist der Appetit der Menschen auf vielfältigen und häufigen Sex angeregt worden. Wo die Erwartungen nicht erfüllt werden, kann Pornografie die Lücke füllen helfen.

Abgesehen von der Zunahme bei der Reihe Heirat, Scheidung und wieder Heirat gibt es einige Hinweise auf eine allgemeine Unzufriedenheit mit Beziehungen. Schofield stellte 1965 fest, dass eine bedeutende Proportion von jungen Männern dachte, sie sollten sich eine gute Zeit machen, bevor sie heiraten, weil das Leben anschließend langweilig würde. Acht Jahre später stellte er fest, dass Ehe weniger mit Schuldgefühlen und Sorge über sexuelle Leistung verbunden war, dafür mehr mit Langeweile. [88] Shere Hites letzte Untersuchung, Women and Love, gibt einige Hinweise darauf, welche Konfusion sich hinter diesen Statistiken verbirgt. Fast 90 Prozent von Frauen glaubten an Monogamie als Ideal, aber nach fünf Jahren Ehe hatte eine beträchtliche Zahl von Frauen Affären, die ihren Ehemännern nicht bekannt waren, zumindest glaubten sie das. Diese Frauen gaben Entfremdung von ihrem Ehemann als Hauptgrund für die Affären an. Das Muster ist bei Männern fast identisch – außer dass sie ihre Affären schon nach zwei Jahren Ehe aufnehmen. [89]

Es ist klar, dass viele Frauen Beziehungen zu Männern schwierig finden, sie klagen, dass Männer sich weigern, emotionale Probleme zu diskutieren, sich in Schweigen hüllen. Viele Beziehungen führen auch dazu, dass Frauen sich emotional ausgetrocknet fühlen, psychisch gequält und untergraben oder niedergemacht. [90] All dies muss man sich bei jeder Diskussion über die Natur und den Gebrauch von Pornografie bewusst machen.

Pornografie ist zu einem weltweiten Multimillliarden-Dollar-Geschäft in den letzten 20 Jahren geworden. Es ist ein Geschäft, das von ein paar Dutzend Pornobaronen mit Einnahmen zwischen 5 Milliarden und 10 Milliarden Dollar jährlich dominiert wird. Diese Entwicklung ist Teil einer allgemeinen Entwicklung in der Medienindustrie, bei Farbmagazinen, Farbfilmen und Videos. Gut über eine Million Pornovideos zirkulieren in Großbritannien. [91] Es gibt 46 Millionen Menschen über 15 Jahre zur Zeit in GB und 40 Prozent der Haushalte haben Videos. [92] Dies steigt auf 60 Prozent in Haushalten mit zwei Elternteilen und Kindern. [93] Die Pornofilme sind dabei mit der Zeit gegangen. Die Sets haben sich von dem simplen Hintergrund, der benutzt wurde, als Filme häufig in Garagen gedreht wurden, zu solchen entwickelt, die den Fernsehserien Dallas und Dynasty [Denver Clan] keine Schande machen würden. Nach Hebditch und Anning bleibt jedoch ein spezielles Kennzeichen der Pornofilme: Sie sind langweilig. Pornofilme folgen einer höchst schematischen Erzählstruktur, die kaum verändert wird. Sie argumentieren auch, dass 90 Prozent von Pornografie „zeigt, was allgemein als übliche sexuelle Aktivität gesehen würde“. Sie charakterisieren nur 10 Prozent als bizarr, mit Sadomasochismus und Ähnlichem. Ein Prozent ist Kinderpornografie. [94]

Obwohl die Benutzer hauptsächlich junge Männer zu sein scheinen, stellen Hebditch und Anning fest:

Es ist nicht mehr ungewöhnlich, dass Pornografie von Paaren gekauft oder ausgeliehen wird. Eine Umfrage eines seriösen Frauenmagazins in Kopenhagen ergab kürzlich, dass ein Drittel seiner Mittelschichtleserschaft mittleren Alters Pornos sahen, bevor sie mit ihren Partnern ins Bett gingen ... eine Untersuchung eines australischen Bestelldienstes berichtete, dass über 30 Prozent der Käufer Frauen sind. Auf Grund der Kosten (sogar auf legalen Märkten) ist Pornografie eher ein Hobby der Mittelschichten. [95]

Obwohl ich vorsichtig wäre, Urteile über die Klassenbasis der Pornonutzer anhand der Kosten für Videos abzugeben, entspricht das allgemeine Bild der vorangehenden Analyse, dass Sex für Beziehungen zwischen Paaren wichtiger geworden ist und sich die Einstellungen in den letzten paar Jahrzehnten veränderten. Pornos anzusehen mag immer noch die Aktivität einer Minderheit sein, aber kann kaum noch als das Privileg von Spinnern und komischen Kauzen abgetan werden. Pornografie erreicht eindeutig einen Massenmarkt von Männern, und etwas weniger, von Frauen.

In den Vereinigten Staaten zog die Erste Präsidentschaftskommission für Obszönitäten und Pornografie, die 1970 die Auswirkungen von Material mit eindeutig sexuellem, aber nicht gewalttätigem Inhalt untersuchte, folgenden Schluss:

Die Ergebnisse der verfügbaren Studien werfen erhebliche Zweifel hinsichtlich der These auf, dass Erotika ein bestimmendes Element entweder in Bezug auf das Ausmaß oder die Natur von individuellem Sexualverhalten sind. Solche Verhaltenseffekte waren, wie beobachtet werden konnte, kurzlebig und bestanden tatsächlich in einer vorübergehenden Zunahme von Masturbation oder Koitus unter Personen, die solche Aktivitäten praktizieren. [96]

Die Kommission hatte auch den Eindruck, dass der Familienhintergrund und konservative sexuelle Einstellungen ein „besserer Indikator für Sexualdelikte und andere abweichende Sexpraktiken sind als Eigenberichte über den Einfluss von Pornografiekonsumption.“ [97]

Einige Forscher bestehen darauf, dass Pornografie eine erzieherische Rolle spielt. 1978 zitierte C.F. Wilson eine Zahl von 20 Prozent amerikanischer Paare, die mit ihrem Sexualleben unzufrieden waren. Pornografie „versorgte sie mit Sexinformationen, reduzierte ihre sexuellen Verklemmungen, erhöhte ihre Bereitschaft, Sex mit anderen zu diskutieren, regte sie an, ‚Neues‘ auszuprobieren und verbesserte im Allgemeinen ihre sexuellen Beziehungen.“ [98]

1986 stellte die Kommission der US-Generalstaatsanwaltschaft in einem völlig veränderten politischen Klima fest, dass es eine Beziehung zwischen aggressiver Pornografie und Gewalt gegen Frauen gebe. Erstens lohnt es sich, sich in Erinnerung zu rufen, dass 90 Prozent aller Pornos Routinesex zeigen. Das Niveau von Gewalt im Playboy ist offenbar zur Zeit geringer als 1977 (und liegt unter dem von Kindercomics), weil Hefner seine Redakteure aufgefordert hat, auf das Gewaltniveau zu achten. 1977 waren 5 Prozent der Bilder in Playboy und Penthouse gewalttätig. Zweitens muss daran erinnert werden, dass Forscher selbst sowohl von den Argumenten des Feminismus als auch der „Moralischen Mehrheit“ beeinflusst sind, dass gewalttätige Bilder zu einer Zunahme in gewalttätigem Verhalten führe.

Trotz all der Probleme mit einigen der gegenwärtigen Forschungsmethoden – self-selecting Samples von Studenten [keine repräsentative Stichprobe, sondern zufällige Teilnahme], Experimente in höchst künstlicher Laborumgebung – sind einige der Ergebnisse erhellend. Erstens fanden Donnerstein und Malamuth, deren Ergebnisse von denen benutzt wurden, die nach einem Verbot von Pornografie rufen, beide heraus, dass Sexfilme überhaupt keinen Einfluss auf Männer hatten. [99] Aber Donnerstein (dessen Expertenzeugnis von Mackinnon im 1986er Missouri-Testfall benutzt wurde) fand heraus, dass der Level der Aggression von Männern gegen Frauen stieg, nachdem sie gewalttätige Vergewaltigungsszenen unter zwei Voraussetzungen gesehen hatten – dass die vergewaltigte Frau, die gezeigt wurde, scheinbar diese Vergewaltigung genoss, und dass der männliche Betrachter ohnehin schon ein Wutgefühl gegenüber Frauen hatte. [100] Zwei andere Forscher, Malamuth und Ceniti, kamen zu ähnlichen Ergebnissen. [101] Ironischerweise scheinen die Ergebnisse ganz andere Schlussfolgerungen zuzulassen als jene, die die Forscher zogen. Im wirklichen Leben können viele Frauen verhindern, dass der Übergriff vollendet wird, wie ich oben gezeigt habe. Auch können Frauen solch einen Übergriff nicht genießen. Der Unterschied zwischen der Fantasie und der realen Frau ist wichtig, so wie der Unterschied zwischen einem passiven Betrachter und einem aktiven Vergewaltiger. Reale Frauen versuchen zu kontrollieren, was Männer ihnen antun, und meistens reagieren reale Männer. Mit anderen Worten ist die Untersuchungsmethode äußerst fehlerhaft, weil sie überhaupt keine menschliche Interaktion einbezieht, sondern sich auf ein vereinfachtes behaviouristisches Reiz-Reaktions-Bild von menschlichen Handlungen stützt.

Viele Feministinnen vertreten ein ähnlich simples behaviouristisches Modell in Bezug auf menschliche Beziehungen. Bei gewalttätigen Videos ist es sicher die Gewalt, die die Aggression eines Mannes schürt, nicht der Sex. Ironischeweise werden „Slasher Videos“ (Gewaltvideos mit wenig Sex) oft als Alternative zu Sexfilmen produziert, weil sie die Obszönitätsgesetze umgehen, und werden als weniger gefährlich angesehen!

Die Forscher scheitern auch an der Frage, welche Frau am ehesten im Leben eines Mannes seine Wut auslöst. Die Antwort ist zweifellos, die Frau, mit der er zusammenlebt. Das verweist darauf, dass die Familie der gefährlichste Platz für eine Frau ist. Ein neuerer Artikel im New Statesman, der sich auf die Arbeit von Tony Black stützt, ehemals Chefpsychologe am Broadmoor Hospital, argumentierte, dass in Fällen häuslicher Morde, „der typische Mörder eher eine stille, zurückgezogene Person ist, die sozial anerkannt werden will und Schwierigkeiten hat, seine Gefühle auszudrücken oder zu erkennen“. Tony Black sagt: „Viele waren niemals fähig, die Beherrschung zu verlieren, und wenn sie töten, ist es ein verheerender Versuch, ihre Gefühle, nachdem sie lange Zeit unter Druck gestanden hatten, zu äußern.“ [102] Das ist weit entfernt von dem Bild, das Brownmiller beschwört – männliche Gewalt als organisiertes System, Frauen niederzuhalten. Im Gegenteil, es deutet auf eine Unzulänglichkeitskrise hin, die aus einer Unfähigkeit, mit Stress umzugehen, resultiert.

Die Natur und Rolle von Pornografie muss vor dem Hintergrund der enormen Umwälzungen im Leben der Menschen gesehen werden und der sich verändernden und widersprüchlichen Natur heutiger Sexualität. Die Faszination an Bildern, die Geschlechtorgane von Frauen zeigen, ist in einer Gesellschaft entstanden, in der Sex gleichzeitig alles durchdringt, aber wirkliche Nacktheit schlimmstenfalls als ungeheuerlich, zumindest aber als absonderlich gilt. Nacktheit ist schließlich ein Vergehen, für das man verhaftet werden kann. Wäre der Anblick von männlichen und weiblichen Körpern nicht auf die Privatheit des Schlafzimmers beschränkt, sondern ein Teil des öffentlichen Lebens, würde ein Teil der Faszination, die gerade Männer dazu bringt, Pornografie zu betrachten, verschwinden. [103]

Das erklärt auch, warum ein Teil der Rolle, die Pornografie spielt, die Rolle des Sexerziehers ist. Viele Leute wachsen unzureichend vorbereitet auf Pubertät und Sex auf, und Pornografie gibt Antworten, die sie woanders nicht finden können. Es ist kein Zufall, dass Playboy eine Ratgeberspalte hat. Eine Gesellschaft, die scheitert, ein wirkliches Verständnis von Sexualität zu vermitteln, sollte nicht überrascht sein, dass Magazine, die sich hauptsächlich an eine männliche Leserschaft wenden, übersät sind mit Bildern von Frauenkörpern. Angesichts der Strukturierung von Sexualität in der kapitalistischen Gesellschaft, sind solche Magazine vermutlich ein Ersatz – und dazu ein schlechter – für wirklich befriedigende emotionale und sexuelle Beziehungen. Sie sind eine Entstellung menschlicher Sexualität, ein Hindernis für Männer und Frauen, solche Beziehungen miteinander zu entwickeln.

Filme und Videos von Geschlechtsverkehr weichen, denke ich, hier ein wenig ab. Erstens sind sie nicht in derselben Weise wie Frauenstandfotos einseitig in Bezug auf Sex. Sie zeigen Männer wie Frauen im Geschlechtsakt. Es scheint mir nicht haltbar zu sein zu argumentieren, dass der Anblick von Geschlechtsverkehr schädlich ist, es sei denn, Geschlechtsverkehr an sich wäre schädlich. Es ist auch wichtig, zwischen der Abneigung, anderen Menschen beim Sex zuzusehen – aus Respekt vor dem Privatleben anderer – und Reaktionen zu unterscheiden, deren Ursache Prüderie ist.

Das wirkliche Problem dieser Filme ist nicht, dass sie gewalttätig seien – die meisten sind es nicht –, oder dass sie Frauenkörper als Sexobjekte für männliche Betrachter isolieren, was sie nicht speziell tun, sondern dass Sex gezeigt wird, der von menschlichen Beziehungen abgespalten wird. Sie handeln nicht von Sex, bei dem ein Mensch auf den anderen reagiert, sondern sie porträtieren einen physischen Akt für einen anonymen Betrachter. Solche Filme zeigen Sex in einer völlig entfremdeten, objektivierten Form. Sie sind ein Spiegelbild einer Gesellschaft, für die Sex eine Ware geworden ist und in der Frauenunterdrückung immer noch mit jeder Facette des Lebens fest verknüpft ist. Aber dieser Spiegel entstellt auch die Realität. Wirkliche Menschen leben dynamische Leben: Sie sprechen miteinander, streiten und kämpfen miteinander und versuchen Veränderungen für sich und andere zu erreichen. Gerade diese Art von Dynamik und menschlicher Interaktion fehlt bei Pornografie.

Gleichzeitig gibt es eine wirkliche Lücke im Leben der Menschen, und diese füllt Pornografie zum Teil für einige Leute. Diejenigen, die Pornografie entweder als Stimulans, als Ersatz oder als Quelle der Information nutzten, würden sie sicher gerne wegwerfen, wenn ihr Leben sich verändert. Männer, die prügeln, vergewaltigen und Frauen ermorden, sind außer Kontrolle geratene Individuen in einer Welt, in der der großen Mehrheit Kontrolle verweigert wird. Die meisten Männer vergewaltigen nicht, schlagen Frauen nicht oder begehen keinen Mord. Die meisten kämpfen mehr oder weniger erfolgreich mit dem Druck, Beziehungen und Familien aufrechtzuerhalten, suchen etwas Zuneigung und Erleichterung bei denen, die ihnen nahe stehen. Frauen bezahlen einen hohen Preis für das Scheitern einer Minderheit. Aber dieses Scheitern als Erfolgsstory männlicher Dominanz zu betrachten, heißt, die sozialen Kräfte, die zum Zusammenbruch einiger Individuen führen, vollständig zu ignorieren. Diese Individuen sind zu bemitleiden, nicht zu Sündenböcken abzustempeln.

 

 

Schlussfolgerungen

Dieses Journal hat eine lange Tradition zu versuchen, die Veränderungen in der Welt um uns herum zu begreifen. In Artikeln früherer Ausgaben wurde die sich verändernde Natur der Frauenunterdrückung in einer spätkapitalistischen Gesellschaft diskutiert. Ein Aspekt dieser Veränderungen sind ihre Auswirkungen auf die Sexualität. Unglücklicherweise wurde ein großer Teil der Debatte von radikalen Feministinnen dominiert, die die Welt durch das Prisma der Patriarchatstheorie betrachten und die Stellung der Frau in der Gesellschaft mit Ideen erklären, die bei Vergewaltigung, Pornografie und individueller männlicher Gewalt beginnen. Solch eine Herangehensweise dient nur dazu, das zu verschleiern, was erklärt werden muss, und reduziert komplexe Prozesse auf eine Einzeldimension männlichen Verhaltens. Das Ziel dieses Artikels war, das Muster von Vergewaltigung und Pornografie im Kontext von Veränderungen in der kapitalistischen Gesellschaft und der veränderten Realität für Frauen zu erklären.

Die Auswirkungen von außerhäuslicher Arbeit, die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln und Abtreibung hat Frauen viel größeres soziales Gewicht innerhalb der Gesellschaft verliehen und die Erwartungen der Frauen hinsichtlich ihrer Möglichkeit, ihr Leben und ihre Körper zu kontrollieren, steigen lassen. Frauen wollen gleichbehandelt werden und mit Respekt und Würde, und sie wollen befriedigende persönliche Beziehungen haben. Diese Veränderungen hatten wiederum ihre Auswirkungen auf die Familie, die kleiner geworden ist. Die Basis für die Familie bleibt die Versorgung von Kindern, die Reproduktion der nächsten Generation der Arbeitskräfte. Aber dies nimmt verhältnismäßig weniger Zeit im Erwachsenenleben in Anspruch als in der Vergangenheit. Dennoch bleibt die Familie, die Frauen die doppelte Last der Hausarbeit und der Arbeit aufbürdet, die Wurzel der Frauenunterdrückung, die Institution, die das Leben jedes Einzelnen strukturiert. Frauen haben größere wirtschaftliche und soziale Unabhängigkeit und gestiegene Erwartungen, bleiben jedoch ungleich in dieser Gesellschaft. Arbeiterklassefrauen tragen die Last von den zwei ineinandergreifenden Ungleichheiten von Klasse und Geschlecht.

Diese Veränderung im Leben von Frauen entwickelte sich in einer Gesellschaft, in der jede Facette unseres Alltagslebens der Warenproduktion untergeordnet ist. Die Lebensmittel, die wir essen, die Häuser in denen wir leben, die Transportmittel, die wir benutzen, die Kleidung, die wir tragen, die uns zur Verfügung stehenden Vergnügungs- und Erholungseinrichtungen sind alle den Gesetzen der kapitalistischen Gesellschaft unterworfen. Sexualität ist und kann keine Ausnahme sein. Andererseits hat Kontrolle über die Reproduktion Sexualität von der eisernen Hand der Fortpflanzung befreit. Teilweise deswegen und wegen des fortgesetzten Einflusses der Zeit, in der sie aufkam – die „freizügigen Sechzigerjahre“ –, sind die Einstellungen zu Sexualität unvergleichlich offener als zu viktorianischen Zeiten. Frauen und Männer können Erfahrungen aus erster Hand in persönlichen und sexuellen Beziehungen machen, ohne zuerst heiraten zu müssen, und es gibt zumindest eine Art von Sexualunterricht in Schulen.

Heute gilt es als Gewissheit, dass Frauen sexuelle Wesen sind, die Sex für sich selbst genießen können. Das ist ein erheblicher Fortschritt. Das ist einer der Gründe, warum sich die Debatte heute um die Vergrößerung des Vergnügens durch die Befreiung der Frauen von der Angst vor Vergewaltigung und Gewalt dreht. Im 19. Jahrhundert nahmen Debatten um Sexualität die Form von Kampagnen gegen Prostitution an. Damit wurden nur die repressiven Haltungen gegenüber Sex im Allgemeinen gefördert und die Ansicht bestärkt, dass „gute“ Frauen Sex nicht mögen. Prostitution ist auch nicht mehr wesentlich für das Überleben so vieler Arbeiterinnen in entwickelten kapitalistischen Gesellschaften im Gegensatz zu früheren Zeiten. Aber es ist immer noch der Fall, dass die Sexualität der Frauen in der Ungleichheit gefangen ist, die ihr ganzes Leben formt.

Gerade in dem Moment, als die Tür zu einer offeneren befriedigenderen Sexualität durch den Kapitalismus geöffnet wurde, wurde sie auch wieder durch die Widersprüche, die einer Gesellschaft, welche auf Ausbeutung der Mehrheit sowohl der Männer als auch der Frauen und auf Frauenunterdrückung beruht – innewohnen, zugeschlagen. Sex wurde zur Ware außerhalb der Kontrolle von Männern und Frauen. Er ist eine Ware, die Männer von Frauen durch faire oder unfaire Methoden bekommen, und er wird benutzt, um andere Waren zu verkaufen. Das Alltagsleben beinhaltet für die große Mehrheit so viel Stress und Belastung, dass ein befriedigendes Sexualleben eher ein Traum als eine wirkliche Möglichkeit wird. Die Tatsache, dass persönliche Beziehungen so oft durch die Erwartung erfolgreichen Sexes dominiert sind, verstärkt nur den Druck und beleuchtet den Kontrast zur Realität. Dieser widersprüchliche Druck reicht zu tief, als dass diese Erwartungen erfüllt werden könnten.

In einer Gesellschaft, die sich auf die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse stützt, wäre Sexualität gewiss in den gesamten Bereich menschlicher Erfahrung auf völlig andere Weise integriert. In der heutigen Welt werden sich die Widersprüche selbst dem Leben der Menschen aufdrängen. Die Mehrheit wird weiterhin darum kämpfen, so viel Zuwendung und Befriedigung wie möglich zu erreichen, während eine Minderheit weiterhin zusammenbrechen wird angesicht desselben Drucks. Dieser Zusammenbruch kann unterschiedliche Formen annehmen.

Dieser Artikel hat lediglich versucht, zwei dieser Formen anzusprechen – Vergewaltigung und Pornografie. Der Grund dafür ist politisch. Eine lange Zeit waren Sozialisten mit einer Theorie zu Vergewaltigung und Pornografie konfrontiert, die unter Feministinnen und Sozialisten nahezu eine Vormachtstellung hatte, eine Theorie, die die Bedeutung von Klasse zum Verständnis von Gesellschaft zurückweist. [104] Der Niedergang der Bewegungen und der Ruck nach rechts, der die späten 1970er und frühen 1980er begleitete, brachte mit sich, dass Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt einer Perspektive für die Frauenbefreiung rückte. Die Ergebnisse waren widersprüchlich. Einerseits wurde ein wirkliches Problem im Leben von Frauen aufgedeckt. Andererseits führte die politische Analyse, die dahinterstand, dazu, die Energien der Frauen von einem wirklichen Angriff auf die Gesellschaft abzuziehen. Radikale Feministinnen verwechselten Gewalt gegen Frauen mit der wirklichen Macht von Männern über Frauen. Statt zu sehen, dass Vergewaltigung und Pornografie ein Resultat des Mangels an Macht für die Mehrheit der Frauen und Männer war, schrieben sie beides der männlichen Macht zu.

Das Ergebnis war, die Aufmerksamkeit der Frauen auf den Kampf gegen Männer in ihrem persönlichen Leben zu richten, statt zu argumentieren, dass Arbeiterklassefrauen und -männer gemeinsam darum kämpfen müssen, die Gesellschaft zu stürzen, die die Bedingungen für Vergewaltigung und Pornografie geschaffen hat. Als Folge der Debatte zur Gewalt gegen Frauen wurden sozialistische Feministinnen und sozialistische Ideen an den Rand gedrängt und in Wahrheit bürgerliche Ideen gestärkt. In diesem Artikel habe ich versucht zu zeigen, dass radikale feministische Theorien zu Vergewaltigung und Pornografie unzulänglich und irreführend sind. Stattdessen wollte ich einen Rahmen schaffen, diesen Aspekt von Frauenunterdrückung besser zu verstehen. Hoffentlich gibt es Revolutionären auch zusätzlich Selbstbewusstsein, dass Marxismus der radikalen feministischen Theorie als Anleitung zur Veränderung der Welt weit überlegen ist.

 

 

Anmerkungen

Dieser Artikel hätte nicht ohne die Debatte innerhalb der Socialist Workers Party geschrieben werden können, mit deren Hilfe unser theoretisches Verständnis von Frauenunterdrückung und der Beziehung zwischen Frauenfrage und Klassenkampf geklärt werden konnte. Von besonderer Bedeutung waren die Beiträge von Tony Cliff in Class Struggle and Women’s Liberation (London, 1984), und Lindsey Germans Buch Sex, Class and Socialism (London, 1989). Julie Waterson war Wegbereiterin zur Frage von Vergewaltigung und Pornografie auf Veranstaltungen und in Artikeln für Socialist Worker und Socialist Worker Review. Vielen Dank an Sue Clegg, Lindsey German, John Molyneux, Ann Rogers und Julie Waterson für ihre Kommentare und Kritik. Besonderen Dank dem Herausgeber.

1. S. Brownmiller, Against our Will, (Harmondsworth, 1976), S.13-14

2. Ebd., S.14-15

3. Die Ursache hierfür liegt zum Teil in der Haltung der Polizei, aber hauptsächlich in der Natur der meisten Vergewaltigungen – dass Frauen ihren Vergewaltiger kennen.

4. London Rape Crisis Centre, Sexual Violence: The reality for women (London, 1984)

5. Ebd., Vorwort

6. K. Livingstone, The Independent, 2.9.1989

7. Siehe D. Russell, Sexual Exploitation (London, 1984). S. Ageton, Sexual Assault Amongst Adolescents (Lexington Massachusetts, 1985), R. Warshaw, I Never Called it Rape (Ms Report, New York, 1988), S. Katz, M.A. Mazur, Review of Rape Literature (1979), zit. n. D. Russell, R. Hall, Ask Any Woman (Bristol, 1985).

8. Zit. n. E. Wilson, What is to be Done About Violence Against Women (London, 1983), S.162

9. E. Burke Leacock, Myths of Male Dominance (London, 1981)

10. C. Turnbull, The Wayward Servant (London, 1966)

11. E. Blackwood, Sexuality and Gender in Certain Native American Tribes: the Case of Cross-Gender Females (Signs 10, 1985), S.27-42

12. Feministinnen verweisen oft auf Geschichten aus Jäger-Sammler-Gesellschaften, in denen Frauen Opfer von Gewalt sind, ohne die Beziehungen zwischen solchen Gruppen und anderen Gesellschaften zu betrachten. Der Kolonialismus und der Markt entstellen egalitäre Beziehungen. Der Fall der Yanomamo-Indianer in Brasilien und Venezuela, der oft als Beweis benutzt wird, um zu illustrieren, dass Jäger-Sammler-Gruppen extrem gewalttätig sein können, beweist tatsächlich wenig. Die interpersonelle Gewalt klingt schrecklich, aber dann muss daran erinnert werden, dass dies die einzige Gruppe in der Region ist, die die spanische Eroberung überlebt hat. Die Auswirkungen der Kriegsführung gegen sie von außen und der gegenwärtige Mangel an Nahrung in dem Gebiet, in dem sie leben, reichen aus, um die heutige Gewalt zu erklären. Wenn überhaupt, verweist der Fall der Yanomamo auf ein anderes wichtiges Muster von Gewalt in menschlicher Gesellschaft – wo es Gewalt gegen Frauen gibt, gibt es auch Gewalt gegen Männer durch andere Männer, die um die Vorherrschaft kämpfen. Ausführlich wird dieses Argument in E. Leacock, a.a.O., oder P. Sanday, Female Power and Male Dominance (Cambridge, 1981) diskutiert.

13. R. Rohrlich, The State Formation in Sumer and the Subjugation of Women, Feminist Studies, Frühjahr 1980

14. Ebd., S.97

15. Ebd., S.97

16. S. Brownmiller, a.a.O., S., 18

17. Ebd., S.11

18. P. Sanday, a.a.O., S.15

19. Zit. n. Violence Against Women, A Critique of the Sociobiology of Women, Hrsg. S.R. Sanday, E. Tobach (New York), S.49

20. C. Harman, Socialist Review, September 1984 (London), Nr.68, S.15

21. Eine umfangreiche Erklärung der Wandlung der Familie durch die Entwicklung des Kapitalismus findet sich in L. German, Sex, Class and Socialism (London, 1989)

22. Siehe J. Weeks, Sex, Society and Politics (London, 1989); J.R. Gillis, For Better, For Worse, British Marriages 1600 to the Present (Oxford, 1985); A. Clark, Women’s Silence, Men’s Violence (London, 1987).

23. 1929 wurden 80 Prozent der Haushaltswaren von Frauen gekauft. Zit. n. E. Stuart, Captains of consciousness (New York, 1976), S.167

24. Ebd., S.178

25. Social Trends, Central Statistical Office (London, 1988), S.47

26. Ebd., 1969, S.41

27. British Social Attitudes, Social and Community Planning Research (Aldershot, 1988), S.36

28. Social Trends, a.a.O., S.47

29. Ebd., S.39

30. 1948 sagte eine führende Person der Eheberatungsbewegung, „eine gute Einstellung von Ehemann und Ehefrau zu Sex bedeutet befriedigende Orgasmen für beide – gleichzeitige Orgasmen sind eine wünschenswerte Idee“. Etwa zur selben Zeit produzierte die kommunale Eheberatung eine Bestsellerbroschüre mit dem Titel „Wie eine junge Ehefrau behandelt werden muss“, in der argumentiert wurde, dass Sexualtechniken von Männern notwendig zur Befriedigung von Frauen seien.

31. S. Hite, Women and Love (London, 1969), S.xxxiv. Obwohl die Debatte in der Frauenbewegung ursprünglich einige richtige Einsichten zur Frage von Frauensexualität hervorbrachte und das Thema von Frauen als Subjekten des Geschlechtsverkehrs im Gegensatz zu passiven Objekten für Männer im Bett thematisierte, verlor sie sich bald in der politischen Debatte über die Wurzeln der Frauenunterdrückung. Die Dominanz des radikalen Feminismus führte zu politischem Lesbentum, das jede Art von Geschlechtsverkehr mit Männern als „den Feind vögeln“ betrachtete. Ein Argument für Gegenseitigkeit wurde ersetzt durch eins für vollständige Enthaltsamkeit von Sex mit Männern.

32. Siehe Magazine wie 19 oder MISS.

33. M. Schofield, The Sexual Behaviour of Young Adults (London, 1973), S.164 und 169

34. Statistiken zit. n. Gorer in J. Gathorne-Hardy, Love, Sex, Marriage and Divorce (London, 1981) S.327

35. M. Schofield, a.a.O., S.23

36. Ebd., S.26

37. Ebd., S.167

38. Ebd., S.162

39. Ich habe eine Reihe verschiedener Studien für diesen Artikel benutzt (siehe Anmerkung 7), um zu erklären, was vor sich geht. Es gibt eine Reihe von Problemen, deren sich die Leser bewusst sein müssen. Erstens sind die meisten Studien einseitig, weil sie die Frage von Vergewaltigung isoliert von der Mehrheitserfahrung hinsichtlich Sexualität betrachten. Zweitens variiert die Grundlage der Studien enorm. Russells Studie stützte sich auf einen ordentlich zusammengestellten repräsentativen Querschnitt von knapp 1.000 Frauen in San Francisco. Die Nationale Kriminalitätsstudie wurde eindeutig landesweit durchgeführt und war deshalb im Ansatz viel weiter gefasst. Halls Studie stützte sich auf Fragen, die zufälligen Individuen ausgehändigt (obwohl an ausgewählten Orten in London) und dann freiwillig zurückgegeben wurden. Deshalb ist ihre Studie keine repräsentative Stichprobe von Frauen in London. Die Umfrage von Ms bezieht sich nur auf Studenten. Hites Studie stützte sich auf Eigenberichte, allerdings von 15.000 Frauen, von denen sie eine Stichprobe von 4.500 nahm, die den demografischen Bedingungen in der USA sehr nahe kam. Die Stärke von Hites Studie ist, dass sie die Beziehungen von Frauen als Ganzheit betrachtet und ihr Ausgangspunkt ist, dass Beziehungen durch kulturelle statt biologische Faktoren geformt sind. Leider hatte ich keinen Zugang zu ihrer Studie über Männer, die nach der gleichen Methode durchgeführt wurde. Ein Hauptproblem bei fast all diesen Studien ist die politische Annahme der Forscher, dass Klasse nicht zählt. Die Patriarchatstheorie (männliche Dominanz über Frauen unabhängig von Klassengesellschaft) ist so durchdringend, dass Forscher entweder beweisen wollen, dass Klasse irrelevant ist, oder einfach nicht versuchen herauszufinden, ob es so ist. Eine Ausnahme ist Schofields Arbeit über Großbritannien in den 1960ern und frühen 1970ern. Die Ageton-Studie ist eine teilweise Ausnahme.

Es gibt auch Probleme bei der Definition von Klasse. Wenn das Material so einseitig und unbefriedigend ist, warum sich dann überhaupt darauf beziehen? Teilweise, weil es nichts anderes gibt, und teilweise, weil trotz der Beschränkungen in der Forschung bestimmte Themen oft wiederkehren. Ich denke, es ist deshalb möglich, ein Muster zu erkennen, das in eine sensible Analyse der Gesellschaft integriert werden kann. Zahlen in diesem Text sollten nicht als absolut, sondern als Indikatoren gelesen werden.

Als Letztes: Der Großteil der Arbeit stützt sich auf die USA. Obwohl es erhebliche Gemeinsamkeiten zwischen den USA und Großbritannien gibt – beide sind entwickelte kapitalistische Gesellschaften -, gibt es auch Unterschiede, die sich auf das Vorkommen von Vergewaltigung auswirken können, was ich aber nicht beweisen kann. Zum Beispiel verläuft das soziale Leben an den Campusuniversitäten in den USA viel getrennter von der übrigen Gesellschaft als in der Regel in GB, und wird bestimmt von einem Vereinssystem. Es wirkt so, als würde das studentische Sozialleben hier vom Rugbyclub kontrolliert. Das hohe Vorkommen von Vergewaltigung an den Campusunis in den USA mag sehr wohl durch diese Faktoren beeinflusst sein. Andere Differenzen zwischen den beiden Ländern sind eine viel höhere Dichte der Gewerkschaftsorganisation unter Männern und Frauen in GB und die Existenz einer (sozialdemokratischen) Arbeiterpartei. Trotz der Beschränkungen beider glaube ich, dass die Erfahrung von kollektiver Organisation von Männern und Frauen zu sozialen und politischen Zwecken, die sich zumindest von der Vorstellung her auf Gleichheit stützt, einigen Einfluss auf den „Kultivierungs“-Prozess von Männern und Frauen hat. Die Tatsache, dass die ganze Debatte zur Gleichstellung von Frauen und Gewalt gegen Frauen von sozialistischen Feministinnen innerhalb der Gewerkschaften und der Labour Party geführt wurde, heißt, dass letztendlich solche Ideen von einer ziemlich großen Zahl in ernsthafter Weise diskutiert wurde. Die Tatsache, dass so ungleiche Gewerkschaften wie die der Feuerwehrleute, die FBU, mit einer Mehrheit von männlichen Mitgliedern, und NALGO, die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes, mit einer Mehrheit von Frauen als Mitglieder, Strukturen entwickelt haben, mit den Beschwerden von Frauen umzugehen, muss dazu beitragen, einen Maßstab für akzeptables Verhalten von Männern gegenüber Frauen zu setzen. Aber auch dies kann ich nicht beweisen.

Obwohl beide Gesellschaften im letzten Jahrzehnt einem starken Ruck nach rechts unterworfen waren, gibt es wichtige Unterschiede. GB hat nicht dieselbe mächtige Bewegung der „Moralischen Mehrheit“ erlebt und den Einfluss von religiösem Fundamentalismus. Ausgeprägte Ansichten über die Familie, ein starker Glaube an die angeborenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen und religiöse Ideen formen die Haltung zu Frauen und Sexualität. Religiöse Ansichten haben meistens einen „hemmenden Effekt“ auf die Einstellungen von Menschen zu Sex. Aber die Auswirkungen des letzten Jahrzehnts müssen unweigerlich widersprüchlich sein wegen der Realität der Veränderungen im Leben von Frauen, da sie jetzt als fester Bestandteil der Ökonomie außer Haus arbeiten. Sowohl in den USA als auch in GB glaubt zum Beispiel eine Mehrheit der Menschen immer noch an das Recht der Frauen auf Abtreibung und an das Recht beider Geschlechter auf vorehelichen Sex. Andererseits waren die Einstellungen zur Homosexualität viel schärferen Ausschlägen Richtung Intoleranz in den letzten sechs Jahren unterworfen. Aber in den USA scheint es weniger Toleranz gegenüber vorehelichem Sex und Homosexualität zu geben als in GB, nach den Daten, die die British Social Attitudes Survey, 1988 (a.a.O., S.37) präsentiert. Im Allgemeinen lassen die Daten den Schluss zu, dass die Liberalisierung sexueller Einstellungen, die seit den frühen 1970ern aufkam, konstant geblieben ist.

40. R. Hall, a.a.O., S.69

41. Russell, a.a.O., S.60

42. Alle Studien, auf die ich mich in Anm. 7 bezogen habe. Russell zitiert auch S. Katz und M.A. Mazur, Das Risikoalter sind Jugendliche in der Pubertät (Alter zwischen 13 bis 17), junge Erwachsene (18-24 Jahre), a.a.O., S.79. Russell zitiert auch folgende Statistiken von D. Mulvihill, M. Tumin und I. Curtis im Report on Crimes of Violence der US-Bundesregierung von 1969: Vergewaltigungen 47 Prozent bei unter 17 Jährigen, 29 Prozent bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren, und 24 Prozent bei 26-Jährigen und älter, S.79

43. S. Ageton, a.a.O.,

44. Ebd., S.25

45. Ebd., S.39

46. Ebd., S.43

47. Ebd., S.43

48. Ebd., S.50

49. Ebd., S.53

50. Ebd., S.50

51. Ebd., S.99

52. Ebd., S.98

53. Ebd., S.40

54. Ebd., S.16

55. R. Warshaw, a.a.O.,

56. Ebd., S.90

57. Ebd., S.84

58. Ebd., S.63

59. Siehe Anm. 38

60. Vergewaltigung in der Ehe gab es zweifellos in anderen Klassengesellschaften wegen der Existenz der Familie. Es muss auch darauf hingewiesen werden, dass dies nicht die anderen Arten von Vergewaltigung erschöpft, die es in verschiedenen Klassengesellschaften gibt, ebenso wie Vergewaltigungen im Krieg, zu denen es in der kapitalistischen Gesellschaft kommt.

61. P. Smith, New Statesman, 7. Juli 1989, S.11

62. R. Hall, a.a.O., S.90

63. D. Russell, a.a.O., S.61

64. R. Hall, a.a.O., S.94

65. Ebd., S.91

66. Ebd., Siehe S.93-98

67. Zit. n. J.R. Schwendinger und H. Schwendinger, Rape and Inequality (Kalifornien, 1983), S.217

68. Diese Schlussfolgerungen wurden am 25. September 1989 in einem World-in-Action-Programm zur Vergewaltigung in der Ehe bestätigt, gestützt auf eine Befragung von 1.000 Frauen durch das Zentrum für Kriminologie am Middlesex Polytechnikum.

69. Zit. n. J.R. Schwendinger und H. Schwendinger, a.a.O., S.213

70. F. Engels, Zur Lage der arbeitenden Klasse in England (in der englischen Ausgabe London 1974, S.160)

71. D. Farrington, Cambridge Institute of Criminology, zit. n. S. Helms in einem Artikel Delinquency Study Links Crime with Deprivation im Independent, 20. Juli 1989

72. Zit. n. Russell, a.a.O., S.85

73. Ebd., S.85

74. S. Ageton, a.a.O., S.122

75. R. Hall, a.a.O., S.49

76. Ebd., Kapitel 2

77. J.R. Schwendinger und H. Schwendinger, a.a.O., S.215

78. Brownmiller, a.a.O., S.394

79. A. Dworkin, Interview in Spare Rib (London, Juni 1986), S.40

80. Dworkin, Interview in Feminist Review (London), Nr.11, Juni 1982, S.25

81. S. Brownmiller, a.a.O., S.15

82. „Pornografie beinhaltet alle Formen visueller und verbaler Demütigung von Frauen zur sexuellen Erregung von Männern, von Seite drei der Sun zu Striptease und Geißelfilmen, plus die Ausbeutung und Demütigung von Frauen zu ökonomischem Gewinn, also Werbung, Unterhaltung etc.“ – Aussage in Women against Violence against Women, Hrsg. D. Rhodes und S. McNeill, von der Leeds Sexual Violence Against Women Conference im November 1980, S.13

83. J. Gathorne-Hardy, a.a.O., S.325

84. Ebd., S.324

85. Ebd., S.325

86. L.D. Scanzoni und J. Scanzoni, Men, Women and Change (London, 1981), S.111

87. Ebd., S.110

88. M. Schofield, a.a.O., (1965) S.103 und (1973) S.176 entsprechend

89. S. Hite, a.a.O., S.5-15. Ähnliches vertritt Lillian Rubin, die feststellt, dass besonders Arbeiterklassemänner dazu neigen, sich in sich selbst zurückzuziehen, zit. n. T. Cliff, Class Struggle and Womens’s Liberation (London, 1984), S.214

90. S. Hite, a.a.O., S.45-73

91. D. Hebditch und N. Anning, Porn Gold, (London, 1988), S.1

92. Social Trends 19, HMO (London, 1989), S.24

93. Ebd., S.164

94. D. Hebditch und N. Anning, a.a.O., S.367 und S.371

95. Ebd., S.372

96. Zit. n. E. Donnerstein, D. Linz und S.Pernod, The Question of Pornography (New York, 1987), S.30

97. Ebd., S.33

98. Ebd., S.93

99. Ebd., Die volle Beschreibung der Experimente findet sich in Kapitel 3, S.38

100. Ebd., S.96

101. Ebd., S.102

102. P. Smith, a.a.O., S.14

103. Das wird offensichtlich an den verschiedenen Einstellungen zu Nacktheit in verschiedenen Ländern.

104. In letzter Zeit haben eine Reihe sozialistischer Feministinnen die Ansichten der radikalen Feministeninnen zu Pornografie und Vergewaltigung angegriffen. Siehe L. Segals nützliches Kapitel, Beauty and the beast I: Sex and violence in Is the future female? (London, 1987). M. Benns Artikel Adventures in the Soho skin trade in New Statesman, 11. Dezember 1987. E. Wilson, What is to be Done About Violence Against Women (Harmondsworth, 1983).


von Sheila McGregor


Originaltitel: Rape, pornography and capitalism
aus: International Socialism 2:45, Winter 1989, S.3-31.
Übersetzung: R. Nünning
HTML-Markierung: Einde O’Callaghan


International Socialism Journal Nr. 45, Winter 1989/1990





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