Nahost-Konflikt: Israel greift erneut Autonomiegebiete an

Der israelische Premierminister Sharon hat den Krieg gegen die Palästinenser ausgeweitet. Die Regierungen der USA und Israels behaupten, dies sei notwendig, um "den palästinensischen Terrorismus zu bekämpfen" und Selbstmordattentate zu verhindern.

Selbstmordattentate

Dass junge Palästinenser bereit sind, sich für ihre politischen Ziele in die Luft zu sprengen, liegt an den Lebensbedingungen der Menschen. Palästinenser werden zu Selbstmordattentätern, weil sie ihr ganzes Leben gedemütigt und beraubt werden. Sie kämpfen gegen die Besetzung ihres Landes und ihr Widerstand ist berechtigt. Sie haben keine Waffen, um gegen die Bomber und Panzer der israelischen Armee vorzugehen. Viele Palästinenser würden es vorziehen, mit Panzergranaten und Boden-Luft-Raketen die israelischen Mordinstrumente zu zerstören.

Solange das nicht möglich ist, werden sie sich nur mit Terroranschlägen wehren können. Einige der militanten palästinensischen Gruppen scheinen jetzt hauptsächlich Attentate auf israelische Siedler zu verüben. Mohammed al-Roul, einer der Selbstmordattentäter der letzten Woche, zündete seine Bombe in einem Bus nahe der illegalen Siedlung Gilo und tötete dabei 19 Menschen. Ein andere Palästinenser tötete fünf Siedler in der Itamar-Siedlung nahe Nablus. Mehrmals wurden auch Soldaten angegriffen.

Israelische Panzer haben am Wochenende die Hauptwohngebiete der Palästinenser im Westjordanland für unbegrenzte Zeit besetzt. Einige israelische Politiker fordern die Vertreibung aller Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen.

Panzer und Soldaten sind durch Dschenin, Nablus, Bethlehem, Tulkarim, Qalqiliya und Ramallah gefegt. Dabei wurden zehn Menschen getötet, unter anderem drei palästinensische Kinder beim Einkaufen in Dschenin.

Auch das Hauptquartier des palästinensischen Präsidenten Arafat in Ramallah wurde wieder von Panzern umstellt. Dort hatten ihn israelische Panzer schon früher für Monate festgehalten.

Nun haben sie das Gebäude als Vergeltung für Angriffe auf Israel fast vollständig zerstört. Arafat muss nun in einem der wenigen noch stehenden Räume arbeiten.

Die israelische Regierung hat mit dem Bau eines 400 Kilometer langen "Sicherheitszaunes" begonnen, der die Palästinenser im Westjordanland von Israel trennen soll. Sharon überlegt auch, die Familien von Selbstmordattentätern vom Westjordanland in den Gazastreifen umzusiedeln.

Damit führt Israel eine 54-jährige Geschichte der Unterdrückung der Palästinenser fort. Israel wurde 1948 auf aus 78 Prozent des früheren Palästina gegründet, indem man 750.000 Palästinenser in den Gazastreifen und das Westjordanland vertrieb. 1967 besetzte Israel auch diese Gebiete.

Mittlerweile kontrollieren israelische Truppen und Siedler fast die Hälfte des Westjordanlandes, obwohl der Osloer Friedensvertrag den Palästinensern begrenzte Kontrolle ihrer Gebiete zugesprochen hatte. Der Friedensprozess war ein Betrug durch ihn wurde die Kontrolle Israels über die Palästinenser festgeschrieben.

Die Zahl der illegalen israelischen Siedler in den Besetzten Gebieten verdoppelte sich während des Friedensprozesses.

Rund 7.000 Siedler kontrollieren heute 30 Prozent des Gazastreifens, wo 1,2 Millionen Palästinenser leben.

Israelische Siedler liefen letzten Freitag nahe Nablus Amok, terrorisierten ein ganzes Dorf und erschossen dabei einen Mann. Die israelische Armee kontrolliert 42 Prozent des Westjordanlandes. Das Gebiet ist in acht Bezirke aufgeteilt. Die Straßen zwischen den Bezirken kontrolliert die israelische Armee. Regelmäßig wird die Durchfahrt für Araber gesperrt.

Erst letzte Woche starb der Palästinenser Awda Abd-Allah an einer Straßensperre nördlich von Ramallah, weil israelische Soldaten den Krankenwagen in dem er lag, nicht durchließen. Er war der 66. Palästinenser, der seit Beginn der Intifada gestorben ist, weil ihm ärztliche Hilfe vorenthalten wurde. Die Straßenblockaden sind für die Palästinenser eine Katastrophe, weil Nahrungsmittel, Medizin und andere wichtige Dinge nicht durchgelassen werden.

Die Wirtschaft ist zerstört worden drei Viertel aller Palästinenser leben von weniger als 2 US-Dollar pro Tag. Der israelische Staatsterror hat sich während der letzten Monate noch verschärft. Israelische Soldaten treiben regelmäßig alle Männer in palästinensischen Dörfern und Städten zusammen. Mehr als 7.000 palästinensische Männer werden gegenwärtig in israelischen Gefängnissen festgehalten, weil man sie verdächtigt, mit militanten palästinensischen Gruppen in Verbindung zu stehen.

Viele Medien behaupten, dass die Gewalt fast nur von einer Seite ausginge: Palästinensische "Terroristen" jagen sich selbst und unschuldige Israelis in die Luft. Aber seit dem Beginn der neuen Intifada im September 2000 sind über 1.500 Palästinenser und über 500 Israelis getötet worden.

US-Präsident Bush unterstützt Israels Krieg. "Dies ist Sharons Finale: Er stellt die israelische Besetzung wieder her, zerstört die Palästinenserbehörde und ersetzt sie durch israelische Verwaltung", sagt der palästinensische Minister Saeb Erekat. "Sie haben seit Monaten völlige Kontrolle über das Westjordanland. In den letzten 29 Tagen sind israelische Panzer 127mal vorgedrungen. Jetzt bleiben sie einfach, statt zu kommen und sich wieder zurückzuziehen."

Trotz der israelischen Repression schaffen es einzelne Palästinenser, Anschläge in Israel zu verüben. Das wird so weitergehen, solange es für die Palästinenser keine wirkliche Gerechtigkeit, kein Land und keinen Frieden gibt.




Linksruck Nr. 133, 1. Januar 1970





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