25 Jahre Iranische Revolution: Buchtipp „Persepolis“:

Revolution für Freiheit

Die Comic-Autorin Marjane Satrapi gibt der iranischen Revolution 1979 ein menschliches Gesicht.

Marjane Satrapi: Persepolis – Eine Kindheit in Iran
Edition Moderne, Zürich
160 Seiten, 22 Euro
„1979 hatte es eine Revolution gegeben, die später die ‚islamische Revolution’ genannt wurde“. Mit diesem Satz beginnt die in Paris lebende, 1969 geborene Iranerin Marjane Satrapi ihren autobiographischen Comic „Persepolis – eine Kindheit in Iran“. Darin erzählt sie die Geschichte der iranischen Revolution aus der Sicht der kleinen, aufgeweckten, naseweisen Marji, deren Eltern 1979 bei dem linken Aufstand gegen die von den USA eingesetzte Schah-Diktatur mitkämpften.
In schlichten, rührenden und komischen Bildern zeigt Satrapi die Welt ihrer Jugend. Schon mit sechs Jahren kämpft sie gegen Ungerechtigkeiten in ihrer eigenen Umgebung. Sie ist tief religiös und will Prophetin werden, „weil das Dienstmädchen nicht mit uns am Tisch aß, weil Vater einen Cadillac fuhr und vor allem, weil Großmutter immer Schmerzen im Knie hatte.“ Jeden Abend sucht sie Zuflucht bei Gott, mit dem sie sich vor dem Einschlafen berät, wie sie eine bessere Welt erkämpfen kann.
Die politischen Diskussionen im Haus ihrer Eltern und die Massenproteste gegen die USA und ihre Marionette Reza Schah, dessen Folterknechte ihren Opa ermordeten, beflügeln die kleine Marji. Sie begeistert sich für den kubanischen Revolutionär Che Guevara und liest Comics, die ihr die Ideen von Karl Marx erklären, den sie nachts mit Gott diskutieren lässt. Auch für Marji ist die Flucht des Schahs vor den iranischen Studenten und Arbeitern ein Festival der Unterdrückten. Deren Revolte durchkreuzte die damaligen Großmachtpläne der USA.
Nach der Machtergreifung der Anhänger Khomeinis rebelliert Marji gegen den Kopftuchzwang und die Mullah-Diktatur. Jeansjacke und Nike-Turnschuhe gelten als „konterrevolutionär“. Marji hält sich natürlich nicht an das Verbot und wird prompt von einer finsteren „Revolutionswächterin“ festgehalten. Die gewitzte Marji versucht ihr weis zu machen, dass auf ihrem Michael Jackson-Button in Wirklichkeit Malcolm X ist, der Führer der Befreiungsbewegung der Schwarzen in den USA.
Mit 14 schicken ihre Eltern Marjane ins österreichische Exil – nicht nur, weil sie fürchten, dass sie sich mit ihrer aufmüpfigen Art in Lebensgefahr bringt. In Teheran schlagen inzwischen täglich Raketen aus dem Irak ein, den die USA und die westlichen Mächte nach ihrem Rausschmiss aus dem Iran aufrüsten und zum Krieg gegen das Nachbarland ermutigt haben.
„Als ich in Frankreich ankam, fielen mir sofort die Vorurteile gegenüber meiner Heimat gegenüber auf“, sagt Satrapi in einem Interview darüber, warum sie „Persepolis“ geschrieben hat. Sie hat die Sprache des Comic gewählt, weil sie „international ist und von allen verstanden werden kann.“ Jedem, der mehr erfahren möchte über die iranische Revolution und die Iraner, die vor 25 Jahren für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft haben, sei „Persepolis“ wärmstens empfohlen.

von Irmgard Wurdack (E-Mail)




Linksruck Nr. 175, 1. Januar 1970





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