Europäisches Sozialforum: „Wir werden Stärke zeigen“

In weniger als einem halben Jahr wird das dritte Europäische Sozialforum in London anfangen. Chris Nineham über den Kampf gegen Krieg, gegen Rassismus und für eine andere Welt.

Stichwort ESF

Das nächste Europäische Sozialforum (ESF) wird vom 14. bis 17. Oktober in London stattfinden. Das ESF wurde auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre in Brasilien angestoßen, einem Gipfeltreffen gegen das Weltwirtschaftsforum der Herrschenden. Die ersten beiden Europäischen Sozialforen fanden 2002 in Florenz und 2003 in Paris statt. Zehntausende von Menschen aus Europa und darüber hinaus kamen zusammen, um über Alternativen und Widerstand zu beraten.

Info: Du und das ESF

Du kannst mithelfen, das ESF zu einem großen und lebendigen Ereignis zu machen. Im Internet findest du auf der Homepage www.dsf-gsf.org einen Aufruf, den du ausdrucken und weiterverbreiten kannst.
Auf der nächsten europäischen Versammlung zur Vorbereitung des ESF kannst du dir selbst ein Bild machen. Sie wird am 19. und 20. Juni in Berlin stattfinden.
Flugblätter für das ESF kannst du bestellen bei: K. Karch, Initiative für ein Sozialforum in Deutschland, c/o Friedens- und Zukunftswerkstatt, c/o Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77, 60329 Frankfurt am Main.
Mehr Informationen erhältst du auch unter der Telefonnummer 030/63 22 56 30.
Chris, was hat das ESF mit den Menschen in Europa zu tun?
Die Herrschenden behaupten, es gäbe keine Alternative zu Krieg und Sozialabbau. Sie sagen, der Markt regelt alles. Aber der Markt ist eine Katastrophe. Das gilt nicht nur für die Menschen im Süden, sondern auch für uns in Europa.
Ich denke, es gibt Alternativen. Das ESF ist ein Ort, wo wir darüber diskutieren werden. Dort werden wir auch über umstrittene Themen reden. Wie stehen wir zur Europäischen Union? Wie verhalten wir uns zu den Versuchen, Muslime zu kriminalisieren?
Das ESF bietet auch die Gelegenheit, sich zu organisieren. Immer mehr Menschen sind der Meinung, dass die Globalisierung eine globale Antwort braucht. Das ESF ist die Gelegenheit für diese Menschen, mit der globalisierungskritischen Bewegung in Kontakt zu kommen.

Was ist das Besondere am ESF in London?
In London regiert Blair, der engste Verbündete des Kriegstreibers Bush. London ist auch das Hauptquartier der neoliberalen Angriffe in Europa. Das ESF in London kann großem Druck auf Blair ausüben und die Kriegstreiber und Neoliberalen hart treffen.
Das ESF wird auch ein Fest des Widerstands gegen Faschismus und Rassismus sein. Faschistische Parteien sind eine bleibende Bedrohung. Es wird eine große Versammlung gegen Faschismus geben und ein großes antifaschistisches Konzert.
Auf hunderten von Veranstaltungen werden hunderte von Themen diskutiert werden, von der Klimaerwärmung bis zum Kampf gegen Privatisierung. Eine Demonstration am letzten Tag wird alle noch einmal zusammenbringen. Vor Blairs Türschwelle werden wir unsere Stärke zeigen.

Wer wird bei dieser Demonstration dabei sein?
Das ESF wird inzwischen von 10 Gewerkschaften unterstützt – darunter die größte in Großbritannien. Die Hilfsorganisation Oxfam unterstützt das ESF, der muslimische Dachverband, der Rentnerverband und christliche Gruppen. Letztere kümmern sich zum Beispiel um die Unterbringung der Gäste.
Das zeigt, dass das ESF von Florenz 2002 über Paris 2003 bis London immer mehr an Unterstützung gewonnen hat. Wir haben das Potential, die Mehrheit der Bevölkerung zu erreichen. Die Radikalität der globalisierungskritischen Bewegung und die Kraft der Arbeiterbewegung können zusammenkommen. London ist hoffentlich der Ort, an dem das geschieht.

Bush und Blair stecken in der Krise. Kann das ESF eine Rolle dabei spielen, Frieden im Irak zu schaffen?
Das ESF wird Globalisierungskritiker aus den westlichen Staaten, aus Osteuropa und auch aus dem Nahen Osten zusammenzubringen. Das ESF in Florenz vor zwei Jahren war das Sprungbrett für die größte weltweite Demonstration der Geschichte gegen den Krieg gegen den Irak am 15. Februar. Wir hoffen, dass London auch so eine Rolle spielt. Vielleicht trägt das ESF dazu bei, dass wir Blair loswerden.

Die EU ist gerade erweitert worden. Die Bosse versuchen, die Menschen in Europa gegeneinander auszuspielen. Wie können die europäischen Bewegungen darauf reagieren?
Auf dem ESF werden wir darüber reden, wie wir europaweite Kampagnen gegen den Neoliberalismus machen können. Wir müssen Widerstand gegen die Angriffe organisieren, die die Menschen in allen Ländern Europas treffen. Dazu gehören die Kürzungen der Renten und in den Gesundheitssystemen und auch die Angriffe auf die Rechte von Flüchtlingen.

Die Regierungen sagen, die geschlossenen Grenzen bringen Sicherheit.
Die Angriffe auf Flüchtlinge haben mit Sicherheit überhaupt nichts zu tun. Sie dienen dazu, zwei Klassen unter den Arbeitern zu schaffen. Flüchtlinge sollen für billige Löhne arbeiten und schnell wieder abgeschoben werden.
Wenn irgendetwas die Welt unsicher macht, dann ist das die Politik der Herrschenden. Anschläge wie in Madrid hat es vor dem so genannten Krieg gegen den Terror nicht gegeben.
Wenn sie Frieden und Sicherheit wollen, dann müssen unsere Regierungen die Truppen aus dem Krieg abziehen und für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit sorgen.

von Chris Nineham




Linksruck Nr. 178, 1. Januar 1970





Dieser Artikel kommt von Linksruck
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