marxismus aktuell:

Die USA ist nicht allmächtig

Die militärische Macht der USA ist beänstigend. Doch unverwundbar ist die Supermacht nicht.

Sechsunddreißig Prozent der weltweiten Militärausgaben kommen von den USA. Das ist weit mehr, als die anderen G7-Staaten zusammen aufbringen. Doch wirtschaftlich hat allein die EU mit den USA gleichgezogen.
In den Kriegen gegen Jugoslawien und Afghanistan, und nun gegen Irak, versuchen die USA militärisch durchzusetzen, was ihnen wirtschaftlich nicht gelingt. Die US-Truppen in Osteuropa sollen als Gegenmacht zur EU-Osterweiterung dienen, die vor allem den Einfluss der deutschen Wirtschaft ausdehnt. Der Krieg im Irak soll Europa und Japan zeigen, dass einzig die US-Militärmacht ihre Ölversorgung garantiert. Wären die USA tatsächlich allmächtig, bräuchten sie diese Kriege nicht, sondern könnten ihre globale Herrschaft wirtschaftlich durchsetzen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die wirtschaftliche Stärke der USA weit größer als heute. US-Unternehmen dominierten die Finanzwirtschaft weltweit. Die Hälfte der Industrieproduktion außerhalb der Sowjetunion kam aus den USA. Damals konnten sie öfter durch bloßen wirtschaftlichen Druck die Politik ihrer Verbündeten kontrollieren. Als Großbritannien 1956 Ägypten überfallen wollte, um die Kontrolle über die ehemalige Kolonie zurückzugewinnen, verkaufte die US-Zentralbank massiv britische Pfund und konnte Großbritannien so zum Abbruch des Krieges zwingen. Die europäischen Kolonialreiche zerfielen, wodurch die USA viele neue verbündete Regierungen gewinnen konnte.
In den nächsten Jahrzehnten wurde die Sowjetunion mit dem Wettrüsten des Kalten Krieges in den Ruin getrieben, doch auch die USA wurden wirtschaftlich geschwächt. Weil die Supermächte irrsinnige Summen für Waffen ausgaben, konnten die Verlierermächte des Zweiten Weltkriegs Deutschland und Japan wirtschaftlich aufholen. Anfang der 90er glaubten sogar viele Wirtschaftsexperten, dass ein "asiatisches Jahrhundert" bevorstehe.
Nach dem Ende des Ostblocks wurde es für die USA immer schwieriger, die "neue Weltordnung" militärisch zu kontrollieren. 1991 gewannen die USA einen Krieg gegen den Irak, schreckten aber davor zurück, mit Bodentruppen einzumarschieren. Der schnelle Sieg in Afghanistan hat Bush jetzt dazu ermutigt, die Kontrolle der USA über den Nahen Osten mit einer Besetzung des Irak entscheidend zu erhöhen.
Allerdings soll der Krieg diesmal ohne einheimische Verbündete geführt werden, weil diese sonst selbst Machtansprüche entwickeln. Weder nach dem Krieg in Jugoslawien noch in Afghanistan haben sich die albanische UCK beziehungsweise die afghanische Nordallianz entwaffnen lassen.
Um dies im Irak zu vermeiden, wollen die USA das ganze Land militärisch besetzen. Doch dann drohen der Regierung ähnliche Probleme, die sie in den 70er Jahren mit dem Krieg gegen Vietnam hatten. Weil der Massenmord der US-Armee immer weiterging, protestierten Millionen US-Amerikaner gegen den Krieg. Tausende US-Soldaten weigerten sich zu kämpfen oder töteten sogar ihre eigenen Offiziere. Der Krieg endete mit einer kompletten Niederlage der USA.
Damals entfaltete sich der Protest in einem wirtschaftlichen Aufschwung. Heute sind die Löhne in den USA immer noch so niedrig wie 1975, während die Preise massiv gestiegen sind. Die Zahl der US-Amerikaner ohne Krankenversicherung hat sich um 20 Prozent auf über 42 Millionen erhöht. Wegen der wachsenden sozialen Ungleichheit in den USA haben bereits 1996 Arbeiter von UPS, Bell Atlantic und General Motors gestreikt und wichtige Erfolge erreicht. 1999 war Seattle im Nordwesten der USA der Beginn der weltweiten Antiglobalisierungsbewegung.
Mit dieser Ausgangslage kann sogar schneller als in den 70ern eine Massenbewegung gegen den Krieg aufgebaut werden, zumal im Nahen Osten der Hass auf die US-Armee jeden Tag steigt. Selbst bei einem schnellen Sieg der USA wären ihre Soldaten als Besatzungsarmee eine ständige Zielscheibe. Auch arabische Regierungen, die mit den USA verbündet sind, werden nach einem Krieg gegen den Irak von Protesten der Bevölkerung bedroht sein. Deshalb versuchen US-Politiker jede Unterstützung von arabischen Regierungen wie Saudi-Arabien unter den Teppich zu kehren.
Die Friedensdemonstrationen in Deutschland können ein wichtiger Beitrag sein, um das Morden im Irak aufzuhalten. Wenn wir die deutsche Regierung zwingen können, sich mit allen Mitteln gegen den Krieg zu wehren, würde das die Kriegsgegner in den USA enorm stärken. Dafür müssen wir eine große Bewegung aufbauen.

von Frank Renken




Linksruck Nr. 145, 1. Januar 1970





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