Willkommen bei
Anzeige
    

Als der Kapitalismus zusammenbrach

- Weltwirtschaftkrise 1929-33 -

Seite: 3/3


Der Aufstieg der Nazis ist durch diese Politik ganz entscheidend begünstigt worden. Denn die Krise des Systems und die Unfähigkeit aller politischen Organisationen, ihrer Herr zu werden, ließen viele Menschen in den falschen Versprechen der Nazis den einzigen Ausweg aus der sozialen Misere erblicken.
Die Gewerkschaften waren nicht in der Lage, die Welle des Sozialabbaus aufzuhalten. Ein Grund dafür war ihre enorme Schwächung durch die Massenarbeitslosigkeit – Mitgliederverlust und verschärfte Konkurrenz schlugen auf die Kampfkraft durch.
Doch auch die Zurückhaltung der mit der SPD verbundenen gewerkschaftlichen Führung spielte eine wichtige Rolle.
Noch im Frühsommer 1930 gab es unter Arbeitern eine hohe Bereitschaft, gegen die Angriffe der Bosse zu kämpfen. Die Unternehmer fingen an, reihenweise Tarifverträge zu kündigen. Sie wollten eine generelle 15prozentige Lohnkürzung durchsetzen.
Im August 1930 kündigten die Bosse die Tarifverträge der Berliner Metallbetriebe.
Die staatliche Tarifschlichtungskommission empfahl eine 8prozentige Kürzung der Löhne. Das führte zu erheblicher Unruhe unter den Gewerkschaftern.
Bei einer Urabstimmung in den Betrieben lehnten 90.590 Arbeiter die Schlichtung ab, 5.400 waren dafür. Am 15. Oktober 1930 gingen die Berliner Metallarbeiter in den Streik.
Der Streik endete mit einer Schlichtung, bei der die Lohnkürzung gemildert, aber nicht verhindert wurde.
Doch je länger die Krise dauerte, umso schwächer wurden die Abwehrkämpfe. Anstatt den Kampf zu organisieren, versuchten die Gewerkschaftsführungen, in Verhandlungen das Schlimmste zu verhindern.
Diese Strategie ging so weit, dass die Gewerkschaftsführungen Streiks, die von unten organisiert wurden, nicht unterstützten. So scheiterte im November 1932 ein Streik bei der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG, weil der Gewerkschaftsverband die Finanzierung verweigerte.
Der Streik war von Kommunisten organisiert worden, fand aber auch unter sozialdemokatischen Arbeitern großen Rückhalt. Diese Unterstützung verspielten die Kommunisten allerdings dadurch, dass sie sich zur Streikunterstützung mit den Nazis zusammentaten.
Der BVG-Streik war das letzte Aufbäumen der Arbeiter gegen die Krise. Zwei Monate später ergriffen die Nazis die Macht – und zerschlugen Gewerkschaften und Tarifverträge. Die Krise des Kapitalismus hat sie groß gemacht; die Bosse, die noch aggressivere Maßnahmen gegen den Sozialstaat wollten, standen hinter ihnen. Brüning hatte durch seine Sparpolitik den Weg gepflastert und die SPD vor der Herausforderung der Krise versagt.

von Stefan Bornost (E-Mail)

Vorherige Seite Vorherige Seite (2/3)

Linksruck Nr. 155, 3. Juni 2003

Copyright © by Linksruck All Right Reserved.

(5512 mal gelesen)

[ Zurück ]
Artikel zum Thema
„Das goldene Zeitalter“

Mehr zu Marktwahnsinn

Einstellungen
Druckbare Version  Druckbare Version

Artikel weiterempfehlen  Artikel weiterempfehlen

Web site powered by PHP-Nuke

All logos and trademarks in this site are property of their respective owner. The comments are property of their posters, all the rest © 2005 by Linksruck

Web site Engine's code is Copyright © 2002 by PHP-Nuke. All Rights Reserved. PHP-Nuke is Free Software released under the GNU/GPL license.