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Die Vision einer anderen Welt

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Es fängt an, lange bevor wir alt genug sind zum Arbeiten. Die Schulen und Universitäten sind ebenso Diktaturen, die uns disziplinieren und auf die Arbeitswelt vorbereiten. Deshalb würden wir eine ganz neue Ära einleiten, wenn wir Demokratie bei der Arbeit erreichen würden. Wir würden die Manager aus unseren eigenen Reihen wählen und sie jederzeit, wenn wir wollen, absetzen.
Normale Leute können deren Aufgaben erfüllen. Wir sorgen auch jetzt schon dafür, dass die Züge fahren, Krankenhäuser funktionieren, oder wir entwerfen Gebäude. Alle möglichen Leute können in Verwaltungsaufgaben hineinwachsen, und wir würden weniger Manager brauchen, wenn die Menschen ihre Arbeit freiwillig machen würden. Aber das allein würde nicht genügen. Denn es gibt immer noch den Weltmarkt.
Ich habe zehn Jahre bei einer Abtreibungsklinik gearbeitet. Wir waren eine Kooperative. Wir teilten unsere Stellen. Wir erhielten alle den gleichen Lohn. Aber wir mussten mit anderen Kliniken auf dem Markt konkurrieren, und zum Schluss hatten wir ein Management, das alle Gewerkschaftsmitglieder hinauswarf. Dasselbe ist schon ganzen Ländern passiert, die versuchten, eine Demokratie inmitten des Weltmarktes aufrecht zu erhalten.
Also müssten die Arbeiter in jeder Firma oder Regierungsabteilung die ganze Branche übernehmen. Dann könnten wir Vertreter in jedem Betrieb wählen. Das wären Menschen wie wir, Putzkräfte und Klempner und Lehrer, nicht Anwälte und Politiker, die von außen eingeflogen kommen. Sie würden Seite an Seite mit uns arbeiten, und sie wären Leute, die wir kennen würden und einschätzen könnten.
Die Vertreter aller Betriebe könnten sich einmal wöchentlich in jeder Stadt treffen, um darüber zu entscheiden, was mit der Wirtschaft gemacht werden sollte. In den meisten Städten wäre der einzige Ort, der groß genug wäre, um ihnen allen Platz zu bieten, ein Fußballstadion. Dann könnten sie Vertreter für eine nationale Versammlung wählen, und dort würden Repräsentanten für internationale Treffen gewählt.
Dieses ganze System würde auf wöchentlichen Treffen beruhen, die in jedem Betrieb abgehalten würden. Jede Woche könnten wir Sprecher auf jeder Ebene abwählen. Natürlich arbeiten nicht alle Menschen. Rentner könnten ihre Vertreter in Vereinen wählen und Kinder ihre in der Schule.
All diese Treffen würden Entscheidungen darüber fällen, was wir mit unserer Arbeit tun. Im Kapitalismus muss jedes Unternehmen konkurrieren. Alles dreht sich um Profite. In unserer neuen Welt könnten wir unsere Entscheidungen davon abhängig machen, was wir brauchen und nicht von Profit. Es würde große Debatten auf diesen Treffen geben.
Einige Menschen würden dafür sein, sehr viel mehr Arbeit für die Pflege älterer Menschen zu verwenden. Andere würden mehr Zeit für Kunst fordern. Einige würden nur noch vier Tage in der Woche arbeiten wollen und den Montag gleich ganz abschaffen. Andere würden hart arbeiten wollen, um die armen Länder der Welt auf das Niveau der reichen Länder zu bringen. Und wieder andere wären dafür, all unsere Energie in den Erhalt der Umwelt zu stecken.
All das würden wir im Konsens regeln, wenn wir können, oder in Abstimmungen, wenn das nötig sein sollte. Es wird Kompromisse geben, Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten. Manche unserer Entscheidungen werden sich als falsch herausstellen. Das Entscheidende ist aber, dass sie wirklich demokratisch sein werden. Eines der großartigen und überraschenden Dinge an unserer Bewegung ist, dass wir alle darin übereinstimmen, dass Demokratie wichtig ist.
Ich weiß natürlich nicht, was diese Treffen entscheiden werden. Ich glaube, wir sind für Gerechtigkeit und für gleichen Lohn für alle. Ich glaube, wir werden unsere Arbeitsstellen teilen wollen, damit jeder für einen Teil des Jahres einen wirklich guten Job macht und jeder einmal dran ist mit den langweiligen, schweren oder anstrengenden Tätigkeiten.
Ich habe in sechs Ländern auf vier Kontinenten gelebt und gearbeitet. Aus meinen Gesprächen mit arbeitenden Menschen in all diesen Ländern ist klar geworden, dass sie sich alle wünschen, ohne Angst zu leben.
Gegenwärtig verbringen wir unser ganzes Leben in Angst Angst davor, von einem Lehrer gedemütigt zu werden. Angst davor, dumm auszusehen. Angst vor der Gasrechnung. Angst davor, unseren alten Vater nicht in ein anständiges Krankenhaus bringen zu können. Angst davor, den Job zu verlieren und unserem Mann oder unserer Frau und unseren Kindern sagen zu müssen, dass wir kein Geld mehr nach Hause bringen können und uns schämen.
Man mag seinen Job nur ein oder zwei Mal im Leben verlieren, aber die Angst davor ist immer da. In einer anderen Welt würden wir sicherstellen, dass es diese Ängste nicht mehr gäbe und dass alle in Sicherheit leben könnten.

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